Oktoberfest fällt aus Im 8. Teil der Masematte-Kolumne "alles jovelino" meint Marion Lohoff-Börger, dass ein Oktoberfest nach Bayern-Art nicht zu Münster passt

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Ein Oktoberfest nach bayrischer Art passt nicht zu Münster, meint unsere Autorin Marion Lohoff-Börger. (Foto: Thomas M. Weber)
Ein Oktoberfest nach bayrischer Art passt nicht zu Münster, meint unsere Autorin Marion Lohoff-Börger. (Foto: Thomas M. Weber)

Da haben die grad die Latüchten von den Bäumen fingiliert und der Bezinnum-Duft hat sich aus dem Ratshausinnenhof verzogen, da hängen die in Münster auf der Nobelstrehle schon wieder die Fähnchen auf und dann wird dieser Karnevals-Trallafitti gejovelt. Wie die Nerbelos verkleiden sich die Kalinen und Seegers und böschen pegelschicker, schallernd und krajöhlend durch die Strehlen und verstopfen die Katschemme, wo ich meine Lowine nicht mehr in Ruhe picheln kann.

Und dann geht dat dat ganze Jahr so weiter in unser jovles Münster. Ein Fitzebumm jagt dat nächste und man weiß gar nicht mehr, wo einem der Schero steht. An jedem Wochenende wird in Münster irgendwo eine Lowinen-Bude aufgestellt, bisken Mukke dazu, ein Stand mit Bezinnum und Pommes und son bisken Glitzer-Gedöns für die Kalinen und schon sind die Münsteraner zufrieden.

Wat ich aber lobend erwähnen muss ist, dat immer alle, wirklich alle, eingeladen sind mitzujoveln. Egal, wo du herkommst oder wie du lebst, in Münster joveln immer alle zusammen. Und dat finde ich echt jovel. Weltoffen, friedliebend, freundlich (merkwürdig, dat es dafür keine Wörter gibt auf Masematte …), Münster mag die Menschen aus aller Welt (vor allem wenn die uns ihre Knete mitbringen und unsere Kassen tofte an klingeln sind!!!!)

Ich kneister mich dat schon seit Jahren an und denke bei mich:

Ömmes, tofte, jovel,
jovelt ihr mal
jovel in Münster,
dat Leben ist tickno
und manchmal schofel
zu einem,
carpe diem schmus ich euch
und makeimt euch dat Leben jovel,
bevor ihr tofel
seid und der Mulopenk
den Deckel von euren Kolani
mit sein Mottek zunagelt.

Aber jetzt werd ich zu philosophisch, ich glaube dat macht der Herbst …

Wenn hamel viele Kalinen und Seegers mit dieser Bayernkowe durch die Bendine böschen, dann ist auch in Münster Oktoberfest. (Foto: Thomas M. Weber)
Wenn hamel viele Kalinen und Seegers mit dieser Bayernkowe durch die Bendine böschen, dann ist auch in Münster Oktoberfest. (Foto: Thomas M. Weber)

Modewehl, der Herbst! Seit ein paar Jahren merkt man in Münster, dat es Herbst wird nicht mehr daran, datt die bunten Blätter von den Bäumen fallen (und ich mir wieder meine Wollplinte unter den Bossmann ziehen muss), sondern dat plötzlich hamel viele Kalinen und Seegers mit dieser Bayernkowe durch die Bendine böschen. Die Kalinen mit so bunten Dirndelfummels, dat Ponum geschminkt und die Ballen geflochten und die Seegers mit Lederbossmännern. Zuerst dachte ich bei mich, ob jetzt schon wieder Karneval ist und ich den Winter verpennt habe, aber nein. Die peseln mit ihre Leezen alle in einen Richtung! Zum Hafen vonne Öle …, zum Albersloher Weg. Da steht ein Zelt und jetzt müsst ihr ganz mucker sein: Da joveln die ein Oktoberfest

Also, bei aller Weltoffenheit, Freundlichkeit und Toleranz (keine Wörter in Masematte!!!!), da hört sich dat doch auf! Ömmes bekane!!!!!

Da hegen die Batzis schon die schofelste Flemmerei in unser Land, von der Politik will ich gar euch gar nix schmusen, aber ein Batzi-Fitzebumm in Münster und unsere Seegers und Kalinen verkleiden sich dafür, nee, meine Freunde, dat is ne ganz schofle Kiste.

Als hätte es #metoo nie gegeben... (Foto: Thomas M. Weber)
Als hätte es #metoo nie gegeben… (Foto: Thomas M. Weber)

Nich, dat ich ambach gewesen bin, aber wat man mir rakawehlt hat oder im Kneisterkasten bei der Lokalzeit kneistert oder wat in den Fleppenhaufen drinsteht, dat reicht mir schon, dat ich da nen hamel Bogen drumrum machen tu.

Da rakawehlen die Veranstalter mit so ein schofles Schmergeln in ihr Ponum, datt die Kalinen, die da Kowerinnen sind, sich ne extra Plinte anziehen müssen, unter ihr „Dirndl“, weil die beschickerten Seegers nicht wissen, wo ihre Fehmen hingehören… Also den Import aus dem Batziland, den brauche ich hier nicht. Muss ich da noch weiterrakawehlen? Maschemau!

Da hat man in Zeiten von #metoo, von neu aufblühendem Feminismus (Passmann, Sophie: Alte, weiße Männer. Kiwi, 2019, lest dat mal!) und schon seit Jahrzehnten in Sachen Kalinen-Power alles gegeben und dann dat. Piek Schonte (dafür gibt es ein Wort auf Masematte! Aha!). Dat is so schofel, wie wenn de dir bei de Flemmerei einen in die eigene Kiste flemmst!

