#münsterklima21 – Forschung und Lehre Themenwoche // World Environment Day // „Der Klimawandel bedroht unsere Lebensweise. Er bedroht sie wirklich massiv!“

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Die Forschungsergebnisse vieler Projekte des Instituts für Landschaftsökologie bestätigen die negativen Auswirkungen des Klimawandels zum Beispiel auf unsere Wälder. (Foto: Michael Bührke)
Die Forschungsergebnisse vieler Projekte des Instituts für Landschaftsökologie bestätigen die negativen Auswirkungen des Klimawandels zum Beispiel auf unsere Wälder. (Foto: Michael Bührke)

Für Prof. Dr. Tillmann Buttschardt vom Institut für Landschaftsökologie ist der Klimawandel nicht nur schon längst im Münsterland angekommen, er ist wesentlicher Teil seiner täglichen Arbeit, „Mein Hauptaufgabengebiet ist der Naturschutz. Ich mache seit ein bis zwei Jahren keine Veranstaltung mehr, ohne Bezüge zum Klimawandel herzustellen. Ich denke, dass das eine der wesentlichen, großen Herausforderungen sein wird für unsere Zukunft!“

Und so sieht‘s nicht nur bei dem Geoökologen aus, fast alle Forschungsprojekte in dem auffälligen Institutsgebäude an der Corrensstraße haben in irgendeiner Form mit dem Klimawandel zu tun, wie Buttschardt erklärt. „Für die Landschaftsökologie ist der Klimawandel an sich, also die sich verändernden Bedingungen in den Ökosystemen, ein Kernelement, wir sagen dazu Rahmenmerkmal. Wenn man so möchte, dann ist der Klimawandel für uns eine ganz relevante Größe um beurteilen zu können, was in Ökosystemen passiert. Ich würde sagen, er ist der zentrale Spieler bei uns in unseren Aufgabenstellungen.“ Die Projekte am Institut für Landschaftsökologie (ILÖK) beschäftigen sich zu einem großen Teil mit den Klimafolgen und mit den Möglichkeiten, wie man den Klimawandel abschwächen kann. „In Zusammenarbeit mit der Ökosystemforschung, der NABU-Station und der Forstverwaltung in der Davert hat die AG Ökosystemforschung zum Beispiel das Projekt ‚Fit für den Klimawandel‘ entwickelt.“ Die Davert, früher ein Feuchtwaldgebiet, wurde nach und nach entwässert und hat jetzt das große Problem, dass durch die Folgen des Klimawandels die Bäume trocken stehen und sich das Schutzgebiet grundlegend verändert.

Prof. Dr. Tillmann Buttschardt vom Institut für Landschaftsökologie der Uni Münster. (Archivbild: Michael Bührke)
Prof. Dr. Tillmann Buttschardt vom Institut für Landschaftsökologie der Uni Münster. (Archivbild: Michael Bührke)

Eine weitere Projektgruppe aus dem Bereich der Hydrologie beschäftigt sich mit den Abläufen in Mooren. „Vieles ist über Moore gar nicht bekannt. Man weiß, dass sie extrem wichtig für den Klimaschutz sind“, berichtet Prof. Dr. Tillmann Buttschardt. Wenn Moore aktiv entwässert werden oder wenn weniger Niederschlag fällt, dann entsteht Kohlendioxid, das den Klimawandel beschleunigt. Andererseits kann beim Wiedervernässen von Mooren Methan entstehen. Methan ist ein Klimagas, das noch wirksamer ist als Kohlendioxid. „Warum das passiert, ist noch gar nicht in allen Punkten verstanden.“ Die Ergebnisse der Forschungen hier im Münsterland helfen mit, die Abläufe im Großen, wie zum Beispiel in Sibirien, zu verstehen. Eine andere Gruppe befasst sich damit, wie die Landwirtschaft klimaverträglicher gemacht werden kann. „Wir hatten ein größeres Forschungsprojekt zu Wildpflanzenmischungen, die gleichzeitig der Artenvielfalt und dem Klimaschutz dienen. In den Trockenjahren 2018 und 2019 konnten wir beobachten, dass diese Pflanzen besser die Trockenheit wegstecken als andere.“ Wieder andere Projekte beschäftigen sich mit der Renaturierung der Aa.

