„Ich bin ein Glückskind!“  Interviewreihe „Münster, deine Künstler:innen“ / Folge 4 mit Ulrike Rehbein

34 Grad in der guten Stube: ALLES MÜNSTER Kolumnistin Iris Brandewiede im Interview mit Ulrike Rehbein (li.). (Foto: E. Münsterteicher)
34 Grad in der guten Stube: ALLES MÜNSTER Kolumnistin Iris Brandewiede im Interview mit Ulrike Rehbein (li.). (Foto: E. Münsterteicher)

In der 4. Folge der Interviewreihe „Münster, deine Künstler:innen“ spricht ALLES MÜNSTER Kolumnistin Iris Brandewiede mit der Schauspielerin, Rhythmikpädagogin und staatlich anerkannten Motopädin Ulrike Rehbein. 

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IB: Liebe Ulrike, herzlich Willkommen in der guten Stube @Home bei der Hausfrau, heute ist die Präsenz-Premiere! Wir dürfen bei 34 Grad im Schatten kuschelig beieinander sitzen. 

UR: Hallo, ich freue mich hier zu sein! Danke auch für das kühle Getränk und den Wassereimer zu meinen Füßen! „Die gute Stube“, so hieß früher ein Spielzeugladen in meiner Kindheit, in dem  ich mein Taschengeld in Playmobil umgesetzt habe (kichert).

IB: Du verzauberst Kinder und Eltern mit deinen poetischen Solo-Inszenierungen. Du lässt dein Publikum direkt in Welt eintauchen, die Bilderbücher wie „Steinsuppe“ von Anais Vogelarde und „Frau Meier, die Amsel“ von Wolf Erlbruch schaffen. Was sagen eigentlich die Autor:innen zu deinen Interpretationen?

UR: Ich werde nie vergessen, wie mir Paul Maar in meiner Garderobe im Theater Münster für die Darstellung des „Sams“ gratulierte: Er habe sich das Sams genau so vorgestellt , wie ich es auf der Bühne verkörpere. Dieses Kompliment werde ich nie vergessen. Leider habe ich bis jetzt noch keinen direkten Kontakt zu den Autor:innen der Geschichten für meine Solo-Stücke – über die Freigabe spreche ich ja mit dem Verlag. Wolf Erlbruch möchte ich gerne mal „Frau Meier, die Amsel“ zeigen, mein Lieblingsstück, das ich immer noch spiele. Vielleicht lade ich ihn mal ein!?

IB: Mit dem Frauen-Kollektiv „Freifrau“ aus münsteraner Schauspielerinnen um Carola von Seckendorff habt ihr das sehr erfolgreiche Ensemble-Stück „MütterHabenSein“ kreiert. Am Sonntag, den 13. Juni war Premiere des Nachfolgestückes „MutterSeelenAllein“, pandemiebedingt in einer filmisch adaptieren Form im Cinema. Erzähle uns doch ein bisschen vom Ensemble Freifrau.

UR: Wir sind fünf Frauen, die sich aus verschiedensten Zusammenhängen künstlerischer Arbeit her kennen. Carola von Seckendorff hatte vor fünf Jahren die Idee, ein Stück zu machen, in dem wir als Schauspielerin unser Leben reflektieren. Über den Spagat des „Mutterseins“ und unserer künstlerischen Arbeit. Die Beziehung zu unseren Müttern und  unseren Kindern. Was unsere Mütter erlebt haben und uns weitergegeben haben und wie unsere Kinder die Welt heute sehen. Also ein Generationen übergreifendes Thema. Das Stück basiert auf Interviews, die Carola von Seckendorff mit uns geführt hat und wir mit unseren eigenen Müttern und Kindern. Also absolut authentisch. Um die Texte zu anonymisieren, erzählt nicht jede ihre eigene Geschichte, sondern die der anderen.

Ulrike Rehbein (2.v.r.) bei den Proben zum Theaterstück "MutterSeelenAllein". (Foto: Ingrid Hagenheinrich)
Ulrike Rehbein (2.v.r.) bei den Proben zum Theaterstück „MutterSeelenAllein“. (Foto: Ingrid Hagenheinrich)

IB: Ihr habt das Stück auf Bühnen gebracht, die eigentlich nicht als solche konzipiert waren: Die Aufführungen von „MutterHabenSein“ fand sehr nahe beim Publikum in kleinen Kneipen statt. 

UR: Ja, wir wollten das so vermitteln. Während des Spiels bewegen wir uns von Tisch zu Tisch. Unsere Kinder und Mütter kommen zu Wort, indem wir den Originalton vom Kassettenrekordern abspielen. Das ist sehr persönlich und nah. Wir waren sehr überrascht, dass wir egal wo wir spielen, immer wieder ausverkauft sind. Die Reaktionen des Publikums – hauptsächlich Mütter mit Töchtern – sind häufig sehr dankbar, persönlich und anrührend. Jede findet sich und ihr Leben in unseren Geschichten wieder. Deshalb werden  wir es auch weiterhin spielen. Wir freuen uns schon darauf!

