Evakuierung: „Ein enormer Aufwand“ Entschärfung von möglichen Blindgängern am Sonntag in Mauritz / Was muss ich wissen?

Der Krisenstab informierte zur anstehenden Evakuierung in Münster-Mauritz. (Foto: Thomas Hölscher)
Der Krisenstab informierte zur anstehenden Evakuierung in Münster-Mauritz. (Foto: Thomas Hölscher)

Kommenden Sonntag wird es in Mauritz ernst, wenn rund 16.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen, damit die Kampfmittelexperten an fünf Verdachtspunkten nach Blindgängern suchen können. Am Mittag informierte der Krisenstab über die Vorbereitungen für die wohl größte Evakuierung seit Ende des Zweiten Weltkriegs. 

Seit Mitte Juli laufen die Planungen, am Wochenende wird es ernst. „Für alle Beteiligten bedeutet das einen enormen Aufwand“, weiß Feuerwehrchef Gottfried Wingler-Scholz. So werden etwa 1000 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen, THW, Stadtwerke, Kampfmittelbeseitigungsdienst, Polizei und Feuerwehr aus Münster und dem Regierungsbezirk am Wochenende koordiniert werden.

Wann geht es los?

Die Evakuierung soll am Sonntagmorgen um 8:00 Uhr starten, dann werden Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr den betroffenen Bereich sperren. Ab diesem Zeitpunkt ist nur noch ein Verlassen des Gebietes möglich. Fußtrupps kontrollieren die Räumung der Häuser, bis um 10:00 Uhr soll die Evakuierung abgeschlossen sein. Erst wenn sichergestellt ist, dass sich niemand mehr im Sperrbereich aufhält, können die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Um den Evakuierungsbereich zu überwachen, werden auch Drohnen und ein Polizeihubschrauber im Einsatz sein.

Zu Beginn der Evakuierung wird durch die Warn-App „NINA“, den Hörfunk und die sozialen Medien informiert, ebenso bei uns im Liveticker. Außerdem werden Lautsprecherfahrzeuge unterwegs sein. Bereits am Samstag fahren sie zur Erinnerung durch das Viertel. Der Krisenstab hofft, am frühen Nachmittag grünes Licht geben zu können, sodass die Betroffenen zurück in ihr Viertel dürfen. Doch man sei auf alles vorbereitet, wie Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer versichert, sollten sich die Maßnahmen aufgrund von Komplikationen beispielsweise bis in die Nacht hinziehen.

Im Stadtportal unter www.muenster.de/blindgaenger gibt es eine Karte des Stadtteils mit Adresssuche, in der Bewohner nachsehen können, ob sie von der Evakuierung betroffen sind.

Evakuierungsbereich in Mauritz (Grafik: Stadt Münster)

Was wird gesperrt?

  • Alle Seitenstraßen der Wolbecker Straße in Richtung Warendorfer Straße zwischen Kanal und Eisenbahnstraße
  • Auf dem Straßenzug Bohlweg / Ostmarkstraße alle in Richtung Warendorfer Straße führenden Seitenstraßen
  • Die Warendorfer Straße im Kreuzungsbereich Eisenbahnstraße / Freiherr-vom-Stein-Platz und im Kreuzungsbereich Warendorfer Straße / Schifffahrter Damm. Hier ist auch der Parkplatz Höhe Warendorfer Straße / Schifffahrter Damm (ehemals Guttermann) sowie der kleine Parkplatz vor dem Bäcker, Drogeriemarkt, Lieferservice am Schifffahrter Damm / Warendorfer Straße gesperrt
  • Die Friedrichstraße inklusive Parkplatz am Paul-Gerhardt-Haus
  • Die Straßenzüge Propsteistraße, Niesertstraße, Kapitelstraße, Prozessionsweg, Admiral-Scheer-Straße, Otto-Weddigen-Straße und Gorch-Fock-Straße können nur über die Skagerrakstraße befahren werden
  • Die Straße Zum Guten Hirten wird hinter der Von-Manger-Straße gesperrt. Die Manfred-von-Richthofen-Straße wird in Höhe der Kanalbrücke gesperrt
  • Der Verkehr kann den gesperrten Bereich über die Wolbecker Straße, Eisenbahnstraße und die Straßenzüge Bohlweg / Ostmarkstraße / Schifffahrter Damm / Warendorfer Straße in beiden Fahrtrichtungen umfahren

Betreuungsstellen & Shuttleverkehr

Shuttlebusse der Stadtwerke bringen am Sonntag Betroffene aus Mauritz in die Betreuungsstellen. (Foto: Stadtwerke Münster)
Shuttlebusse der Stadtwerke bringen am Sonntag Betroffene aus Mauritz in die Betreuungsstellen. (Foto: Stadtwerke Münster)

Für Anwohner, die keine Möglichkeit haben, ein Ziel außerhalb des Stadtteils anzusteuern, werden durch die Hilfsorganisationen Notunterkünfte eingerichtet. Diese sollten aber tatsächlich nur von den Menschen aufgesucht werden, die nirgends anders unterkommen können, wie Wolfgang Heuer vom städtischen Krisenstab betont.

