
Der Jugendamtselternbeirat Münster begrüßt eine Reform der Elternbeiträge, lehnt aber Einschnitte bei der Geschwisterregelung ab. Familien mit mehreren Kindern dürften nicht stärker belastet werden.
Der Jugendamtselternbeirat Münster (JAEB) warnt vor möglichen Mehrbelastungen für Familien mit mehreren Kindern. Hintergrund sind die von der Stadtverwaltung vorgestellten Modelle zur Neugestaltung der Elternbeiträge für Kitas, Kindertagespflege und Offene Ganztagsschulen. Anlass der Debatte ist die Novellierung des Kinderbildungsgesetzes.
Grundsätzlich begrüßt der JAEB die Diskussion über eine Reform der Beiträge, wie der Jugendamtselternbeirat Münster in einer Medienmitteilung erklärt. Ziel müsse es sein, Familien stärker zu entlasten und die Beitragsstruktur gerechter sowie nachvollziehbarer zu gestalten. Positiv bewertet die Elternvertretung insbesondere eine nach Angaben des JAEB vorgesehene Anhebung der ersten beitragsfreien Einkommensstufe auf 45.000 Euro. Dadurch könnten nach Einschätzung des Beirats künftig mehr Familien von einer Beitragsfreiheit profitieren.
Kritik an Geschwisterregelung
Kritisch sieht der JAEB jedoch mögliche Änderungen an der Geschwisterregelung. Nach Darstellung des Beirats könnten Eltern künftig auch für die Betreuung ihrer Schulkinder Beiträge zahlen müssen, obwohl bereits Geschwisterkinder in einer Kita oder Kindertagespflege betreut werden. Aus Sicht des JAEB dürfe eine Reform unter dem Strich nicht dazu führen, dass Familien stärker belastet werden.
„Familien müssen sich darauf verlassen können, dass eine Reform der Elternbeiträge nicht zu zusätzlichen Belastungen führt. Insbesondere Familien mit mehreren Kindern dürfen durch Änderungen an der Geschwisterregelung nicht schlechter gestellt werden“, sagt Marc Schmittka, Vorsitzender des Jugendamtselternbeirats Münster.
Der JAEB spricht sich deshalb dafür aus, die weiteren Beratungen auf Grundlage solcher Modelle fortzuführen, die ohne eine Verschlechterung der bisherigen Geschwisterregelung auskommen. Ziel müsse eine Entlastung von Familien und ein gerechteres Beitragssystem sein.
Gebührenfreie Bildung als Ziel
Über die aktuelle Reform hinaus fordert der Jugendamtselternbeirat eine langfristige politische Perspektive. „Bildung muss von Anfang an gebührenfrei sein“, erklärt Schmittka. „Vom Schulbesuch bis zur Hochschule gilt in Deutschland weitgehend der Grundsatz, dass Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen darf. Dieser Gedanke sollte perspektivisch auch für die frühkindliche Bildung gelten.“
Dem JAEB sei bewusst, dass die Haushaltslage von Bund, Land und Kommunen einen vollständigen Verzicht auf Elternbeiträge kurzfristig kaum zulasse. Dennoch müsse die politische Richtung klar sein. „Wenn wir Familien stärken, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern und Menschen die Entscheidung für Kinder erleichtern wollen, dann müssen wir die finanzielle Belastung schrittweise reduzieren – nicht erhöhen“, so Schmittka.
Blick auf andere Städte
Zur Begründung verweist der Jugendamtselternbeirat auch auf die demografische Entwicklung. Die Geburtenziffer in Deutschland lag 2024 bei 1,35 Kindern je Frau. Zugleich gebe es nach Einschätzung des JAEB einen Abstand zwischen der tatsächlichen Kinderzahl und den Kinderwünschen vieler Menschen. Finanzielle Hürden und unsichere Betreuungssituationen könnten dazu beitragen, dass Familien ihre Kinderwünsche aufschieben.
Als Beispiele für kommunale Entlastungen nennt der JAEB andere Städte. In Hamm zahlen Familien bei mehreren betreuten Kindern grundsätzlich nur für ein Kind einen Elternbeitrag. In Gelsenkirchen werden seit August 2025 keine Elternbeiträge für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege erhoben.
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