Kalinen-Flemmerei Im 11. Teil ihrer Kolumne ärgert sich die Autorin Marion Lohoff-Börger darüber, dass der Frauenfußball in den Medien kaum wahrgenommen wird.

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Frauenfußball steht deutlich seltener im Fokus der Medien als Männerfußball. Zu Unrecht, wie die Autorin meint. (Foto: Ralf Börger)
Frauenfußball steht deutlich seltener im Fokus der Medien als Männerfußball. Zu Unrecht, wie die Autorin meint. (Foto: Ralf Börger)

Da ich ja die Mutter von kimmel Anims bin, verdollewinierte ich mich als die noch hamel ticknoe Kotens waren, datt dat mit der Flemmerei – wie der allseits bekannte Kelch – an mich vorbeiböschen würde. Ständig inne Bendine unterwegs an peseln am Wochenende, Waschmaschinen voll mit dreckigen und stinkenden Trikots, Zomens machulle und dauernd inne Teewinde böschen … ich dachte, dat bliebe mir erspart. Aber, weit gefehlt. Bes von meine kimmel Anims sind hamel mit der Flemmerei zugange. Seit 10 Jahren flemmen die nen jovlen Stiefel. Die eine ambach in Münster (DJK SV Mauritz) und die andere in Köln (Tus Ehrenfeld). Die dritte hat übrignes mal bei Sparta Handball gespielt. Wer’s genau muckern will.

Aber mit der Kalinen-Flemmerei ist dat ja so ne Sache, nicht nur in Münster, sondern auch in unser ganzes Land. Dat reunt keiner, wat die so makeimen. Ja, die Seegers-Flemmerei is überall, rauf und runter inne ganze Bendine, Bundesliga, Meisterschaften, die Stadien sind voll, der Kneisterkasten auch. Aber wat heg ich nen Rochus, wenn ich sehe wie die Leistung von den Kalinen missachtet wird oder die Leute sich sogar immer noch dadrüber beömmeln, dat Kalinen nen jovlen Stiefel flemmen wollen (und können!). Modelwehl!
Nebenbei, unter uns: Datt dat bei die Preußens mit der Flemmerei in Münster gerade nicht so masselt, dat is ja allen klar, wie der Lorenz. Ein Trauerspiel. Und mit dat Stadion …, da sollten wir doch für die armen Seegers besser ein Jammertal an Ausgraben anfangen, anstatt ein neues Stadion. Nehmt schon mal die Lapane und fangt an … (… hä hä!).

Aber die Kalinen-Flemmerei, wenn man sich dat mal ankneistert, dann ist das ne ganz jovle Mänglowation. Nur dat die Seegers und Kalinen dat von der Presse einfach nich muckern wollen. Nen hamlen Artikel hegen die die Seegers auch noch, wenn sie haushoch verlieren: Da liest man im Fleppenhaufen: „… ach ne, der eine, der Arme, der hatte die Zomen muchulle, und der andere, der hatte Zipperlein und bei dem dritten saß die Frisur nich richtig.“ Nee, wat nen Schlamassel aber auch. Aber wenn die Kalinen gewinnen, und sogar nen Pokal holen, neeeee, dat will ja angeblich in Münster keiner wissen.

Der Brassel mit der Kalinen-Flemmerei, der fängt ja für die Anims schon ganz früh in ihr Flemmerinnen-Leben an. Meine Tochter hatte ihre Flemmerei immer Sonntagsmorgens, meistens um 9 Uhr (Anpfiff!). Wo? Auf dem Ascheplatz! Ömmes bekane! Nee, wat schofel! Bei jeden Wetter, ob Meimelatur oder ob der Lorenz geknallert hat, die Anims waren ambach und haben trotzdem alles gegeben. Am schofelsten war dat aber, wenn der Platzwart um die Zeit keinen Bock hatte, die Kabinen aufzuschließen, weil der noch in seiner warmen Firche an Poofen war. „Ach, wat“, dachte der sich wohl, „die Anims, die können sich doch auch hinter dem elendigen Kabuff Am Ascheplatz draußen umziehen…. .“ Boah, Tokusmalokus, Kalinen und Seegers, wat war ich da immer brastig. Geflemmt wurde selbstverständlich in den Trikots von den Seegerleins, viel zu groß und tofel, aber für neue war im Verein keine Knete da, die mussten die ja für die Rasenpflege ausgeben.

