50 Jahre Primark: “Eine unrühmliche Bilanz” Initiative aus Münster untersucht Auswirkungen von Fast Fashion

Lesezeit: 3 Minuten
Seit Ende 2017 ist Primark auch in Münster. (Archivbild: Michael Bührke)
Seit Ende 2017 ist Primark auch in Münster. (Archivbild: Michael Bührke)

Am 13. Juni feiert der Modediscounter Primark sein 50-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass hat die Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) aus Münster die Auswirkungen von Fast Fashion auf Umwelt und Menschen untersucht: In ihrem von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderten Dossier stellt die Initiative nun die Ergebnisse vor und spricht von einer “bitteren Bilanz”. Für Donnerstag ruft die CIR deutschlandweit zu Protestaktionen auf, so auch in Münster.

Konkret hat die Initiative die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in zehn Fabriken in Sri Lanka untersuchen, wovon sechs für Primark und sieben für C&A fertigen. „In keiner der Fabriken wird der Verhaltenskodex eingehalten, den Primark seinen Herstellern auferlegt”, heißt es in dem nun veröffentlichten Bericht. Die Löhne und das Maß an Überstunden seien teils illegal. So arbeiten die befragten Textilarbeiter regelmäßig bis zu 80 Wochenstunden in den Fabriken, maximal 45 reguläre und 12 Überstunden sind für Frauen in Ausnahmefällen erlaubt. Oft erhalten die Arbeiter nicht einmal den Mindestlohn von umgerechnet 79 Euro. “Unsere Löhne sind so niedrig, wir können nicht einmal genug Lebensmittel kaufen“, berichtet eine der Befragten. Laut der Asia Floor Wage Alliance müsste ein existenzsichernder Lohn in Sri Lanka mindestens 296 Euro betragen.

„Die Verantwortung der Fast Fashion Marken an diesen Zuständen ist nicht von der Hand zu weisen“, erklärt CIR-Sprecherin Isabell Ullrich. „Bei der Auswahl der Fabriken schauen Primark und Co. nur auf Preis, Zeit und vielleicht noch Qualität. Die ethischen Ziele, die sie sich groß auf die Fahnen schreiben, spielen beim Einkauf keine Rolle.“ Durch das Einkaufsverhalten der Fast-Fashion-Marken entstehe eine kurzfristige und unstetige Auftragslage in den Fabriken und hoher Zeit- und Preisdruck. Dieser werde an die Arbeiter weitergegeben, etwa die Hälfte von ihnen leiden den Untersuchungen zufolge an arbeitsbedingten Krankheiten.

(Illustration: <a href="http://www.nikobe.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nikola Berger</a> unter CC-BY-NC-SA 4.0)
(Illustration: Nikola Berger unter CC-BY-NC-SA 4.0)

Schnelllebige Trends, die dazu führen, dass Shoppen für viele zum wöchentlichen Hobby geworden ist, seien außerdem für 35% des Mikroplastiks in den Ozeanen, den Ausstoß von etwa 1.500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten und 92 Millionen Tonnen Müll jährlich verantwortlich. Diese Zahlen zeigen, dass sich die Modeindustrie grundlegend ändern muss, um diese humanitären und Umweltschäden in Zukunft zu vermeiden, so die CIR. In der Pflicht seien aber nicht nur die Verbraucher, betont Isabell Ullrich. „Die Konzerne müssen die Ziele ihrer Nachhaltigkeitsabteilungen auch in ihrer Geschäftstätigkeit umsetzen. Und auch die Politik kann mit einem Sorgfaltspflichtengesetz dazu beitragen, Arbeitsrechtsverletzungen in Zukunft zu verhindern.“

Gerne hätten wir mit Primark gesprochen, doch auf unsere Anfrage haben wir keine Antwort erhalten. Auf der Webseite des Discounters wird auf einen “Verhaltenskodex” verwiesen, das “Rückgrat des Programms für ethischen Handel und ökologische Nachhaltigkeit.” Laut eigenen Angaben finden sich dort “strenge Anforderungen, die einen wesentlichen Bestandteil der Geschäftsbedingungen der Verträge mit den Lieferanten bilden”. Primark erwarte “gerechte Löhne und sichere Arbeitsbedingungen” für die Arbeiter. Jede Fabrik müsse sich vor der Aufnahme jeglicher Geschäftsbeziehungen mit Primark zur Einhaltung verpflichten. Auch ist von regelmäßigen Kontrollbesuchen die Rede.

Von den Billigdiscountern fordert die Initiative CIR konkret, dafür zu sorgen, dass die Verstöße gegen Arbeitsrecht und Versammlungsfreiheit sofort eingestellt und existenzsichernde Löhne gezahlt werden. Dafür werden sich die Regionalgruppen der Kampagne für Saubere Kleidung am 13. und 15. Juni vor vielen deutschen Primark-Filialen in öffentlichkeitswirksamen Aktionen einsetzen.

Bei uns in Münster findet am Donnerstag ab 17:30 Uhr vor der Filiale in der Salzstraße 3-4 ein Straßentheater mit einer Unterschriftenaktion statt.

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.