Musikalisches Familientreffen mit Frühstart Jupiter Jones feiern Heimspiel am Hawerkamp

Feiern in der Sputnikhalle ein Familienfest mit Zeitreise: Jupiter Jones (Foto: Christian Menz)
Feiern in der Sputnikhalle ein Familienfest mit Zeitreise: Jupiter Jones (Foto: Christian Menz)

Schlechte Nachrichten für alle, die erst kurz vor dem angekündigten Veranstaltungsbeginn in der Sputnikhalle ankommen: Erstens ist die Halle schon vor 20 Uhr recht gut gefüllt, zweitens beginnt die erste Vorband schon eine halbe Stunde vor offiziellem Veranstaltungsbeginn.

Und hier gibt es wirklich etwas zu verpassen. Dem Münsteraner Szenekenner sind Swan Songs natürlich schon seit längerem ein Begriff, doch auch neu Dazugekommene können sich an sehr hübschem Indie Rock ohne großes Brimborium erfreuen, auch wenn der Bass heute recht launisch ist und nur phasenweise für ordentlichen Schub untenrum sorgt. Songauswahl und Stimmung lassen das Frühstarter-Set jedoch zu einem Leckerbissen für freunde düster-alternativer Indiesounds werden.

Nach kurzer Umbaupause geht es weiter mit einem Importschlager aus den USA, genauer gesagt aus Los Angeles. Wobei Schlager natürlich musikalisch und optisch der falsche Begriff ist. Sieht aus wie Britpop, klingt wie eine Mischung aus New Wave, Post-Punk und Grunge: The Props werden vom Publikum begeistert aufgenommen und bewegen sich souverän im Spektrum zwischen verzweifelter Trauer und roher Energie. Stellenweise fühlt man sich gar an Placebo erinnert, die an einem melancholischen Tag einen düsteren Klangteppich verlegen. Von dieser Combo wird man sicherlich noch des Öfteren hören.

Jede Spur von Müdigkeit aus der Halle gefegt

Wer sich nicht für einen Song entscheiden kann, verlässt sich auf den kompakten Würfel (Foto: Christian Menz)
Wer sich nicht für einen Song entscheiden kann, verlässt sich auf den kompakten Würfel (Foto: Christian Menz)

Der Höhepunkt des Abends folgt allerdings mit einem fast zweistündigen Set der eigentlichen Gastgeber des Abends. Jupiter Jones spielen sich bestgelaunt auf höchstem Niveau durch alle Schaffensphasen der Band, wenn auch der Fokus deutlich auf Material des neuen Albums „Ich trag den Sarg, du trägst was Buntes“ liegt. Bei einer so langen, wenn auch nicht ganz unterbrechungsfreien Bandgeschichte bleibt aber natürlich auch eine gelegentliche Zeitreise zu den Anfangstagen nicht aus. Schwungvoll wird mit einem kräftigen Doppelbrett aus „Torpedo Mobile“ und „Champagnerempfang satt“ jede Spur von Müdigkeit (immerhin ist es schon nach 21 Uhr und die meisten Gäste – wie auch unser Autor – nicht mehr ganz im Teenageralter) aus der Halle gefegt. Neben den beiden Bandgründern und einzigen Vollmitgliedern Nicholas Müller und Sascha Eigner steht hier eine Band aus absoluten Profis auf der Bühne. Da sitzt jeder Ton, die Rhythmusgruppe sorgt für reichlich Druck und Frontmann Nicholas Müller ist stimmlich voll auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit. Bei aller Präzision kommt auch die Spielfreude nicht zu kurz – den Musikern ist deutlich anzumerken, dass es sich hier nicht um eine Zweckehe, sondern um eine hervorragend eingespielte Truppe aus Freunden handelt, die gemeinsam die Freude an der Musik leben.

Hoffnungsvoller Ausblick auf ein positives Miteinander

Überzeugt mit überraschender Rap-Einlage auf ganzer Linie: Nina Müller. (Foto: Christian Menz)
Überzeugt mit überraschender Rap-Einlage auf ganzer Linie: Nina Müller. (Foto: Christian Menz)

Diese Freude springt auch ohne Aufwärmphase aufs Publikum über, es ist einundzwanzig Songs lang mitsingen und -tanzen angesagt. Neben einigen nachdenklichen und ruhigeren Zwischentönen und natürlich dem Überhit „Still“, der von allen Beteiligten würdig zelebriert wird, geht es vor allem laut und energetisch zu. Besonderes Highlight ist sicherlich die Rap-Einlage von Keyboarderin und Backgroundsängerin Nina Müller, deren eigene musikalische Projekte sicherlich auch ein genaueres Hinhören wert sind.

In turbulenten Zeiten wie diesen bleibt bei einer Band wie Jupiter Jones natürlich auch die Politik nicht außen vor, jedoch nie ohne auch einen hoffnungsvollen Ausblick auf ein positives Miteinander zu geben. So endet ein Abend, an dem viel über Freundschaft, Liebe, Verlust und die kleinen und großen Widrig- und Widerwärtigkeiten des Lebens gesungen wurde, in einer Zugabe mitten im Publikum, bei der immer noch und immer wieder auf das Leben angestoßen wird. Und das ist eine ziemlich gute Art, ein rundum gelungenes Konzert abzuschließen.

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