Wie die Masematte (mit mich!) ins Münsterland böschte… Im 12. Teil unserer Kolumne berichtet die Autorin Marion Lohoff-Börger davon, wie die Masematte mit ihr in ihrer Heimatstadt Borghorst angekommen ist.

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Marion Lohoff Börger (l.) mit ihren Eltern Elsbeth und Karl Lohoff während der Lesung in Borghorst. (Foto: Ralf Börger)
Marion Lohoff Börger (l.) mit ihren Eltern Elsbeth und Karl Lohoff während der Lesung in Borghorst. (Foto: Ralf Börger)

Als wir mit unser Wuddi in meine alte Heimatstadt Borghorst gepeselt sind, hab ich die ganze Zeit rakawehlt und geklagt, datt ich dat nienich wieder makeimen werde. Heute noch eine allerletzte Lesung und dann war es dat! Für immer! Am jovelsten wäre dat, den Beruf tacko zu wechseln. Maschemau, wäre ich doch nur Löti oder Lapanenmalocherin geworden, dann hätte ich jetzt nicht diese Malessen mit den Flender. Ja, ich hegte hamel More.

Als wir ankamen und die jovle alte Paze vom ehemaligen Ratsbeis (…wo ich als Koten meine erste Kinderfleppe gehegt hatte…), öffneten, war ich nach bes Minuten anderer Meinung! Wie wir Kalinen so sind. Wat interessiert mich mein Geseiere von vor hei Minuten? Mascheminus maschemau…, so ein herzlicher Empfang, die ersten Gäste belegten schon die Stühle in den ersten Reihen (sie waren vor der Autorin da, und ich war wirklich sehr früh!) und der Obermacker von dat Heimathaus fragte mich, ob ich direkt einen zweiten Termin anbieten könnte, er erwarte so viele Seegers und Kalinen, dat er hamel More hatte, welche wieder nach Beis schicken zu müssen. Mit den größten Jontev in meine Schmiege schmuste ich „Aber ja!“. Keine Rede mehr von Löti oder Lapanenmalocherin.

Wow, Borghorst hat 30 Jennikes auf mich gewartet!

Die Autorin mit einer Auswahl ihrer Bücher. (Foto: Ralf Börger)
Die Autorin mit einer Auswahl ihrer Bücher. (Foto: Ralf Börger)

In Borghorst war ich die ersten 20 Jennikes von mein Leben dat ticknoe, tofelmönnische Malocheranimchen. Ja, wir haben Stuss makeimert, wir waren abends mattoballo und am nächsten Morgen klatrig, wir haben Sachen makeimert, die waren makaki, aber wir hatten auch ömmes eine tofte Kindheit und eine jovle Jugend. Wir haben geschallert, gespielt, uns beömmelt und ne Menge gelernt. Aber, als ich nach Münster zum Studieren kam, war dat schon ne andere Welt für mich. Son bisken raus aus dat stickige Kabuff, rein in dat freiere Studentenleben.

Davon habe ich dann auch rakawehlt. Es wurden vorher noch Stühle geholt, damit alle sitzen konnten… und wat soll ich euch schmusen, ich wurde mit warmherziger Neugier aufgenommen! Ich war ömmes ne Kaline mit Zerche und nicht mehr der ticknoe Koten mit Schonte inne Bräseplinte.

Wat haben die Borghorster sich bei „Kimmel Vogelkäfige anne Tiftel“* beömmelt, und beim „Beseibelten Jif“* dat Pani ausse Döppen gewischt. Und wat haben die dat tacko gemuckkert, dat mit der Masematte und dem Plattdeutschen. Und die meisten waren erstaunt, wie hamel viele Masemattewörter es geschafft hatten, die 25 km zwischen Münster und Borghorst zurückzulegen und sich in dat Plattdeutsche, wat ambach gekuert wird, einzuschleichen. Ist die Masematte mit der Trallibahn gepeselt? Lau lone! Oder mit dem Wuddi? Wohl kaum. Ömmes zu Fuß mit den alten Masmeiers eines Masemattenfreiers oder mit der Leeze. Ömmes bekane. Viele ehemalige Münsteraner leben heute in Borghorst und haben ihre Jugendsprache, die am Lambertibrunnen in den sechziger und siebziger Jahren rakawehlt wurde, mitgebracht. Und Borghorst, dat vor 40 Jahren mit Burgsteinfurt (Stemmert) zu „Steinfurt“ zusammengelegt wurde, war ja immer schon eher tofelmönnisch an dat weitentfernte Münster gebunden, als an dat lutherschke Stemmert, wat nur nen Backmannwurf entfernt liegt. Wat war dat ein traumatisches Schlamassel damals. Für uns alle.

Nach meiner Lesung gab es viel Applaus, die Presse machte ein Foto von mir mit meinen Eltern, es gab Blümkes (!) und die Frage, wann ich denn wiederkäme. „Vermutlich im Advent, dann rakawehle ich wat von den Jesuskoten inne Bräseplinte“, schmuste ich die Borghorster, …, also, falls ich bis dahin nicht meinen Beruf gewechselt haben werde. Vielleicht suchen die in Münster demnächst noch ne Lapanenmalocherin oder nen Löti…. Wer muckert dat schon? Alles jovelino?!

*Texte aus meinem Buch „Mehr Massel als Brassel“

Glossar: Wuddi: Wagen / peseln: gehen, fahren / rakawehlen: erzählen / makeimen: machen / tacko: schnell / maschemau: oh ja / Löti: Klemtner / Lapanenmalocher: Bauarbeiter / Malessen: Probleme / Flender: Durchfall / hamel More hegen: Angst haben / jovel: schön / Paze: Tür / Ratsbeis: Ratshaus / Koten: Kind / Kinderfleppe: Kinderausweis / Kaline: Frau / Geseire: Gerede / hei: fünf / mascheminus maschemau: oh ja, oh je / Obermacker: Chef / Seegers: Männer / Jontev: Freude / Schmiege: Gesicht / schmusen: sagen / Jennikes: Jahre / tickno: klein / tofelmönnisch: katholisch / Malocheranimchen: Arbeitermädchen / Stuss makeimert: Quatsch gemacht / mattoballo: betrunken / klatrik: elend / makaki: peinlich / ömmes: tatsächlich / tofte: gut / schallern: singen / beömmeln: lachen / Kabuff: kleines Zimmer / Zerche: Ahnung / Schonte: Scheiße / Bräseplinte: Windel / Kimmel: drei / Tiftel: Kirche / beseiblelter Jif: Schmutziger Schnee / Trallibahn: Zug / Lau lone: keinesfalls / Maßmeier: Arbeitsschuhe / Masemattenfreier: Händler / Leeze: Fahrrad / ömmes bekane: klarer Fall! / Backmann: Stein / muckern: wissen

Wortkunde: tofelmönnisch: katholisch, beschränkt (!), jiddisch: tofel amuna: alter Glaube. Die Katholiken wirkten wohl etwas behäbig und langsam im Denken, eine Interpretation, die diese Wortherkunft vermuten lässt.

Marion Lohoff-Börger

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