Pilze sammeln: Vorsicht vor Doppelgängern AOK warnt vor schweren Vergiftungen / Besonders Knollenblätterpilze bergen Gefahren

Ein Fehlgriff beim Pilzesammeln kann schwerwiegende Folgen haben. (Foto: AOK / Colourbox / hfr)
Ein Fehlgriff beim Pilzesammeln kann schwerwiegende Folgen haben. (Foto: AOK / Colourbox / hfr)

Mit der Pilzsaison steigt auch für Sammler in Münster und Umgebung wieder das Risiko, essbare Pilze mit giftigen Arten zu verwechseln. Besonders gefährlich kann eine Verwechslung mit Knollenblätterpilzen werden. Einige Arten enthalten Gifte, die schwere Leberschäden verursachen und lebensbedrohlich sein können.

Vor allem im Spätsommer und Herbst kommt es in Deutschland immer wieder zu Vergiftungen durch selbst gesammelte Pilze. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung beantworten die Giftinformationszentren der Länder jährlich mehrere Tausend Anfragen zu Pilzen. Dabei können nicht nur Giftpilze Probleme verursachen. Auch verdorbene oder falsch zubereitete Speisepilze können Beschwerden auslösen.

„Bereits jetzt gibt es sehr viele giftige Pilze, die den essbaren Exemplaren ähneln. Die Unterscheidung ist für unerfahrene Pilzsuchende nicht immer einfach und endet manchmal mit einer schweren Pilzvergiftung“, warnt Michael Faust, Serviceregionsleiter der AOK NordWest. Wie die Krankenkasse in einer Medienmitteilung erklärt, rät sie deshalb davon ab, Pilze ohne entsprechende Fachkenntnisse zu sammeln und zu verzehren.

Knollenblätterpilze besonders gefährlich

Knollenblätterpilze gehören zu den gefährlichsten Giftpilzen in Deutschland. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung sind sie für mindestens 80 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen hierzulande verantwortlich. Der Grüne Knollenblätterpilz wächst vor allem von Juli bis Oktober in Laubwäldern, aber auch in Parkanlagen.

Tückisch ist, dass Beschwerden nach einer Vergiftung nicht unbedingt unmittelbar nach dem Essen auftreten. Bei bestimmten Knollenblätterpilzen können zunächst heftiges Erbrechen und Durchfall einsetzen. Darauf kann eine Phase folgen, in der sich die Beschwerden scheinbar bessern, obwohl Leber und Nieren bereits geschädigt werden. In schweren Fällen kann es zu Leberversagen kommen.

Wer selbst Pilze sammelt, sollte deshalb nur Exemplare verzehren, die zweifelsfrei als Speisepilze bestimmt worden sind. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt davor, sich bei der Bestimmung allein auf Pilz-Apps zu verlassen. Bei Unsicherheit können Pilzberatungsstellen oder Pilzsachverständige helfen.

Bei Beschwerden nicht abwarten

Treten nach einer Pilzmahlzeit Beschwerden auf, sollte schnell reagiert werden. „Wer nach dem Essen eines Pilzgerichts Übelkeit, Schmerzen, Schwindel oder Missempfindungen verspürt, sollte sofort einen Arzt aufsuchen oder gleich direkt in ein Krankenhaus gebracht werden“, sagt Faust.

Noch vorhandene Pilze sowie Reste der Mahlzeit und Putzreste sollten nach Möglichkeit aufbewahrt werden. Sie können bei der Bestimmung der verzehrten Pilzart helfen. Auch Personen, die von derselben Pilzmahlzeit gegessen haben, sollten informiert werden und sich untersuchen lassen, selbst wenn sie zunächst keine Beschwerden haben.

Notfallnummer

Die Informationszentrale gegen Vergiftungen am Universitätsklinikum Bonn ist rund um die Uhr unter 0228 19240 erreichbar. Bei Verdacht auf eine Vergiftung mit selbst gesammelten Pilzen ist nach Angaben der Giftzentrale häufig eine Bestimmung durch Pilzsachverständige erforderlich. Ein entsprechender Kontakt kann über die Informationszentrale hergestellt werden.

Petra Förster, Oberärztin der Giftinformationszentrale Bonn, weist darauf hin, dass für eine solche Bestimmung unter anderem noch vorhandene Pilze, Putzreste oder Erbrochenes sowie Angaben zu Aussehen und Fundort herangezogen werden können. Je nach Pilzgift können unterschiedliche Vergiftungsbilder auftreten, die entsprechend behandelt werden müssen. Bei lebensbedrohlichen Symptomen wie Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen ist unmittelbar der Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

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