IB: Die Kino-Premiere des neuen Stücks „MutterSeelenAllein“ im Cinema fand sonntags morgens um 11 Uhr bei bestem Wetter statt – im ausverkauften Haus! 

UR: Ja! MutterSeelenAllein basiert wieder auf persönlichen Interviews. Seit dem letzten Stück ist Zeit vergangen, unsere Kinder sind fünf Jahre älter und gehen ihrer Wege. Auf der anderen Seite nehmen wir Abschied von unseren Eltern. Wir sind fünf Frauen in der Mitte ihres Lebens: Wo stehe ich? Was wird sein, wo sind meine Träume und habe ich welche? Allein, zu zweit? Es ist ein Rückblick, eine Bilanz, ein Ausblick. Persönlich, erfrischend, emotional, ehrlich, liebenswert und musikalisch. Frauenpower pur.

Eigentlich wollten wir schon vor einem Jahr beginnen, dann kam Corona. Wir haben aus dem Material einen Film gemacht, Ende August folgt die Bühnenversion. Wir haben letzte Woche intensiv geprobt. Das war ein verrücktes Gefühl sich wieder so nah zu sein, ohne Mundschutz!

IB: Als Zuschauerin war ich – natürlich frisch getestet und mit Mundschutz – im Kino dabei. Ein pralles Erlebnis nach all der Kulturaskese! Es rannen ein paar Tränchen hinter die Maske und ich habe mehrfach herzlich lacht. Das Stück geht ins Herz, wie die erste Version, auf reife, nachdenkliche und sehr energiegeladene Art. Apropos Frauenpower pur: Wie bekommst du deine drei beruflichen Identitäten als Schauspielerin, Rhytmikpädagogin und Motopädin eigentlich unter einen Hut? 

UR: Timing. Was alle drei Berufe verbindet, sind der Körper und die Bewegung. Unser Körper ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Existenz und unserer Identität. Mit ihm und durch ihn erfahren wir die Welt, lernen, und werden zu dem, was wir sind. Ich kenne meinen Körper so gut, dass ich ihn als Schauspielerin nutzen kann. In der Rhythmik verbinde ich Musik und Bewegung. In der Körpertherapie ist der Körper die Ressource und der Zugang zum Selbst. Mir machen alle drei Berufe sehr viel Spaß. Ich kann sie gut kombinieren.

Filmset coronakonform: Mutterseelenallein im Wald. (Foto: Ingrid Hagenheinrich)
Filmset coronakonform: Mutterseelenallein im Wald. (Foto: Ingrid Hagenheinrich)

IB: Erinnerst du dich an deinen letzten Live-Auftritt? 

UR: Puh. Gute Frage. Da muss ich jetzt echt nachdenken. Ah doch! „Frau Meier, die Amsel“ im Theater in der Meerwiese. Mit Hygiene-Konzept, das ganze Programm. Sehr aufwendig das drum herum. Es war auch sehr anrührend, da es sich im Stück um Sorgen und Ängste der Frau Meier dreht und wie sie sich davon befreit, indem sie das Fliegen lernt. Und draußen saß Corona und lachte sich ins Fäustchen.

IB (angerührt): Ich sag ja, du verzauberst uns poetisch… Und du selbst? Wie geht es dir eigentlich, im Rückblick auf die lachende Corona?

UR: Ich bin ein Glückskind. Ich bin in meinem Leben immer meiner Intuition, meinem inneren Bauchgefühl gefolgt und habe es geschafft, mein Leben selbständig zu finanzieren. Was nicht immer einfach war. Existenzangst hatte ich nie. Ich hatte das Glück, genau zur zweiten Corona-Welle eine halbe Stelle als Motopädin antreten zu können. Das war meine Rettung…

IB: Das Beste kommt zum Schluss. Die gute Fee schenkt dir die Erfüllung dreier Wünsche! Hier ist der Ort, sie zu äußern, auf dass sie in Erfüllung gehen mögen!

UR: Gesundheit. Glückliche Kinder. Und mhm, die Stilllegung der Straße hinter meinem Garten.

IB: Wird gemacht! Liebe Ulrike, danke für deine Zeit!

UR: War mir eine Freude!

Ulrike Rehbein lebt in Münster. Mehr Infos zu ihrem Wirken findet ihr hier:
www.theater-tritrop.dewww.mutterhabensein.de | www.theater-freifrau.de

Kinofilm MutterSeelenAllein
Mi., 18. August und Di., 7. September, jeweils 18:00 Uhr im Cinema

Bühnenversion MutterSeelenAllein
Fr., 27. August, 20.00 Uhr (Premiere) im Kreativhaus Münster | Tickets 
Weitere Termine: So., 29. August, Fr. & Sa., 3. & 4. September, jeweils 20:00 Uhr
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Iris Brandewiede

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