Nasenschilder: Charakteristisches Merkmal der Innenstadt Auf Entdeckungstour in Münsters Schilderwald

Besonders prächtig: Das Schild des Restaurants Stuhlmacher (Foto: Josef Scheller)
Besonders prächtig: Das Schild des Restaurants Stuhlmacher (Foto: Josef Scheller)

Wer kann sich eine Kneipentour durch Münster vorstellen, ohne mindestens in einem Lokal einen Münsterländer Korn oder ein perfekt gezapftes, in Münster gebrautes Bier getrunken zu haben? Wohl  kaum jemand. Doch solch eine Entdeckungstour wird erst dann so richtig erlebnisreich, wenn es um traditionelle Werbung an Gasthäusern oder Geschäfts-Fassaden geht, die das besondere Ambiente Münsters mit prägen.

Hervorzuhebender Bestandteil des Münster-Stadtbildes
Münsters kleinste Kneipe, die Ziege. (Foto: Michael Bührke)
Münsters kleinste Kneipe, die Ziege. (Foto: Michael Bührke)

Vielen Passanten öffnet es Mund und Augen, wenn sie allein oder in kleinen Gruppen die historischen, kunstvoll gefertigten Nasenschilder in Münsters Innenstadt ohne Zeitdruck  betrachten. Nasenschilder, auch Ausleger genannt, sind gusseiserne, handgeschmiedete farbig emaillierte oder lackierte, an den Fassaden fest verankerte und in den Außenbereich ragende, eherne Einladungen zur Einkehr. Schon im Mittelalter gab es Nasenschilder in Form bemalter Holztafeln. Sie zeigten Wandersleuten, des Lesens nicht mächtige Menschen oder Jakobsweg-Pilgern auf der Wallfahrt nach Santiago de Compostela überlebensnotwendige Möglichkeiten zum Trinken, Essen oder Übernachten in Herbergen auf. Nach den Herbergsvätern oder Gastwirten entdeckten die Handwerks-Zünfte diese Art der Werbung, um mit solid gefertigten Auslegern auf sich aufmerksam zu machen.

Das Schild der Traditionskneipe Bullenkopp. (Foto: Josef Scheller)
Das Schild der Traditionskneipe Bullenkopp. (Foto: Josef Scheller)

Zunächst waren es die Bäcker, Metzger, Schneider, Schuster und Friseure. Sie sorgten sich um das tägliche Wohlbefinden. Ihnen folgten dann die Bauleute wie Zimmerer, Maurer, Tischler, Glaser und Schlosser. Inzwischen sind in vielen, im Vergleich zu Münster um Epochen jüngeren, Großstädten Einkaufsstraßen sowie Passagen mit Auslegern aller Couleur, Stilrichtungen und LED-Technik so ausgestattet, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Anders in Münster: Vornehm zurücknehmend platziert sind die teilweise historischen Nasenschilder seit Jahrzehnten schon charakteristisches Merkmal münsterischer Architektur. Sie zeugen von der reichen Geschichte der Stadt. Der Kaufmannschaft sei Dank!

Elefant im Kranz, Schild am Drubbel. (Foto: Michael Bührke)
Elefant im Kranz, Schild am Drubbel. (Foto: Michael Bührke)
Im Krug zum grünen Kranze

Die Mehrzahl der historischen Gasthaus-Nasenschilder in Münster ist prunkvoll über deren Eingänge platziert. Auffallend ist der immer wiederkehrende grüne Kranz in den Schildern. Namentlich: Altes Gasthaus Leve mit Krug im grünen Kranz, ehemaliger Bullenkopp, Großer Kiepenkerl, Pinkus Müller, Stuhlmacher. Und man staune: Auch der ehemalige Club Elefant am Roggenmarkt zeigt einen grünen Kranz. War das volkstümliche Lied vom grünen Kranze, kurz an dieser Stelle dazwischen geschoben, der Impuls? Der Liedtext entstand im Mai 1821. Der Dichter – Wilhelm Müller – wartete im Wirtshaus “Krug zum grünen Kranze” in Kröllwitz bei Halle an der Saale auf den mit ihm verabredeten Medizinstudenten und Freund, Carl Adolph von Basedow. Dieser verspätete sich erheblich. Müller, nicht tatenlos, dichtete bei einem Glas kühlen Weins den Liedtext. Die zwei „Herzbrüder“ zechten danach wohl noch zünftig. Und auch die im Lied genannte Herzliebste musste nicht mehr lange allein „im fernen Vaterland” warten. Im Sommer desselben Jahres heiratete Müller Basedows Schwester. Diese Gaststätte ist heute noch immer ein gut florierendes Ausflugslokal am Ufer der Saale. Basedow ist nicht nur wegen des Lieds aus der Feder seines Freundes Müller bekannt, sondern auch für die nach ihm benannte Autoimmunkrankheit Morbus Basedow.