Die Betreuungsstellen befinden sich im Pascal-Gymnasium (Uppenkampstiege), Stadtwerke Münster (Hafenplatz), im Hansa-Berufskolleg (Hansaring), im Ratsgymnasium (Bohlweg), im LWL-Landeshaus (Freiherr-vom-Stein-Platz) und in der Deutschen Rentenversicherung (Gartenstraße). Betroffene sollten die nächstgelegene Notunterkunft aufsuchen, eine Zuweisung gibt es nicht.

In den Betreuungsstellen gelten Coronaregeln analog zur Gastronomie, die bekannten „AHA“-Regeln müssen eingehalten werden: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. In den Unterkünften sind keine Medikamente vorhanden. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, muss seinen Tagesbedarf selbst mitbringen. Auch an Ausweisdokumente, Brille, Zahnersatz und persönliche Bedarfsartikel, aber auch warme Bekleidung sollte gedacht werden. Die Stadt Münster weist darauf hin, dass keine alten- oder krankenpflegerischen Leistungen erbracht werden können. In den Einrichtungen wird ab mittags Verpflegung ausgegeben. Darum sollte zu Hause gefrühstückt  – oder Frühstück mitgebracht werden.

Haustiere dürfen die Betreuungsstellen zum Schutz von allergieanfälligen Personen nicht betreten. Für Halter, deren Tiere nicht alleine in den Wohnungen verbleiben können, haben die Tierheime ihre Unterstützung angeboten.

Die Betreuungseinrichtungen Hansa-Berufskolleg, Ratsgymnasium und LWL-Landeshaus sind zu Fuß zu erreichen. Zu den anderen Unterkünften fahren am Sonntag jeweils um 8:00 Uhr, 8.45 Uhr und 9.30 Uhr Shuttlebusse:

  • Zumsandestraße (Fahrtziel Deutsche Rentenversicherung)
  • Hansa-Berufs-Kolleg, Bussteig D (Deutsche Rentenversicherung)
  • Hohenzollernring, Bussteig D (Stadtwerke Münster)
  • St. Franziskus-Hospital, Fahrtrichtung Wolbecker Straße (Stadtwerke)
  • St. Franziskus-Hospital, Fahrtrichtung Warendorfer Straße (Pascal-Gymnasium)
  • Manfred-von-Richthofen-Straße, Fahrtrichtung stadteinwärts (Pascal-Gymnasium)
  • Albertstraße (Pascal-Gymnasium)

Umleitungen im Busverkehr

Von den Straßensperrungen ist auch der städtische Linienverkehr betroffen. Ab 7:30 Uhr sind folgende Umleitungen eingerichtet:

  • Die Linien N83, 2, 10, R11 und R13 fahren zwischen den Haltestellen Eisenbahnstraße und Danziger Freiheit in beiden Richtungen über Fürstenbergstraße, Bohlweg, Ostmarkstraße und Schifffahrter Damm. Sie können die Haltestellen Zumsandestraße, Hohenzollernring, Dechaneistraße und Albertstraße nicht anfahren. Die Linien R11 und R13 halten nicht am Hansa-Berufskolleg und St.-Franziskus-Hospital.
  • Die Linie 14 verkehrt nur zwischen Zoo und Hauptbahnhof. Alle Haltestellen ab der Von-Steuben-Straße bis Maikottenweg können nicht bedient werden.
  • Die Ringlinien 33 und 34 fahren zwischen Hauptbahnhof und Niedersachsenring über Eisenbahnstraße, Fürstenbergstraße und Bohlweg. Sie können die Haltestellen Servatiiplatz, Bremer Platz, Sternstraße, Sophienstraße, Hansa-Berufskolleg, St.-Franziskus-Hospital, Hohenzollernring und Villa ten Hompel nicht anfahren.

Hotline

Für Fragen rund um die Evakuierung und Entschärfung ist seit gut zwei Wochen eine Hotline geschaltet. Sie ist unter 02 51 / 4 92-83 88 zu folgenden Zeiten zu erreichen: Mittwoch und Donnerstag: 8:00 bis 18:00 Uhr, Freitag und Samstag von 8:00 bis 16:00 Uhr und Sonntag von 7:00 bis 16:00 Uhr. Sollte die Entschärfung möglicher Blindgänger länger dauern, bleibt die Hotline bis zum Ende der Maßnahmen geschaltet. Alternativ ist sie auch per Mail (Evakuierung-Mauritz@stadt-muenster.de) zu erreichen.

Verdachtspunkte in Mauritz (Grafik: Stadt Münster)

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