
Zuletzt haben wir die Halle Münsterland so voll gesehen, als die Donots zum Grand Münster Slam gebeten haben – aber das war quasi ein Heimspiel im Wohnzimmer der liebenswerten münsteraner Punkrocker. Ganz so heimisch verwurzelt sind die Gastgeber des Mittwochabends nicht, immerhin ist Chemnitz – pardon: Karl-Marx-Stadt – nicht gerade um die Ecke. Aber durch einen untadeligen Ruf als exzellente Liveband, der bereits in unzähligen Konzerten auch in Münster bestätigt wurde und ein starkes neues Album in der Hinterhand, ist es den sympathischen Indierockern von Kraftklub gelungen, die Halle in kürzester Zeit auszuverkaufen.
Als es pünktlich um 19:30 los geht, stellt Kraftklub-Sänger Felix persönlich den Opener des Abends vor. Shelter Boy, vor allem bekannt aus den sozialen Medien, eröffnet mit solidem Indie-Pop-Rock, zunächst vornehmlich englischsprachig, dann werden auch die vier neuen, deutschsprachigen Songs unter reichlich Applaus zum Besten gegeben. Stimmlich ausgesprochen überzeugend, menschlich sehr sympathisch, musikalisch durchaus überzeugend wird der Newcomer samt Band wohlwollend aufgenommen, wenn auch noch keine hundertprozentig ausgelassene Partystimmung aufkommen will. Wir drücken jedenfalls die Daumen, dass die 42 Shirts, die laut Sänger Simon zum Erreichen eines wirtschaftlich gelungenen Abends erforderlich sind, schnell neue Besitzer gefunden haben.

Sportprogramm des Abends
Nach kurzem Umbau geht dann das Sportprogramm des Abends los. Von den ersten Tönen hat hat das Chemnitzer Quintett das Publikum voll im Griff und für die gesamte gut zweistündige Show ist kompromisslose Bewegung angesagt. Woher auch immer Felix Kummer diese Energie hat, er überträgt sie augenblicklich auf ein restlos begeistertes Publikum, das jeder Aufforderung zum Mitmachen mehr als bereitwillig folgt. Nicht nur die Bühne, die mit einer grandiosen Lichtshow zu beeindrucken weiß, auch so ziemlich jeder Winkel der Halle wird bespielt.

Konfetti und tanzende Fans
Neben Material vom aktuellen Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ wird das ganze Arsenal an Hits aus mehr als 15 Jahren Bandgeschichte abgefeuert, bis die Halle nur noch aus Konfetti und tanzenden Menschen besteht. Zwischendurch stößt Shelter Boy noch einmal für ein ausgesprochen gelungenes Cover des Blink-182-Klassikers „All the small things“ dazu. In Sachen Nachwuchsförderung machen Kraftklub keine halben Sachen und verstehen es, ihren Support-Act nach allen Möglichkeiten zu unterstützen.

Liebe für Liebe
Wer so viel Liebe verteilt, bekommt auch reichlich Liebe zurück. Bei einem kurzen Zwischenspiel mitten im Publikum übernimmt selbiges den Gesang und verwandelt die Halle in ein Lichtermeer. Hier wird nicht nur „Schief in jedem Chor“, sondern vor allem aus ganzem Herzen mitgesungen. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn es auf der nächsten Tour wieder nach wenigen Minuten heißen würde: Ausverkauft!
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