
Im Rahmen des vom Bund geförderten Modellprojekts „Smart Cities“ arbeitet die Stadt Münster an Maßnahmen für eine innovative Stadtentwicklung. In einer heutigen Pressekonferenz wurde das Teilprojekt „Abfallfreie Quartiere“ unter Leitung der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm) vorgestellt.
Das Ziel der Stadt in Kooperation mit den awm ist es, im Jahr 2030 statt Abfällen nur noch Wertstoffe zu produzieren. Sie arbeiten unter anderem an KI-Lösungen, die die Menschen bei der Abfallvermeidung und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft unterstützen sollen. Dazu gehören smarte Sharingschränke und die Erkennung von Störstoffen in Bioabfällen mithilfe von KI.
Münster seit 2021 im Förderprogramm
Beide Innovationen werden als Teil des Modellprojektes Smart Cities vom Bund gefördert. Seit 2019 unterstützt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) Kommunen bei der Umsetzung nachhaltiger Stadtentwicklungskonzepte. Seitdem Münster 2021 in das Förderprogramm aufgenommen wurde, arbeitet die Stadt an sechs Fokusprojekten – „Abfallfreie Quartiere“ ist eines davon. Es wird vom Bund mit einer Fördersumme von 65% am Gesamtvolumen von 1,5 Millionen Euro unterstützt.
Um Ressourcen zu schonen und Abfall zu vermeiden, sollen smarte Sharingschränke getestet werden. Als Modellquartiere gelten die ehemaligen britischen Kasernen Oxford und York. Hier sollen Bewohner und Bewohnerinnen an den Schränken gegen eine Gebühr Gebrauchsgegenstände, die nicht alltäglich gebraucht werden – beispielsweise Akkubohrer – leihen können. Zusätzlich soll es eine Tausch- und Verschenkfunktion geben. Die Schränke sollen via App oder Website und barrierefrei zugänglich sein. Sie sollen Ende des Jahres in den Modellquartieren aufgestellt werden.
Einsatz von KI an Sammelfahrzeugen
Mithilfe von KI soll die Wertstofftrennung und Kreislaufwirtschaft verbessert werden. Die awm testen KI-Bilderkennung zur Störstofferkennung in Bioabfällen. An einem Testfahrzeug, das in den Modellquartieren genutzt wird, befindet sich ein System, das während der Schüttung der Tonnen den Bioabfall untersucht. Mittels einer hochauflösenden Kamera und KI können dabei Störstoffe im organischen Abfall identifiziert werden.

Anhand von Standortdaten kann später ermittelt werden, in welchen Straßenzügen der Anteil an Störstoffen im Bioabfall besonders hoch ist. Personenbezogene Daten werden dabei nicht erfasst. Schon seit 2018 werden Münsters Biotonnen kontrolliert, um eine korrekte Mülltrennung zu fördern. Mithilfe der KI-Bilderkennung sollen die Biotonnen-Kontrolleure gezielter dort eingesetzt werden, wo besonders viele Störstoffe im Bioabfall identifiziert werden.
Werden bei der persönlichen Kontrolle Störstoffe im Bioabfall gefunden, wird die entsprechende Tonne mit einer gelben Karte gekennzeichnet. Kommt es wiederholt zu falscher Befüllung, erhalten die Tonnen eine rote Karte und werden nicht mehr geleert. Der Besitzer oder die Besitzerin muss nun selbst nachsortieren, oder eine kostenpflichtige Sonderleerung in Anspruch nehmen. Aktuell hilft die KI-Bilderkennung also lediglich dabei, über zukünftige Maßnahmen – wie die Verteilung der Karten – zu entscheiden.
Kommunikation im Fokus
Mülltrennung fängt letztendlich bei den Bürgerinnen und Bürgern an. Deshalb fokussiert das Projekt auch die direkte Kommunikation mit ihnen. In den Modellquartieren hat jeder Haushalt ein Infoschreiben in einfacher Sprache und einen Biomüll-Eimer mit Papiertüten erhalten, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Schließlich seien das größte Problem im Bioabfall immer noch Plastik- und kompostierbare Folienbeutel, die dort nicht hineingehörten.
Da die Bewohner und Bewohnerinnen in York und Oxford als neue Wohngebiete potenziell offener für Innvotationen seien, könnte die Ausweitung auf weitere Gebiete herausfordernd werden. Alle Maßnahmen des Modellprojektes „Abfallfreie Quartiere“ werden von der Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management GmbH (INFA) wissenschaftlich begleitet. Dadurch soll klar werden, ob der Einsatz der neuen Technologien zielführend, und ob eine flächendeckende Umsetzung innerhalb der Stadt Münster sinnvoll ist.
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