
Heute hat die Körperwelten Ausstellung in der Halle Münsterland ihre Türen geöffnet. 136 Tage lang laden echte menschliche Präparate dazu ein, den Körper aus einer einzigartigen Perspektive zu erleben und seine erstaunlichen Möglichkeiten zu entdecken. Ohne die Bereitschaft von Spendenden, ihre Körper dafür zur Verfügung zu stellen, wäre das nicht möglich. Doch was motiviert Menschen dazu und wie verläuft der Weg von der Entscheidung bis zur Ausstellung?
Über 200 Exponate führen den Besucherinnen und Besuchern der Körperwelten Ausstellung die menschliche Anatomie vor Augen. Das Besondere: Sie alle sind echt. Sie stammen von Menschen, die sich dazu bereit erklärt haben, ihre Körper dafür nach dem Ableben zur Verfügung zu stellen. Deutschlandweit seien aktuell mehr als 23.000 lebende Menschen als Körperspenderinnen und -spender registriert, erzählt Dr. Angelina Whalley, Kuratorin der Ausstellung. Auch die 37-jährige Sabine Weßeler hat sich dazu entschieden, ihren Körper zu spenden.
Auf einem Friedhof sehe ich mich nicht!
Weßeler ist eine eher zierliche Frau, die ihre Haare in einem rot-gefärbten Bob trägt. Ihre Ausstrahlung ist gelassen, aber souverän. Auch, während sie über ihren eigenen Tod spricht, hält sie Blickkontakt. Das Thema scheint für sie kein Problem zu sein. Sie habe sich schon sehr früh mit ihrem eigenen Tod beschäftigt, erklärt Weßeler – unter anderem, weil sie früher in der Altenpflege gearbeitet hat. Einen konkreten Auslöser für ihre Entscheidung habe es aber nicht gegeben.

Bei der Überlegung, ob sie auf einem Friedhof bestattet werden wolle, sei sie schnell zu einem Entschluss gekommen: „Da habe ich mich eigentlich nie gesehen“, lacht sie. Deshalb habe sie begonnen, zu recherchieren, welche anderen Möglichkeiten es gebe und sei dabei auf die Körperspende gestoßen. Die Reaktion von Freundinnen, Freunden und ihrer Familie darauf sei kritisch gewesen, sehr kritisch sogar. „Wie kannst du nur?“, hätten sie gefragt. Dennoch steht Weßeler hinter ihrem Entschluss: „Mir persönlich ist das relativ egal. Das ist mein Körper und ich entscheide, was ich damit machen werde.“ Sie fügt hinzu: „Ich möchte gerne ins Ausland und viel reisen. Und das kann ich auch dadurch, dass ich meinen Körper spende.“ Schade sei nur, dass sie das selbst nicht mehr richtig miterleben werde, kommentiert sie leicht amüsiert.
Nicht alle Spenden können genommen werden
Doch ob ihr Körper irgendwann als Teil der Wanderausstellung um die Welt reisen kann, ist alles andere als klar. Whalley erklärt, dass es öfter vorkomme, dass Körperspenderinnen und -spender ihre Willensbekundung im Laufe des Lebens zurückziehen – besonders, wenn sie sich früh dafür entschieden haben. Zusätzlich müssen es die Umstände des Todes ermöglichen, den Körper zu präparieren. Deshalb können nicht alle Spenden angenommen werden, berichtet die Kuratorin der Ausstellung. Die Mehrheit werde tatsächlich für die anatomische Lehre genutzt, in die Ausstellung käme nur ein kleinerer Teil.

Die Vorstellung, dass sich fremde Menschen ihren toten Körper ansehen, findet Spenderin Weßeler nicht befremdlich. Kritik am Konzept der Körperwelten weist sie entschlossen zurück: „Es wird teils als geschmacklos angesehen, sich Verstorbene anzuschauen, aber wir können dabei doch total viel lernen. Deshalb finde ich es sehr positiv, dass es diese Möglichkeit gibt.“ Auch Philosoph Prof. Dr. Franz Josef Wetz betont bei der Eröffnung, dass die Körperwelten Ausstellung viel Wert auf die Würde des Menschen legt. Dafür seien die Selbstbestimmung der Spenderinnen und Spender, die Anonymisierung der Körper und vor allem das respektvolle Verhalten der Besucherinnen und Besucher fundamental. Weßeler hofft, diese Besucherinnen und Besucher mit ihrer Körperspende dazu anregen zu können, über die Faszination des eigenen Lebens nachzudenken.
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