Pionierarbeit für mehr Klimaschutz Start eines Pilotprojektes: Nutzung eines Trockenfermenters zur Energiegewinnung im Allwetterzoo

Er wird zukünftig nicht nur für Freude unter den Besuchern sondern auch für Energie sorgen. (Foto: Allwetterzoo)
Er wird zukünftig nicht nur für Freude unter den Besuchern sondern auch für Energie sorgen. (Foto: Allwetterzoo)

Der Allwetterzoo Münster schärft sein Profil zum Arten- und Klimaschutzzoo: Im Rahmen eines europaweiten Pilotprojektes wird ein Trockenfermenter zukünftig vor Ort Wärme, Strom und Gartendünger erzeugen.

Egal, ob die ersten Energieausweise für Tierhäuser in deutschsprachigen Zoos, die vielfältige Nutzung von regenerativen Energie- und Wärmequellen, der Bau der energieautarken Meranti-Tropenhalle oder die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an Ökoprofit: Der Allwetterzoo Münster ist seit vielen Jahren sehr erfolgreich dabei, seinen klimatischen Fußabdruck zu verringern. Und das hat sich mittlerweile rumgesprochen. Denn diesem langjährigen Engagement hat es der Allwetterzoo Münster zu verdanken, dass er an einem ganz besonderen Projekt teilnehmen darf und auf diese Weise abermals Pionierarbeit leisten wird.

So soll er aussehen, der Trockenfermenter im Allwetterzoo. (Grafik: Allwetterzoo)
So soll er aussehen, der Trockenfermenter im Allwetterzoo. (Grafik: Allwetterzoo)

Einen großen Schritt zur Reduzierung von im Allwetterzoo produzierten Klima- und Treibhausgasen wird in Zukunft die Vergärung von Tiermist mittels eines Trockenfermenters sein. Bislang wird der im Allwetterzoo anfallende Mist offen gelagert und anschließend als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht. „Aktuell stecken wir noch mitten in der Planungsphase, aber wir freuen uns schon, als erster deutscher Zoo dieses Konzept der Strom und Wärmegewinnung bei uns erproben zu dürfen“, so Dirk Heese, Technischer Leiter und Prokurist im Allwetterzoo.

Zentraler Bestandteil der Vergärungsanlage ist ein neuartiger Propfenstromfermenter mit dem Namen DECAT (Dezentraler Containerbasierter Abfall Trockenfermenter). Der Zoomist wird fortlaufend durch den Reaktor gefördert und vergärt unter Wärmebedingungen. „Wir planen den Bau der Anlage so, dass sie nach Fertigstellung 2000 Tonnen Mist pro Jahr aufbereiten und vergären kann. Wir versprechen uns eine Treibhausgas-Minderung von mehreren hundert Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr“, erklärt Heese.
In Summe ergibt sich aus der vorliegenden investiven Klimaschutzmaßnahme über die Lebenszeit von 20 Jahren eine Treibhausgas-Minderung von mehreren Tausend Tonnen CO2-Äquivalent. „Am Ende hoffen wir, dass wir nicht nur auf gute Zahlen kommen, weil wir vor Ort den Trockenfermenter betreiben. Auch die Entsorgung des Mists, inklusive der damit verbundenen Transportkosten und Energieaufwendungen für die weitere Verarbeitung und spätere Entsorgung entfallen dann“, so Heese.

Die Tierpflegerinnen und Tierpfleger scheinen sich schon auf die Zeit zu freuen, wenn daraus Energie gewonnen wird. (Foto: Allwetterzoo)
Die Tierpflegerinnen und Tierpfleger scheinen sich schon auf die Zeit zu freuen, wenn daraus Energie gewonnen wird. (Foto: Allwetterzoo)

Begleitet wird das Team des Allwetterzoos von der advanced biomass concepts GmbH (abc). Deren Bereichsleiter Energietechnik und Digitalisierung, Florian Loosen, erklärt, was im Allwetterzoo geschehen wird: „Ziel ist die Planung und Errichtung eines kontinuierlich arbeitenden Trockenfermenters, welcher zoointernen Tiermist in Biogas umwandelt. Das Biogas wird mittels eines Blockheizkraftwerks in Nutzwärme und Strom umgewandelt, welche am Zoo zur Deckung des Eigenenergiebedarfs verwendet werden. Mittels dieser dezentralen Verfahrenskette spart der Zoo klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen aus fossilen und nuklearen Energieträgern ein.

Es soll am Ende aber nicht nur bei der Energiegewinnung bleiben. Das Konzept ist ganzheitlich gedacht. „Ein Teil der Gärreste soll in Zusammenarbeit mit regionalen Entsorgungsbetrieben zu Komposterde aufbereitet werden, welche von Privatleuten für gartenbauliche Zwecke verwendet werden kann. Dieses Vorhaben ist der abschließende Baustein für eine regionale Kreislaufführung am Beispiel eines Zoobetriebs“, so Loosen. „Regional angebaute Futtermittel werden durch die Zootiere verwertet. Der anfallende Mist wird vergärt und die Verbrennung des entstehenden Biogases liefert Strom und Wärme, welche durch den Zoo vor Ort verbraucht wird. Damit kann der Zoo rund ein Drittel seines kompletten Stromverbrauchs und rund 15 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs regenerativ und umweltfreundlich aus eigenen Abfallbiomassen erzeugen – so unsere ersten konservativen Berechnungen.“

Auch diese Elefanten werden zukünftig den Rohstoff für die Energieversorgung des Allwetterzoos liefern. (Foto: Allwetterzoo)
Auch diese Elefanten werden zukünftig den Rohstoff für die Energieversorgung des Allwetterzoos liefern. (Foto: Allwetterzoo)

Bis es so weit ist, dauert es allerdings noch. Der Zoo hofft, dass die Genehmigungsplanungen bis zum Jahresende 2022 abgeschlossen sind. Derzeit läuft eine Ausschreibung, um ein Ingenieurbüro zu finden, das das Vorhaben weiter plant und begleitet. Die Gesamtkosten für das Projekt betragen rund 1,6 Millionen Euro. Davon sind rund 80 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.

„Für den Eigenanteil von rund 321.000 Euro konnten wir schon erste Sponsoren finden, die uns hier unterstützen. Damit kann der Allwetterzoo Münster selbst die Kosten auf ein absolutes Minimum reduzieren“, rechnet Heese vor. „Alleine vom Zooverein Münster bekommen wir Finanzmittel in Höhe von über 130.000 Euro. Alles in allem also eine richtig runde Sache und ein wichtiger Schritt zu mehr Klimaneutralität.“

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