Kopf hoch, es gibt viel zu bestaunen
Das sehr kunstvolle Schild von Krimphove. (Foto: Michael Bührke)
Das sehr kunstvolle Schild von Krimphove. (Foto: Michael Bührke)

Zurück nach Münster fallen zwei exakt gleich aussehende Nasenschilder auf. Es ist ein Bäcker mit einer Brezel am Bült und am Michaelisplatz. Corporate Identity? Nachgefragt löst Chef Georg Krimphove das Rätsel: „Der Ausleger vom Bült 17 hängt seit meiner Kindheit dort an Ort und Stelle. Ich gehe davon aus, dass er älter ist als von 1959, da wurde das Haus neu gebaut. Unser Ausleger am Michaelisplatz wurde bei der Eröffnung des Michaelisplatzes 2009 von einem Kunstschmied nachgebaut.“ Auffallend und schmuckvoll ist ebenso der kleine goldene Fußballer am Prinzipalmarkt. Ist er noch ein Überbleibsel von Familie Brinckmann, die dort jahrzehntelang ein ehemaliges Sportgeschäft Brinckmann betrieb?

Legendär: Das Schaf. (Foto: Josef Scheller)
Legendär: Das Schaf. (Foto: Josef Scheller)

Genauso hat der goldene Elefant am Roggenmarkt seine Ära hinter sich. Jetzige Senioren tanzten dort ab den 70-ern nach der Musik von Saturday Night Fever oder sie schwoften ausgelassen einen Jazz-Rock oder Raggae. Nachtschwärmerische Studenten zog es bis vor kurzem in den Club Schwarzes Schaf. Wird unter dem neuen Label das schwarze Schaf dort im Nasenschild erhalten bleiben? Schlussendlich gibt es noch einen Hotpsot mit historischen Nasenschildern im Kuhviertel. Allen voran das Cavete. Hier wird der Gast gleich von drei Hunden begrüßt. Weitere Lokale mit Auslegern sind die Ziege, das blaue Haus, Jans in’n Holsken und handwerkliche Betriebe.

Fotografieren macht Spaß
Das Schild des Großen Kiepenkers setzt der Überwasserkirche eine Krone auf. (Foto: Michael Bührke)
Das Schild des Großen Kiepenkers setzt der Überwasserkirche eine Krone auf. (Foto: Michael Bührke)

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle Münster-Nasenschilder aufzuführen. Jeder Interessent macht besser seine eigene Besichtigungstour und nutzt sein Handy für gelungene Momentaufnahmen. Bei richtiger Positionierung kickt dann der kleine Brinckmann Fußballer gegen die Uhr vom Lamberti, und mit Hilfe des Auslegers vom großen Kiepenkerl bekommt die Überwasserkirche wieder eine einladende Kuppel. Mit kreativen Menschen unterwegs wird das ein bestimmt kurzweiliger Sehenswürdigkeiten-Stadttrip, und ein daraus entstehendes, lustiges Fotobuch wird noch Jahre aktuell bleiben. Denn die Kaufmannschaft von Münster und die Denkmalpflege der Stadt haben großes Interesse daran, dass die kunstvollen Nasenschilder als Kulturgut auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.

Im richtigen Winkel betrachtet, kickt diese Figur die Uhr am Turm von St. Lamberti. (Foto: Michael Bührke)
Im richtigen Winkel betrachtet, kickt diese Figur die Uhr am Turm von St. Lamberti. (Foto: Michael Bührke)

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