Mannheims attraktivste Antwort auf Pegida: Bülent Ceylan – Haardrock

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Ceylan in der ausverkauften Halle Münsterland. (Foto: sg)
Ceylan in der ausverkauften Halle Münsterland. (Foto: th)

Noch bevor die eigentliche Show anfing, ließ Bülent Ceylan Gutes von sich hören: Die ersten 100 Gäste hatten zu Beginn des Einlasses die Möglichkeit, Autogramme des beliebten Comedians zu ergattern. Der folgende Showbeginn ist fulminant: Mit Feuerwerk, schottischer Dudelsackmusik und Lichtshow betritt Bülent Ceylan unter dem Jubel seiner Fans die Bühne – und es sind viele gekommen. Die Show ist ausverkauft und es sind längst nicht nur Münsteraner da. Bülent fragt quasi die Nationalitäten seiner Fans ab und präsentiert sich als Türken („Kanake“), seinen Roadie Ali als Libanesen und „den Polen“ für Licht und Technik. So macht er zwischendurch immer wieder deutlich: Ist eigentlich egal, welcher Herkunft man ist, solange man gemeinsam Spaß hat. Auch wenn Bülent Ceylan nicht gerade für politisches Kabarett bekannt ist, so gibt es immer wieder kleine Seitenhiebe in Richtung Pegida bzw. rechtes Gedankengut. Mit Wortspielen und Klischees à la „Seid ihr auf der richtigen Seite? – Was hab ich da eigentlich gerufen – Gott sei Dank bin ich nicht in Dresden! – Ich bin gar kein Moslem. Ich bin Buddhist!“ bricht er humorvoll die Erwartungen seiner Zuhörerschaft und bringt andererseits genau das, wofür er geliebt wird.

Bülent Ceylan als Erfolgsmodell der gegenwärtigen Migrationsgeschichte: Er schafft den Spagat zwischen Türken auf der einen und schnitzelessendem Deutschen auf der anderen Seite. Kein Klischee wird ausgelassen – auch nicht, wenn es um Frauen und Männer geht. Dabei setzt er auch immer seinen Sexappeal ein; so als er den Schottenrock umständlich gegen eine Hose eintauscht und kurzzeitig die Unterhose sichtbar wird oder zwischenzeitlich, wenn er in der Darstellung des Hassans seinen Bizeps präsentiert.

Bülent Ceylan gibt die Frittengabel im Schottenrock. (Foto: th)
Bülent Ceylan gibt die Frittengabel im Schottenrock. (Foto: th)

Aber er hat seine Hausaufgaben gemacht – er weiß, dass er in Münster ist, der Fahrradhauptstadt. Und fällt ihm vielleicht auch der hochdeutsche Zungenschlag schwerer als der heimische Dialekt aus „Monnhem“, so kokettiert er immer wieder damit und erteilt Nachhilfe in Sachen deutsche Dialekte. Die passenden Ausgehtipps für Münster lässt er sich auch gleich geben – Auswärtigen dürfte das „Schwarze Schaf“ nun auch ein Begriff sein.

Ob als Single Harald, als modebewusste Anneliese, als Türkenproll Hassan oder als Mompfred – der Jubel des Publikums ist ihm sicher: „Ich hab das Gefühl, in Münster brauche ich gar keinen Text, nur ein Fahrrad!“ Zwischen Zweideutigkeiten und Flirts mit dem weiblichen Publikum bindet er immer wieder die anwesenden jüngeren Fans mit ein, so z. B. wenn er Sophie und Paul auf die Bühne holt und mit ihnen headbangen im „Angela-Merkel-Style“ praktiziert.

Tatsächlich baut er so etwas wie Medienkritik ein, wenn er gutgemeinte Ratschläge an junge Mädchen gibt, ihre Nacktbilder nicht wie viele vermeintliche Vorbilder im Internet zu posten. Oder wenn er Bushidos ernste Absichten in Sachen Integration anzweifelt: „Wenn der mal wieder einen Bambi braucht“. Nach einem bunt gemischten Abend, aus dem sich jeder etwas Politik, etwas Medienschelte und viel Spaß nehmen konnte, schließt er sein Hauptprogramm mit ungewöhnlich ernsten und bescheidenen Tönen, wenn er singt: „Ich weiß, was ich bin und das ist nichts Besonderes.“ Sein Publikum sieht das anders und dankt es mit Jubel und Applaus.

 

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