Jeden Abend Silvester im „Grand Hotel“ Das GOP-Theater zeigt die neue Show noch bis zum 8. Juli

Sergey Maslennikov sorgt als „Lobby Boy“ nicht nur mit Cognac für gute Laune im Grand Hotel. (Foto: GOP)

Etwas seltsam ist es ja schon, dass im GOP-Theater bei dem jetzt doch meist eher sommerlichen Wetter nahezu täglich eine Silvesterparty gefeiert und auf ein Frohes Neues Jahr angestoßen wird. Aber genau das passiert am Ende der zweistündigen Show, wenn die Zuschauer ganz beseelt und beeindruckt sind von dem mitunter atemberaubend artistischen, auf jeden Fall durchgängig unterhaltsamen Programm. Das spielt in einem ziemlich altmodischen Hotel, das offenbar irgendwo in einem verschneiten Gebirge liegt. Das Personal lässt sich für die Silvesterfeier so einiges einfallen, um die Hotelgäste zu unterhalten. Und so entpuppen sich das Zimmermädchen und der Concierge, der Lobby Boy und die Köche so nach und nach als Artisten in ganz unterschiedlichen Disziplinen.

Ein Hotel ist natürlich ein dankbares Setting für eine Show, in der unterschiedliche Personen auftreten und ihre eigene Geschichte erzählen können. Es wird daher immer wieder gerne gewählt, wie zuletzt auch vom Chinesischen Nationalcircus. Das Ensemble vom GOP-Theater setzt sein „Grand Hotel“ aber ausgesprochen stimmig in Szene, vom Bühnenbild über die Kostüme bis zur Musik, die sich vor allem beim Swing bedient, wirkt alles in längst vergangene Jahrzehnte gerückt. Das Publikum folgt der lockeren Rahmenhandlung mühelos. Da wird das Hotel in bester Musical-Manier zu dem Lied „Schrubb es“ gereinigt, wobei Caroline Schroeck als das Zimmermädchen Louise beim Steckenbleiben im Waschzuber nicht nur ihre komische Ader, sondern auch ihre Beweglichkeit unter Beweis stellt. Kontorsions-Act nennt sich diese Technik der Schlangenfrau, die später noch ziemlich weit oben am Trapez sehenswerte und sehr komische Verrenkungen anstellt, um den Anweisungen einer Fitness-DVD zu folgen.

Wenn Roman Khaperskiy auf seiner Partnerin Anastasia Sopilniak herumturnt, stockt einem schon mal der Atem. (Foto: GOP)

Damit wird die Story zwar in etwas modernere Zeiten gehievt, als sie vorher angedeutet waren, aber da ist das Publikum schon längst dem Charme der Truppe erlegen und achtet nicht mehr auf solche Kleinigkeiten. Schließlich geht es immer wieder hin und her zwischen Lachen und Staunen. Denn zu bestaunen sind einige der akrobatischen Leistungen. Schon in der ersten Hälfte des Programms überzeugt Roman Khaperskiy mit seiner Handstand-Akrobatik auf den teilweise beweglichen Stangen, und auch wie er in den Spagat geht und wieder zurück, raubt einem schlicht den Atem. Wenn dieses Muskelpaket dann im zweiten Teil in der gleichen Höhe auf seiner zierlichen, jungen Partnerin Anastasia Sopilniak herumturnt, mag man seinen Augen kaum trauen. Wie können die das nur machen?

Die Augen reibt sich auch so mancher Zuschauer, der nicht geglaubt hätte, dass es so spannend sein kann, anderen beim Tanzen zuzusehen. Dafür sorgen Oksana und Vadim Konovaliuk – allerdings nicht nur mit Tango, Foxtrott oder Jive, sondern vor allem mit dem Quick Change. Die Ukrainerin wechselt ihre Tanz- und Abendkleider nämlich in einem atemberaubend schnellen Tempo. Anfangs in einer roten Telefonzelle, später auf offener Bühne – dabei ist überhaupt nicht zu erkennen oder zu verstehen, wie sie es tut. Einen weiteren akrobatischen Höhepunkt setzen die drei Köche, hinter denen sich das russische Trio Boytsovs verbirgt, mit dem Russischen Barren. Das ist eine fünf Meter lange, elastische Stange, die sich zwei Werfer zumeist auf die Schulter setzen, während sie einen Artisten meterhoch in die Luft schleudern. Der vollführt dabei immer spektakulärere Sprünge, mit Drehungen und Saltos, und landet trotzdem wieder sicher auf der schmalen Stange.

Auch auf Skiern lässt sich eine sehenswerte Akrobatik vorführen. (Foto: GOP)

Einige der Vorführungen dieses Programms sind also wirklich spektakulär. Sie sind zudem eingebunden in eine halbwegs runde, vor allem aber charmant dargebotene Geschichte von der Silvesterparty in einem abgelegenen Hotel. Für den Charme sorgen vor allem Gilles le Leuch als dem vor keinem Kalauer zurückschreckenden Concierge Antoine, Caroline Schroeck als Zimmermädchen Louise und ganz besonders Sergey Maslennikov als Lobby Boy Louis, der Clownerie und Jonglage perfekt kombiniert und das Publikum schnell für sich einnimmt.

Daher zählen am Ende alle die vermeintlich letzten Sekunden mit und stoßen auf ein Frohes Neues Jahr an oder pusten Luftschlangen durch den Saal, obwohl es doch erst kurz nach 22 Uhr an einem frühsommerlichen Abend ist. Auch eine Kunst, besonders in Münster.

Die Show "Grand Hotel" ist vom 17. Mai bis 8. Juli 2018 im GOP Varieté-Theater Münster zu sehen, jeweils von Mittwoch bis Sonntag, zu unterschiedlichen Zeiten. Weitere Informationen und Buchungen bekommt ihr über die GOP Tickethotline (02 51 - 490 90 90, montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr) oder im Internet unter www.variete.de 
Ralf Clausen

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