Die Davert war früher ein Feuchtwald. Trockenlegungen in der Vergangenheit machen den Bäumen heute zu schaffen. (Foto: Michael Bührke)
Die Davert war früher ein Feuchtwald. Trockenlegungen in der Vergangenheit machen den Bäumen heute zu schaffen. (Foto: Michael Bührke)

Am deutlichsten ist der Klimawandel im Münsterland laut Buttschardt bei den Wäldern zu beobachten. „Die Abläufe, die sich gerade im Wald als Folge der Trockenheit abspielen, sind sehr gut zu beobachten. Wenn man in die Klimadaten schaut, dann könnte man auch Argumente dafür finden, das es sich eventuell um eine vorübergehende Trockenheit handelt. Trockenheit hat es ja früher auch gegeben. Auch das kühle Frühjahr in diesem Jahr, das ist ganz normal, weil das Klima nichts Statisches ist. Aber die Trends deuten darauf hin, dass wir weniger Niederschläge und heißere Sommer haben. Die Niederschläge der letzten Monate sind nur 40 bis 80 Zentimeter tief in den Boden vorgedrungen, darunter ist es sehr trocken.“ Die Wälder, die es ursprünglich im Münsterland gab, hatten als Feuchtwälder einen natürlichen Puffer gegen Trockenheit. Erst die Entwässerung machte die Bepflanzung mit Fichten möglich und hat bewirkt, dass es ohne diese natürliche Pufferung zu großen Verlusten in der Forstwirtschaft kommt, wie der 55-jährige Wissenschaftler erklärt.

Das auffällige Gebäude an der Corrensstraße beherbergt das Institut für Landschaftsökologie (ILÖK) der WWU. (Foto: Michael Bührke)
Das auffällige Gebäude an der Corrensstraße beherbergt das Institut für Landschaftsökologie (ILÖK) der WWU. (Foto: Michael Bührke)

Wer sich als junger Mensch dazu entschließt, in Münster Landschaftsökologie zu studieren, ist sich der anstehenden Probleme bewusst und will etwas dagegen unternehmen, ist sich Buttschardt sicher: „Viele unserer Studierenden sind betroffen, weil die Gesellschaft so träge ist und sich die Dinge nur sehr langsam bewegen. Eine ganze Reihe von ihnen sind auch außerhalb des Studiums sehr engagiert, wir versuchen gerade, diese Aktivitäten ein bisschen zu vernetzen.“ Buttschardt legt Wert darauf, dass die Landschaftsökologen nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm leben, sondern mit vielen weiteren Forschungsbereichen eng zusammenarbeiten: „Wir wollen die wissenschaftlichen Ressourcen so nutzen, dass nachfolgende Generationen die gleichen Möglichkeiten und Chancen haben, um auf diesem schönen Planeten zu leben. Wir arbeiten zum Beispiel mit Prof. Dr. Anne Käfer von der evangelischen Theologie zusammen, die sich um die Tierethik kümmert. Die Tierhaltung und auch die Art wie wir uns ernähren, bedingt letzten Endes, dass wir den Klimawandel verstärken, zum Beispiel durch Massentierhaltung. Aber auch die Batterieforschung oder die politische Geographie sind Kooperationspartner. Wir veranstalten die Münsteraner Klimagespräche, bei denen demnächst ein Mikro-Ökonom über das Thema Klimakompensationen sprechen wird.“

Für Prof. Dr. Tillmann Buttschardt hat der Klimawandel ganz konkrete Folgen für jeden Menschen. Das Argument, dass zum Beispiel ein Umstieg auf ökologische Landwirtschaft viel zu teuer sei, ist aus Sicht des Wissenschaftlers zu kurz gedacht: „Der Klimawandel bedroht unsere Lebensweise, er bedroht sie wirklich massiv. Nehmen wir mal an, der Meeresspiegel steigt um sieben bis 15 Meter, dann würden wir viele Großstädte an den Küsten nicht mehr halten können, wir könnten es nicht bezahlen. Es wird auf lange Sicht unermesslich teuer. Wenn wir jetzt kurzfristig argumentieren, dass wir uns bei den Preisen der ökologischen Tierhaltung nicht mehr jeden Tag ein Steak auf den Teller legen können, dann wird uns das teuer zu stehen kommen. Man kann, wenn man sich einschränkt, gut und sogar gesünder leben, zum Beispiel durch vegetarische oder vegane Ernährung. Das sehe ich bei unseren Studierenden immer häufiger.“

In unserer Reihe #münsterklima21 zum "World Environment Day" veröffentlichen wir bis zum 5. Juni, dem Weltumwelttag, täglich um fünf vor zwölf Interviews mit sehr unterschiedlichen Experten, in denen wir der Frage nachgehen, wie sich der Klimawandel im Münsterland auswirkt. Ihr findet alle Beiträge gebündelt unter diesem Link #münsterklima21
Michael Bührke

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