Weltgarten-Ausstellung im Allwetterzoo lädt zum Nachdenken ein

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Der „philosophische Einkaufswagen“ führt den Besuchern vor allem ihre Einflussnahme beim Konsum vor Augen. (Foto: th)
Der „philosophische Einkaufswagen“ führt den Besuchern vor allem ihre Einflussnahme beim Konsum vor Augen. (Foto: th)

Am Sonntag wurde der Weltgarten unter Teilnahme des Eine-Welt-Netzes NRW zusammen mit dem Allwetterzoo Münster eröffnet. Die Weltgarten-Ausstellung ist aufgrund der guten Resonanz immerhin zum dritten Mal nach 2007/2008 hier im Zoo. Für Zoodirektor Adler ist die Ausstellung ein „wunderbares Beispiel für Naturschutz“, für den es „kaum einen schöneren Platz als den Zoo“ gebe, weil dieser für Schöpfung und Nachhaltigkeit stehe. Die Eröffnung wird mit Prominenz aus Münster und Vertretern aus dem Bereich der Nachhaltigkeit gefeiert. So sind, neben den Schirmherren Oberbürgermeister Markus Lewe und Ministerin Angelica Schwall-Düren auch Ehrengäste wie der Weihbischof Stefan Zekorn, Joseph Wilhelm, der Gründer von Rapunzel Naturkost und Gerd Deihle, der Vorsitzende des Eine-Welt-Netzes, zu einer Talkrunde mit Zoodirektor Jörg Adler und Projektleiter Manfred Belle eingeladen.

Der Weltgarten ist eine Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit und animiert anhand von zwölf Stationen wie der „Gelddusche“ oder dem „Hipporoller“ zum Mitmachen. Hier wird einerseits auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt im Zugang zu und vor allem im Umgang mit den Ressourcen hingewiesen, andererseits werden Anregungen geschaffen, die den Besuchern zeigen, an welcher Stelle sie ihr Verhalten ändern können, beispielsweise bei der Station „philosophischer Einkaufswagen“: Besucher werden hier zum Nachdenken über CO²-Ausstoß beim Flug in den Urlaub angeregt. Dieser Punkt ist auch Zoodirektor Jörg Adler ein wichtiges Anliegen, denn um Gorillas und Elefanten zu sehen, müsse man nicht in die Herkunftsländer reisen, was nicht nur umweltschädlicher, sondern auch deutlich teurer als ein Besuch im Zoo sei.

Aber Manfred Belle geht es gar nicht darum, dass ab sofort jeder „nur noch Urlaub im Sauerland machen kann“, sondern dass die Menschen beispielsweise auch beim Fleischkonsum Möglichkeiten der Einflussnahme haben – weniger, aber dafür qualitativ hochwertigeres Fleisch. Dabei ist es ihm wichtig zu vermitteln, dass es nicht schlimm ist, wenn man nicht alles schafft – „man will ja nicht wie ein Moralapostel herkommen.“ Und er findet auch klare Worte mit Blick auf die Politik: „Ich möchte nicht, dass die ganze Verantwortung auf den einzelnen Konsumenten abgewälzt wird.“

Weihbischof Stefan Zekorn weist auf die Kinderarbeit in vielen Produkten hin. (Foto: th)
Weihbischof Stefan Zekorn weist auf die Kinderarbeit in vielen Produkten hin. (Foto: th)

Verantwortliche aus Politik und Kirche, aber auch aus dem Bereich des Eine-Welt-Netzes befragt er zu ihrem Beitrag zur Nachhaltigkeit und nicht wenige Umherstehende waren überrascht zu erfahren, dass Nachhaltigkeit selbst bei so vermeintlich unverdächtigen Dingen wie Grabsteinen oder auch Kopfsteinpflaster ein Thema sind. 2/3 aller Grabsteine werden in Indien von Kindern aus Steinbrüchen herausgeschlagen, wie Weihbischof Zekorn ausführte. Letztlich sind sich alle Beteiligten einig, dass eine Umstellung auf faire und nachhaltige Produkte auch auf kommunaler Ebene wünschenswert sei. Ministerin Schwall-Düren stellt hier die Agentur Newtrade NRW vor, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, faire Beschaffung speziell in öffentlichen Verwaltungen voranzubringen.

Auch Oberbürgermeiste Lewe sieht noch Handlungsbedarf, ist aber insgesamt nicht unzufrieden: „Da wo wir’s können, machen wir’s.“ Und er erzählt anschließend im Gespräch, wie er persönlich Nachhaltigkeit lebe: saisonale und regionale Produkte wie Pinkus Müller oder Große Kintrup spielen da bereits eine große Rolle. Und er weiß mit Blick auf die Anfänge ökologischer und fair gehandelter Produkte: „Heutzutage haben die richtig gute Produkte.“ Aber auch bei Lebensmitteln, die traditionell im Ausland angebaut werden, könne man Einfluss nehmen: So kaufe er bereits seit 15 Jahren bei der Teekampagne Berlin seinen Tee, der nicht nur unter besten biologischen Bedingungen produziert, sondern vor allem mit geringen CO²-Belastungen transportiert werde. Markus Lewes persönlicher Einsatz für Produkte aus der Region trägt er an diesem Tag bei sich: Manschettenknöpfe aus Strontianit, einem weißlichen Stein, der vor allem im Münsterland abgebaut wurde. Auf politischer Ebene sieht er noch Handlungsbedarf und verspricht, auf Städtetagen die Nachhaltigkeit weiter voranzutreiben, besonders bei vergaberechtlichen Dingen, bei denen deutsches Recht teilweise mit Europäischen Recht kollidiere. Aber er sieht manches durchaus kritisch, beispielsweise die Bioenergie: Da komme es durch Monokulturen zu viel Zerstörung, auch von Biodiversität. Daher sein Rat: „Alles mit Maß.“

 

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