Muffel-Röschen  In Teil 14 der Masematte-Kolumne unserer Autorin Marion Lohoff-Börger setzt sich Dornröschen einen Schuss am Bremer Platz

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Muffel-Röschen böschte zum Bremer Platz. (Foto: Michael Bührke)
Muffel-Röschen böschte zum Bremer Platz. (Foto: Michael Bührke)

Es war einmal ein Anim (Mädchen), dat war in der ganzen Bendine (Gegend) von Klein-Muffi bekannt. Und weil die Eltern dat mit der Kowe (Kleidung, Wäsche) und dem Waschen nicht so ernst nahmen, deswegen hieß die Muffel-Röschen. Ach, die Eltern, dat waren so arme Halbkrötter (Arme), die hatten auch hamel Malessen (viele Probleme) mit der, wie dat so mit allen Kotens (Kindern) ist.

Schon bei Muffel-Röschens Fitzebumm (Taufe) hatten die Eltern nicht ausreichend Teller, um alle Alschen (Frauen, hier Tanten) aus Pluggendorf, Klein-Muffi, die vonne Sonnenstraße und noch die ausse Ribbergasse einzuladen.

Und dann hegte eine, die nicht kommen durfte, so einen Rochus (Wut haben), dat die bei der Fete einfach reingeböscht (reingegangen) ist und krajöhlt (geschrien) hat, dat sich dat Muffel-Röschen an seinem 13. Geburtstag an einer Nadel stechen wird und dann mulo (tot) umfällt. Mausetot sozusagen.

Aber eine andere Alsche war noch ambach (da, anwesend), dat war wohl die liebe Alsche aus Klein-Muffi, die schmuste (sagte), dat sie den schoflen (bösen) Fluch ein bisken jovler (besser) makeimen (machen) kann und datt dat Muffel-Röschen nur hamel lange poofen (schlafen) wird, wenn die sich sticht.

Zuerst waren die Eltern von Muffel-Röschen ganz erschrocken, aber dann haben sich ömmes (tatsächlich) einen geschickert und hamel gefrengelt (gegessen), wie sich dat für nen toftes (schönes) Fitzebumm in Klein-Muffi gehört. Und dann haben die dat wieder vergessen.

Als dat Anim (Mädchen) dann 13 Jennikes (Jahre) alt wurde, konnte sich keiner mehr an dat Fitzebumm mit die schofle Alsche erinnern. Meistens konnten sich die Eltern ömmes (echt) an nix erinnern, weil die ihre Tochter oft allein bei Beis (zu Hause) gelassen hatten, um inner Pieselbendine (Kneipenviertel) einen schickern zu gehen. Auf gut Deutsch waren dat Alkoholiker geworden, die schon kimmel (drei) Mal inne Nasenbleiche (Entziehungskur) mussten. Dat arme Muffel-Röschen.

An seinen 13. Geburtstag waren die Eltern von Muffel-Röschen mal wieder unterwegs, weil die einen Brand (Durst) hatten und denen der Sorrof (billiger Schnaps) ausgegangen war. Erst wollten die am Scharrett (Bahnhof) terchen (betteln) gehen und dann innen Kiosk wat zum Schickern biggen (kaufen).

Muffel-Röschen war traurig und böschte auch los. Und kam hintern Scharrett an den Bremer Platz vorbei. Da waren viele Seegers (Männer) und Kalinen (Frauen) und die schmergelten (grinsten) so jovel, dat sie bei denen blieb, weil die alle so nett zu ihr waren. Einer schenkte ihr eine Spritze und schmuste (sagte) sie, dat sie sich die inne Maue (Arm) stechen muss, dann hätte sie ganz viel Massel (Glück) in ihren Schero (Kopf)  und merkt nicht mehr den Brand (Durst) und den Row (Hunger) und den ganzen Brassel (Ärger) mit ihre Eltern.

Geschmust – makeimt. (Gesagt – getan.)

Und wat dann passierte, dat muss ich euch nicht weiter verkasematuckeln (erklären): Unser Muffel-Röschen fiel um und lag bewusstlos am Boden!

Die Masematte-Kolumne "alles jovelino?" der ALLES MÜNSTER Autorin Marion Lohoff-Börger.
Die Masematte-Kolumne “alles jovelino?” der ALLES MÜNSTER Autorin Marion Lohoff-Börger.

Die Seegers und Kalinen von „hintern Scharrett“ hegten hamel More (hatten Angst), datt gleich die Husche (Polizei) angepeselt (angefahren) kommt und die ins Schemmbeis (Gefängnis) steckt (verdient hätten die Boofken (Ganoven) dat!). Eine Nabbelschore (Prostituierte) hat dann doch noch in der Teewinde (Krankenhaus) angerufen und die kamen tacko (schnell) mit ihren Wuddi (Wagen).

Da lag dann dat Muffel-Röschen inne Teewinde, vermutlich war dat dat Franziskushospital, und poofte (schlief) erst mal hamel (sehr) lange.

Als die wach wurde, weil ein jovler (guter) und muckerer (kluger) Sozial-Makeimer (Sozialarbeiter) an ihrer Firche (Bett) saß und ihre Fehme (Hand) inne Hand genommen hatte, war die hamel (sehr) happy.

Wat für ein Massel (Glück)! Eine saubere Firche, wat zu Frengeln (Essen) und zu Picheln (Trinken) und ein tofter (guter) Seegers (Mann), der sich um sie kümmert.

Dat Muffel-Röschen durfte dann erst Mal ins Mauritz-Kotens-Heim (Mauritzkinderheim) leben und dann fand der Sozial-Makeimer doch ömmes noch hamel (sehr) nette Eltern für die, wo die, bis die erwachsen wird, jovel (gut) leben kann.

Wat mit ihre Eltern geworden is? Dat wissen wir nicht. Vielleicht wieder Nasenbleiche. Oder Schemmbeis? Oder inne Öle (Kanal) ersoffen?

Und wenn sie nicht gestorben sind …, nein!

Und wenn sich hintern Scharrett am Bremer Platz nix ändert, dann werden sich in Zukunft noch viele Kotens an einer Nadel stechen und vielleicht nicht nur poofen wie unser Muffel-Röschen, sondern ömmes mulo sein.

Alles jovelino?!

Wortkunde:

„Ömmes“: Das Wort „ömmes“ hat viele Bedeutungen in der Masematte. Es wurde immer wieder anders und auch gerne als Füllwort benutzt. Es heißt nicht nur groß und viel, sondern auch tatsächlich und wurde auch als Zustimmung wie ja benutzt. Also, wenn man „Ömmes!“ sagt, liegt man immer richtig und kann ein bisschen als Masemattesprecher gelten.

Marion Lohoff-Börger

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