Stoffers: Neue alte Geschichten aus Münster Zweiter Band „Münster – Menschen, Geschichten und Erinnerungen“ von Henning Stoffers erschienen

Von der Weinstube zum "Müpopo" - Henning Stoffers öffnet im zweiten Band von "Münster - Menschen, Geschichten und Erinnerungen" erneut sein Archiv und fördert Spannendes zutage. (Foto: Michael Wietholt)
Von der Weinstube zum „Müpopo“ – Henning Stoffers öffnet im zweiten Band von „Münster – Menschen, Geschichten und Erinnerungen“ erneut sein Archiv und fördert Spannendes zutage. (Foto: Michael Wietholt)

Geschichtsbuch oder Geschichtenbuch? Nun, Henning Stoffers‘ neue Reihe, die seit diesem Jahr im agenda-Verlag erscheint, ist wohl beides. Nachdem bereits der erste Band mit reichlich Geschichte und Geschichten abseits der üblichen „großen Stadtgeschichte“ überzeugen konnte, ist nun der zweite Band erschienen.

Auch hier fördert Stoffers Einiges zutage, das in den üblichen Geschichtsbüchern fehlt, aber sicherlich eine sinnvolle Ergänzung zum oft allzu trockenen Schulstoff darstellt. Der zweite Teil dieser Münsteraner Geschichtensammlung beginnt weinselig, wenn auch mit ein wenig Wehmut. Beleuchtet – und selbstverständlich reich bebildert – wird die lange und wechselvolle Geschichte des Traditionsweinhauses Niemer von den Anfängen bis zur Schließung des Hauses in den 1990ern.

Ein starker Fokus dieses Bandes liegt zudem auf Vor-, Nach- und Zwischenkriegszeiten. So beschreibt ein sehr eindrucksvolles Kapitel den zivilen Luftschutz am Beispiel der Gräfin Merveldt in der Heerdestraße 11 und ist mit den zahlreichen Dokumenten sicherlich auch für Historiker von Interesse. Auch der spannenden Zeit der Weimarer Republik mit allen Höhen und Tiefen zwischen Bauboom und Hyperinflation wird ausgiebig nachgespürt, bevor die „Stunde Null“ nach Kriegsende 1945 näher in Augenschein genommen wird. Durchaus ernste Themen, die aber dennoch unterhaltsam und mit einem Fokus auf ein gutes menschliches Miteinander behandelt werden.

Dem Thema Theater wird sich – nach dem ausführlichen Portrait über Busso Mehring im ersten Band – dieses Mal von einer anderen, nicht minder kreativen Seite genähert. So entsteht mit Hilfe seiner Tochter Antje Vogel ein lesens- und liebenswertes Bild des Malers und Bühnenbildners CW Vogel – und gleichzeitig ein spannendes Zeitzeugnis der Theaterwelt in den Dreißiger- bis Sechzigerjahren.

Ein erfreuliches Wiedersehen gibt es in einem umfangreicheren Bericht über ein münsteraner Original, das bereits im ersten Band Erwähnung fand. Wie bereits angekündigt, widmet sich Stoffers hier noch einmal ausführlich dem „Müpopo“, Schutzmann Karl-Heinz „Bubi“ Gieseler. Ebenso gewährt uns der Autor bei der thematischen Rückkehr in Stoffers‘ eigene Kindheit im Südviertel weitere sehr persönliche Einblicke in die Südstraßenumgebung der 1950er Jahre.

Auch im zweiten Band ist die „reiche Bebilderung“ keine leere Worthülse, sondern neben den gut geschriebenen und informativen Texten sicherlich ein wichtiger Kaufanreiz. Das macht Lust auf mehr und schürt die Hoffnung, in zukünftigen Bänden noch weitere Schätzchen aus dem „Archiv Stoffers“ zu sehen zu bekommen.

Henning Stoffers: Münster – Menschen, Geschichten und Erinnerungen. Band 2. 118 Seiten, zahlreiche Bilder. agenda Verlag Münster 2021, ISBN 978-3-89688-728-3. 14,90 Euro. Mehr Infos auf www.agenda.de.

 

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