
Mit einer fünf Meter hohen Statue aus Altkleidern hat Greenpeace Münster am Samstag auf dem Prinzipalmarkt gegen die Wegwerfmentalität in der Modebranche protestiert. Acht Aktivist:innen stellten die Installation vor dem Maxi-Turm auf, um ein sogenanntes Anti-Fast-Fashion-Gesetz zu fordern. Anlass der Aktion ist die bevorstehende „Black Week“ in rund drei Wochen, während der Modekonzerne mit Rabattaktionen zum Kauf billiger Kleidung anregen.
Wie Greenpeace Münster mitteilte, bestand die Skulptur nach einem Entwurf der Künstlerin Emanuele Jane Morelli aus Textilien, die die Organisation auf dem Kantamanto-Markt in Accra (Ghana) gesammelt hat. Der Markt gilt als einer der größten Second-Hand-Märkte der Welt. Viele dort verkaufte Altkleider stammen aus Europa, darunter auch aus Deutschland, und tragen laut Greenpeace erheblich zur Umweltverschmutzung in Ghana bei. Begleitend zur Aktion wird eine Ausstellung gezeigt, die die Folgen der Kleiderberge in Westafrika dokumentiert.
„Symptom eines kranken Wirtschaftssystems“
„Fast Fashion ist das Symptom eines kranken Wirtschaftssystems, das nicht dem Menschen dient. Dahinter stehen leidende Menschen und eine Umwelt, die ausgebeutet wird“, sagte Daniel Glüsing von Greenpeace Münster. Die Umweltschutzorganisation fordert ein Gesetz nach französischem Vorbild. Dieses sieht laut Greenpeace eine Sonderabgabe auf Fast-Fashion-Produkte vor, fördert die textile Kreislaufwirtschaft und verbietet Werbung für Wegwerfmode, auch in sozialen Netzwerken. Ein im Auftrag von Greenpeace erstelltes Rechtsgutachten komme zu dem Ergebnis, dass solche Regelungen auch in Deutschland rechtlich umsetzbar wären.
Zur Begründung verweist Greenpeace auf die wachsende Textilproduktion weltweit: Seit dem Jahr 2000 habe sich die Menge der hergestellten Kleidung mehr als verdreifacht. Von bis zu 180 Milliarden Kleidungsstücken pro Jahr blieben bis zu 40 Prozent unverkauft und würden vernichtet, heißt es in der Mitteilung. Gleichzeitig werde Kleidung immer kürzer getragen. Über 60 Prozent der in Deutschland gesammelten Altkleider landeten im Ausland, häufig auf Deponien oder in Flüssen.
Anti-Fast-Fashion-Gesetz gefordert
„Nur ein starkes Anti-Fast-Fashion-Gesetz kann die Kleiderflut stoppen“, so Glüsing weiter. Die Politik habe alle rechtlichen Möglichkeiten, den Überfluss an Wegwerfmode zu beenden, müsse diese aber nun auch nutzen. Hersteller müssten außerdem Verantwortung für Überproduktion und die Belastungen von Umwelt und Klima übernehmen, so Glüsing weiter.
Hintergrund der Aktion ist eine gemeinsame Kampagne von Greenpeace Deutschland und Greenpeace Afrika. Im Oktober 2023 sammelten Aktivist:innen auf dem Kantamanto-Markt in Accra insgesamt 4,6 Tonnen aussortierte Kleidung – rund 19.000 Stücke –, die sonst auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen gelandet wären. Analysen zufolge bestehen mehr als 96 Prozent dieser Textilien aus synthetischen Fasern, die in Ghana zu erheblicher Plastikverschmutzung beitragen.
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