
Der „Freundeskreis Siegfried Borchardt“ will am 13. September 2025 zum dritten Mal innerhalb weniger Monate durch Münster demonstrieren. In einem am Wochenende verbreiteten Aufruf unter dem Titel „Münster die Dritte“ kündigt die Gruppe eine weitere Versammlung an – wieder um 14:00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Das Motto lautet diesmal: „Gegen Repression hilft nur noch mehr Demonstration!“
In dem Aufruf wirft die Gruppe der Polizei und Versammlungsbehörde vor, bei den vorherigen Demonstrationen am 5. und 19. Juli rechtswidrig gehandelt und Teilnehmende „schikaniert“ zu haben. Wörtlich heißt es, das Zeigen von schwarz-weiß-roten Fahnen – einer in der rechten Szene oft verwendeten Farbkombination – sei fälschlich kriminalisiert worden. Die Veranstalter sprechen von Verzögerungen, Strafanzeigen und Personalienkontrollen, gegen die sie nun juristisch vorgehen wollen.
Rückblick: Die Demos am 5. und 19. Juli
Beim ersten Aufmarsch am 5. Juli waren laut Polizei rund 130 Personen aus dem extrem rechten Spektrum durch Münster gezogen – mit dem Ziel, eine symbolische Grabplatte für den verstorbenen Neonazi Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt zu errichten. Die Polizei unterbrach den Aufmarsch am Ludgerikreisel für über zweieinhalb Stunden, weil sie einen „paramilitärischen Eindruck“ feststellte: Zwei gleichgerichtete Reihen trugen schwarz-weiß-rote Fahnen, was laut Polizei einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz darstellte. Insgesamt wurden an diesem Tag 75 Strafanzeigen gestellt – vor allem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz – und in 39 Fällen Personalien aufgenommen, unter anderem wegen mutmaßlicher Auflagenverstöße. Parallel protestierten rund 1.200 Gegendemonstrierende an mehreren Orten in der Innenstadt, darunter auch mit Sitzblockaden.

Auch der zweite Aufmarsch am 19. Juli begann mit Verzögerung. Die Polizei stoppte die Versammlung nach wenigen Metern erneut, weil die Auflagen zur Trennung der Fahnen zunächst nicht eingehalten wurden. Erst nachdem die Darstellung verändert wurde, durfte der Aufzug weiterziehen. Die Teilnehmendenzahl lag laut Polizei diesmal bei rund 90 Personen. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ organisierte mehrere Gegenkundgebungen, die friedlich verliefen.
Schwarz-Weiß-Rot als Provokation
Die Farbkombination schwarz-weiß-rot geht auf die Flagge des Deutschen Kaiserreichs zurück. In der heutigen extrem rechten Szene wird sie häufig verwendet, weil sie an autoritäre und völkisch-nationalistische Traditionen anknüpft – und weil sie nicht unter das Verbot nationalsozialistischer Symbole fällt, aber ähnliche Botschaften transportieren kann. In Münster war die Fahnenwahl bereits bei den letzten beiden Demos Grund für Einschränkungen und juristische Auseinandersetzungen. Im Vorfeld der zweiten Demonstration hatte die Polizei erneut Einschränkungen für das Zeigen schwarz-weiß-roter Fahnen erlassen. Diese wurden vom Verwaltungsgericht Münster weitgehend bestätigt.
„Holland-Hitler“
Zu den Teilnehmenden der letzten Demonstration in Münster zählte auch bekannter Neonazi aus den Niederlanden, der unter anderem im Umfeld der rechtsextremen niederländischen Partei Nederlandse Volks-Unie (NVU) sowie der Organisation „Blood & Honour Nederland“ aktiv ist. Er trat bereits bei rechtsextremen Veranstaltungen in Kassel, Remagen und anderen Städten auf – meist gut sichtbar an vorderster Front. Aufgrund seiner äußeren Inszenierung mit Hitlerbärtchen und Seitenscheitel wird er in Medienberichten oft als „Holland-Hitler“ bezeichnet. In einem während der Demonstration in Münster aufgenommenen Livestream äußerte er sich offen bewundernd über Adolf Hitler: „Hitler war der Allerbeste“ und bezeichnete ihn als „Weltwunder“.

Offenbar neue Route geplant
Laut dem aktuellen Aufruf plant der „Freundeskreis Siegfried Borchardt“ am 13. September eine veränderte Wegstrecke, die erstmals am Polizeipräsidium Münster vorbeiführen soll. Damit will die Gruppe ihren Protest „direkt vor Ort“ sichtbar machen. Auch für die kommende Versammlung rechnet die Gruppe mit „Wartezeiten“ – kündigt dafür aber ein „unterhaltsames Rahmenprogramm“ an.
Widerstand formiert sich erneut
Auch das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hat bereits Proteste angekündigt. Sprecher Carsten Peters erklärte gegenüber unserer Redaktion: „Wir werden uns erneut den Nazis entgegenstellen und deutlich machen, dass Münster kein gutes Pflaster für sie ist und sie hier nichts zu gewinnen haben. Die erste Gegendemo ist für 12:00 Uhr am Hauptbahnhof angemeldet.“
- Verkehrswende 2026: IG legt Forderungen vor Kampagne der Initiative "Fahrradstadt Münster" findet 250 Unterstützer in einer Woche - 4. März 2026
- Große Soundtracks live: Konzert in MünsterGewinnspiel The Sound of Hans Zimmer & John Williams in der Halle Münsterland - 3. März 2026
- Berg Fidel: Nachbarschaftstreff kämpft weiter Gespräch mit LEG ohne Einigung / Kundgebung am 27. Februar - 21. Februar 2026