Fußball ist kein Schönwettersport. Auch nicht der Frauenfußball. (Foto: Matthias Oschwald)
Fußball ist kein Schönwettersport. Auch nicht der Frauenfußball. (Foto: Matthias Oschwald)

Wat hab ich – trotzundalledem – hamel oft (und mit Jontev!) sonntags am Spielfeldrand gestanden und krajöhlt, Pflaster geklebt und Tränen getrocknet, wenn eine mal an Plannigen waren …, aber dat waren sie ömmes selten. Meine Töchter sind nämlich ganz tofte Kalinen. Alle kimmel! Und ich kann dat allen nur empfehlen, lasst eure Anims flemmen, dann werden dat kurante muckere und kochume Kalinen, die mit Schmackes durch’s Leben böschen. Und keine More hegen, wenn se sich mal nass oder dreckig machen. Dat gilt für die Handball-Kalinen auch.

Letztes Wochende waren die „Stadtis“ der Damen in Gremmendorf (stand ja groooooß im Fleppenhaufen, wer es glaubt, haha). Maschemau, da war hamel wat ambach. Und meine Tochter mittendrin dabei. Da ist man als Mutter ganz tofte stolz, wenn man kneistert, wie die Kalinen durch die Halle böschen und die Kirsche in den Kasten flemmen.

Ich kann euch nur schmusen, wenn ihr mal ömmes hamel, jovle Flemmerei kneistern (und dat Elend mit die Preußens mal nen bisken vergessen) wollt, dann böscht zur Kalinen-Flemmerei. Dat lohnt sich. Ömmes. Alles jovelino?!

P.S. Im Kino gibt es übrigens nen jovlen Streifen. „Das Wunder von Taiphe“, ein Film über die erste Frauenfußballweltmeisterschaft zu der eine Mannschaft aus Gummersbach gefahren ist. Auf eigene Kosten selbstverständlich und mit den Trikots von den Seegers …

Trailer “Das Wunder von Taipeh”

Glossar: Kalinen-Flemmerei: Frauenfußball / kimmel: drei / Anim: Mädchen / verdollewinieren: denken / hamel: sehr / tickno: klein / Kotens: Kinder / Flemmerei: Fußball / böschen: gehen / Bendine: Gegend / peseln: fahren / Zomen: Knochen, Bein / machulle: kaputt / Teewinde: Krankenhaus / bes: zwei / ambach: dort / reunen: schauen / makeimen: machen / Kneinsterkasten: Fernseher / Rochus hegen: Wut haben / beömmeln: belächeln / jovel: gut / Modewehl: oh je / masseln: glücken / Lorenz: Sonne / Lapane: Schüppe / Mänglowation: Sache, Angelegenheit / Fleppenhaufen: Zeitung / Schlamassel: Pech / Meimelatur: Regen / Firche: Bett / poofen: schlafen / tokusmalokus: Donnerwetter / brastig: wütend / Seegerlein: hier, Jungs / tofel: alt / krajöhlen: schreien / plannigen: weinen / kurant: clever / mucker: aufgeweckt / kochum: klug / Schmackes: Power / More: Angst / da war hamel wat ambach: da war was los / Kirsche: Ball / jovelino: bestens

Am 7.2.2020 könnt ihr eure Kotens mucker machen in Sachen Masematte. Ab 18 Uhr. Da liest die Autorin Marion Lohoff-Börger ihr neuestes Buch für Kinder und alle masematte-interessierten Münsteraner „Die 4 Schallermänner“ (erschienen in agenda Verlag, erhältlich für 14,90 in jeder Buchhandlung). Wo? Bei Mukk, Alter Fischmarkt 12. Unterstützt von Handpuppen und Percussioninstrumenten wird die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten erspielt. Eintritt ist frei! Hamel Jontev! Böscht vorbei.
Marion Lohoff-Börger

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