Nicht nur von Tempo 30 reden Petition für Geschwindigkeitsreduzierung auf der Geiststraße / Ausschluss des Schwerlastverkehrs

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Die Initiatoren der Petition fordern Tempo 30 und den Ausschluss des Schwerlastverkehrs auf der Geiststraße. (Foto: Thomas Hölscher)
Die Initiatoren der Petition fordern Tempo 30 und den Ausschluss des Schwerlastverkehrs auf der Geiststraße. (Foto: Thomas Hölscher)

Bei den Themen Mobilität und Verkehr stehen Städte und Kommunen in Deutschland vor großen Herausforderungen. Eine stadt- und umweltverträgliche Gestaltung der Mobilität ist Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Städte. Als Stadtbaurat Robin Denstorff Anfang Juli in einer Erklärung des Städtetages gemeinsam mit Vertretern anderer Städte die Bundespolitik aufforderte, in den Städten mehr Möglichkeiten für Tempo 30 zu schaffen, staunte Kai Solinski nicht schlecht. Sein Antrag für den Emilien-Kindergarten an der Geiststraße wurde erst im vergangenen Herbst abgelehnt.

Das kann Kai Solinski, Vater eines 3-Jährigen und ehemaliger Elternvertreter in seiner Kita, nicht nachvollziehen. „Die Begründung klingt gar nicht so, als würden irgendwelche rechtlichen Möglichkeiten fehlen“, sagt er. In dem vom Ordnungsamtsleiter Norbert Vechtel unterzeichneten Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es, dass „die rechtlichen Voraussetzungen für Tempo 30 grundsätzlich vorliegen“. Dennoch könne auf der Geiststraße keine Tempo-30-Regelung eingerichtet werden, da die Straße als Verbindungsachse der Hammer Straße und Weseler Straße zwischen den Feuerwachen 1 und 2 bevorzugt genutzt werde. Auch liege nach Rücksprache mit der Polizei im Bereich der Kita „keine signifikante Unfalllage vor“.

Joachim Bick von der IG Fahrradstadt.ms sieht die rechtlichen Begebenheiten anders: „Die Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrs-Ordnung machen klar, dass zum Beispiel vor Kindergärten im Regelfall Tempo 30 einzurichten ist. Eine Abwägung mit den Belangen der Rettungsdienste sieht der Gesetzgeber nur für Tempo-30-Zonen vor“, sagt er. Doch hier gehe es ja gar nicht um eine Zone. Warum gerade auf der Verbindung zwischen zwei Feuerwachen eine Abweichung vom Regelfall vorzusehen ist, erklärt die Stadt nicht. Bick ist daher skeptisch. „Im Gesamtbild stellt sich schon die Frage, ob der angebliche Wunsch nach stadtverträglichem Verkehr, wie es Herr Denstorff in der Erklärung des Städtetags mit formulierte, ernst zu nehmen ist.“

Auch Gisela Dücker wünscht sich eine Veränderung. „Es ist mittlerweile einfach viel zu laut“, beklagt die Anwohnerin. Die Geiststraße ist seit 2016 im Lärmaktionsplan der Stadt Münster enthalten, ohne dass bislang Lärm reduzierende Maßnahmen ergriffen wurden. In Dückers Augen hat zudem seit 2020 hat der Schwerlastverkehr deutlich zugenommen: „Hier fahren Baustellenfahrzeuge und schwere LKW, sogar große Mähdrescher habe ich schon beobachtet.“ Sie vermutet auch einen Zusammenhang mit der Verlegung der B54 weg von der Hammerstraße über die Umgehungsstraße und Weseler Straße.

Kai Solinski, Joachim Bick und Gisela Dücker haben sich mit weiteren Anwohnern zusammen getan und eine Petition ins Leben gerufen. Auch Björn Lobe, der aktuelle Elternvertreter der Emilien-Kita, hat sich der Aktion angeschlossen. „Wir hoffen, mit der Petition den notwendigen Druck aufzubauen, damit für die Geiststraße nicht mehr nur von Tempo 30 geredet wird, sondern auch endlich etwas passiert“, resümieren die Initiatoren. Seit Beginn der Petition haben bereits über 80 Menschen die Situation auf der Geiststraße kommentiert. „Der Lärm durch Schwerlastverkehr sorgt dafür, dass man sich im Garten kaum unterhalten kann“, schreibt eine Anwohnerin und ein weiterer Betroffener schreibt: „Selbst bei geschlossenen Fenstern sind die vorbei donnernden LKW wahnsinnig laut.“

Die Online-Unterschriftenaktion ist hier zu finden. Die IG Fahrradstadt Münster ist eine offene Gruppe von interessierten BürgerInnen, die sich überparteilich und unabhängig für besseren Radverkehr einsetzt – für weniger Stau und Lärm und damit für bessere Luft. 
Thomas Hölscher

2 Kommentare

  1. Nicht Tempo 30 ist eine Lösung, sondern vollständig autofreie Innenstädte sind die Lösung.
    Tempo 30 schafft die Verstopfung der Städte nicht ab, ich denke diese wird sogar noch gefördert damit.

    Ich wohne nicht in der Innenstadt, empfinde selbst aber Innenstädte (nicht nur MS) als nicht mehr lebenswert. Der massive PKW/LKW Verkehr ist ganztägig dermaßen störend, dass für mich ein Wohnen in der Stadt nicht mehr in Betracht kommt. Hinzu kommt der ruhende Verkehr in Form von parkenden PKWs die alles verstopfen und zuparken was irgendwie geht.

    Es muss ein gänzlich neues Konzept her, weg vom Individualverkehr und den ÖPNV mit den heitigen großen Bussen (Gelenkbusse), hin zu vielen kleinen 6-8 Personen Fahrzeugen die elektrisch und vorzugsweise autonom fahrend den Verkehrsbedarf in der Stadt abdecken.
    Teilweise im festen Zeittakt und auch zustätliches per App anforderbar.
    Und natürlich das Fahrrad als bevorzugtes Verkehrsmittel.
    Dazu natürlich ein Zeitfenster für Lieferdiensten zu Geschäften etc.

    Aber welcher Politiker in Münster und anderen Städten hat dazu die Kraft und den Mut so etwas wirklich umzusetzen?
    Keiner, denn alle wollen ja wiedergewählt werden und haben “Angst” vor dem Wählerzorn.

  2. ach ja, Tempo 30… das ist in MS eine schöne Wunschvorstellung, die aber auch kontrolliert werden will, denn sonst ist Tempo 30 nur ein zahnloser Tiger.
    wir wohnen an der Südstraße im Abschnitt Hafenstraße-Bernhardstraße, die auch als Temp0-30-Zone ausgeschildert ist. Wir haben dort noch NIE in den letzten 20 Jahren eine Geschwindigkeitsmessung gesehen. Es fahren auch viele zu schnell, besonders gern sind Lieferdienste der in der Nähe liegenden Imbissbetriebe darunter. Auch wird der Abschnitt wohl gern genutzt als “Abkürzung” zwischen Hafenstraße und Theißingstr./Friedrich-Ebert-Str., um so die Ampel zu “sparen”.

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