Erst blechste für den Eintritt (fast 20 €) und dann haste immer noch Row und Brand. Also für nix. Die Lowine ist jackes (12 € für so ne Milchkanne voll) und „plörrig“ (Zitat Michael Bührke, Lowinen-Kenner). Die Kalinen sind tofel im Schero und die Seegers haben nix dazugelernt, ganz im Gegenteil, sie mutieren sich langsam zurück.

Auf dat Oktoberfest in Münster, da können wir jovel verzichten, meint Marion Lohoff-Börger. (Foto: Thomas M. Weber)
Auf dat Oktoberfest in Münster, da können wir jovel verzichten, meint Marion Lohoff-Börger. (Foto: Thomas M. Weber)

Die Mukke ist mies, da wirste ömmes nur noch bestusster von innen Schero (bumm-tata …). Die Leute frengeln Berge von Boser, Schassörkenhaksen, Softmatrelen, „Brezeln“ statt vernünftige Knierften und dat schofelste: Da hegste weiße Bezinnums! Also, wenn eins wichtig ist, dann dat: Bezinnums gehören auf den Grill oder in die Pfanne, aber nicht in den Topf. Modewehl.

Wat noch schofler ist: Ständig muss da die Husche hinböschen, weil es Mackelei gibt. Und wat die Kalinen ambach mitmachen und wat die der Husche nicht rakawehlen, dat geht auf keine Kuhhaut. Ich vermute beim Frauen-Notruf haben die drei Telefone mehr am laufen und legen die ne Extraschicht ein. Danke, für eure jovle Maloche, ihr Kalinen vom Frauen-Notruf.

Also genug lamentiert: Oktoberfest fällt nächstes Jahr aus!

Nee, Scherz beiseite, also auf dat Oktoberfest in Münster, da können wir jovel verzichten, da wird doch nur Reibach bei Lowi gemacht und sich voll bestusst der Schero zugeschickert. Den Batzi-Import, den brauche ich nicht in Münster.

Ömmes bekane, ich werde den Herbst nutzen und bei Beis oder inne Katschemme sitzen, mir ne jovle Lowine picheln … und mir ne warme Unterplinte aus Wolle stricken, damit ich auf dem Weihnachtsschock bei Glühnobelpani und Bezinnum (vom Grill!!!!) nicht so am Frieren bin.

Und nen toften Lenz hegen, wenn ich im Kneisterkasten reune, wie die Batzis bei der Flemmerei mal verkimmeln … Darauf freue ich mich schon.

Alles jovelino?


Hier könnt ihr den Ausschnitt aus der Lokalzeit noch mal kneistern:

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Glossar:
Latüchte: Licht / fingilieren: dranfummeln / Bezinnum: Bratwurst / Nobelstrehle: Prinzipalmarkt / Trallafitti: Nonsens / Nerbelos: Verrückte / Kaline: Frau / Seegers: Mann / böschen: laufen / pegelschicker: volltrunken / schallern: singen / krajöhlen: schreien / Strehle: Straße / Katschemme: Kneipe / Lowine: Bier / picheln: trinken
jovel: schön / Fitzebumm: Fest / Schero: Kopf / joveln: feiern
kneistern: sehen / ömmes: ja, tatsächlich, groß / tofte: gut / tickno: klein / schofel: schlecht / schmusen: sagen / makeimen: machen / tofel: alt / Mulopenk: Sensemann / Kolani: Sarg / Mottek: Hammer
Plinte: Unterhose / Bossmann: Hose / Kowe: Kleidung / Bendine: Gegend / Ponum: Gesicht / Ballen: Haare / peseln: fahren / Leeze: Fahrrad / Öle: Kanal / mucker: tapfer / Ömmes bekane!: Klarer Fall! / Flemmerei: Fußball / ambach: da / rakawehlen: erzählen / Kneisterkasten: Fernseher / Fleppenhaufen: Zeitung / hamel: sehr / Schmergeln: Grinsen / Kowerinnen: Kellnerinnen / beschickert: betrunken / Fehmen: Hände / Maschemau: Oh ja, oh je … / Piek Schonte!: Schöne Scheiße! / einen in die eigene Kiste flemmen: Eigentor schießen / Row: Hunger / Brand: Durst / jackes: teuer / mies: schlecht / bestusst: dumm / Boser: Fleisch / Schassörkenhacksen: Schweinshacksen (Erfindung M.L.-B.)/ Softmatrelen: Weichkartoffeln = Knödel (Erfindung M.L.-B.)/ Knierfte: Butterbrot / Modewehl: oh nein/ Husche: Polizei / Mackelei: Schlägerei / Reibach bei Lowi: Gewinn

Marion Lohoff-Börger

Gastautorin bei ALLES MÜNSTER
Freie Autorin und Texterin, lebt seit dem Studium in den Achtzigern in Münster, hat hier drei wunderbare Töchter großgezogen. 2016 hat sie die „schreibmaschinenlyrik“ gegründet und verkauft ihre Lyrik auf Design- und Kreativmärkten. Sie ist fasziniert von der alten Geheimsprache Masematte und forscht über sie und textet auf ihr. Mit Martje Saljé tritt sie mit der Musiklesung auf Masematte „Mehr Massel als Brassel“ regelmäßig in verschiedenen Locations auf.

Bei ALLES MÜNSTER übernimmt Marion die Kolumne "alles jovelino".

redaktion@allesmuenster.de
Marion Lohoff-Börger

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