Mammutprojekt „Festival der Demokratie“ Vom 2. bis zum 10. Oktober will das Stadtensemble Münster „die Kultur, das Leben und die Demokratie hochleben lassen“

Carola von Seckendorff und Cornelia Kupferschmid präsentieren ab 2. Oktober das „Festival der Demokratie“. (Foto: Ralf Clausen)
Carola von Seckendorff und Cornelia Kupferschmid präsentieren ab 2. Oktober das „Festival der Demokratie“. (Foto: Ralf Clausen)

Vom 2. bis zum 10. Oktober lässt das Stadtensemble Münster bei seinem Mammutprojekt „Festival der Demokratie“ die Kultur, das Leben und die Demokratie hochleben. Mit Theater, Konzerten und Lesungen bis Diskussionsrunden, Performance oder Kabarett locken über 70 beteiligte Künstler und Vortragende ins Pumpenhaus, in die Stadtbücherei, ins LWL-Museum für Kunst und Kultur und an andere Orte der Stadt.

Im Herbst 2018 zog das Theaterexperiment „24 Stunden Münster“ die Kulturfreunde der Stadt in seinen Bann: auf vier verschiedenen Bühnen haben damals mehr als 50 Bühnenkünstler von allen Theatern der Stadt und aus der Freien Szene jeweils ein 24-stündiges Programm präsentiert. Zwei Jahre später wollten die Initiatorinnen Carola von Seckendorff und Cornelia Kupferschmid mit dem „Festival der Demokratie“, doch 2020 war das aus bekannten Gründen nicht möglich. Doch nun wird dieses Projekt mit unglaublich vielen Beteiligten und ihren unterschiedlichen Ansätzen nachgeholt: vom 2. bis zum 10. Oktober können wir mit ihnen auf vielfältige Weise die Demokratie feiern.

Die bei der ursprünglichen Planung nicht voraussehbaren Entwicklungen haben nicht nur den Spielplan, sondern sicher hier und da auch die Inhalte beeinflusst. „Corona hat (…) alle anderen demokratie- und menschheitsgefährdenden Vorgänge fast gänzlich von der Agenda und aus den Medien verdrängt und eine Spaltung und Polarisation hervorgebracht, die wir so noch nicht kannten“, schreiben die Veranstalterinnen in ihrem Grußwort zum Programm, „wenn wir das Festival der Demokratie am 2.10.2021 eröffnen, werden wir viel erlebt, überlebt und hoffentlich heil überstanden haben. Neben dem fortschreitenden und überall spürbaren Klimawandel sind wir global alle durch mehrere Wellen hindurch tüchtig durchgeschüttelt und anhaltend beschädigt worden. Die Pandemie hat gezeigt, wie verletzlich und angreifbar wir als Menschen sind, als Gemeinschaft, als Nationen.“

Umso mehr freuen sie sich, nicht nur das Festival endlich nach einem Jahr Verzug zu eröffnen, sondern es erscheint ihnen „sogar dringend notwendig, die Demokratie als bestmögliche aller Staatsformen mehr denn je zu feiern, aber auch intensiv zu befragen. Wir hoffen sehr, dass wir bis dahin auch schon wieder ein wenig näher zueinander rücken und wir durch die Künste hindurch wieder in einen analogen Dialog treten können. Denn das ist die Keimzelle der Demokratie: der Dialog.“

Henning Venske talkt beim „Festival der Demokratie“ mit Adam Riese. (Foto Bernd Brundert)
Henning Venske talkt beim „Festival der Demokratie“ mit Adam Riese. (Foto Bernd Brundert)

Die meisten Veranstaltungen finden im Pumpenhaus statt. An den Wochenenden 2./3. Oktober und 9./10. Oktober sind jeweils von Samstag, 16 Uhr bis Sonntag nach 23 Uhr unterschiedlich lange Aufführungen zu erleben, von Theaterszene bis Konzert, von Lesung bis Diskussionsrunde, von Performance bis Kabarett. Eröffnet wird der Reigen mit dem „Monolog über die Freiheit“ von Carolin Emcke, dargeboten von Carola v. Seckendorff und Cornelia Kupferschmid. Weitere Programmpunkte sind zum Beispiel die Meinungsverweigerungsperformance „Aber man wird doch noch!“ von und mit Tilman Rademacher, Songs des 20. Jahrhunderts von Friedrich Hollaender und Comedian Harmonists bis Fehlfarben und Ideal mit dem Trio CONJAK (Christiane Hagedorn, Martin Scholz und Dieter Kuhlmann) unter dem Titel „Der Schoß ist fruchtbar noch…“ oder die Lyrische Video-Performance „Wie schreibt man Dähmukrati?“ von und mit Studierenden der Universität Münster. Eine besonders schöne Idee wird jeweils ab Mitternacht umgesetzt: Unter dem Titel „Jam das Grundgesetz!“ soll tatsächlich zu einzelnen Grundgesetzartikeln musiziert werden! „Eine für alle offene, interdisziplinäre Jamsession“, verspricht das Programmheft und lockt mit den Worten: „wer mitjamt zahlt keinen Eintritt, bitte eigene Instrumente mitbringen“.

Einer der Höhepunkte an den Samstagabenden im Pumpenhaus wird „Rieses kleiner Talk“ sein, zu dem Talkmaster Adam Riese jeweils ab 20:45 Uhr einen politisch denkenden Menschen eingeladen hat. Am 2. Oktober wird Udo Lielischkies, der einstige ARD-Hauptstadtstudioleiter in Moskau Irrwitziges über den Kreml und das Leben in Russland erzählen. Und am 9. Oktober kommt der Kabarettist Henning Venske. Der 82jährige hat sich längst von der Bühne verabschiedet, macht aber für das Festival der Demokratie eine Ausnahme. Beide Gespräche werden live in Gebärdensprache übersetzt.

Ein weiterer Höhpunkt wird die Performance „Frauen. Brand. Rede. Nein. Schrei!“ am Sonntag ab 12:45 Uhr sein. Im letzten Jahr hatten Anja Kreysing (Musik und Sound) und Carola v. Seckendorff (Textfassung und Regie) ihre Collage aus politischen Reden und Aussagen von Frauen aus verschiedenen Jahrzehnten noch coronakonform an verschiedenen Plätzen in Münster als Aufzeichung aufführen wollen, was dann doch verschoben wurde oder ausfiel. Nun ist die Performance live im Pumpenhaus zu erleben.

Die Politikerin und Publizistin Marina Weisband ist am 5. Oktober bei der Podiumsdiskussion „Demokratie 2.021ff. – Wie wollen wir unsere Demokratie gestalten“ zu Gast. (Foto: Marina Weisband)

Zwischen den beiden kommenden Wochenenden im Pumpenhaus finden weitere Programmpunkte zum „Festival der Demokratie“ an anderen Orten statt. So ist von Montag bis Donnerstag (4. bis 7. Oktober) und am Sonntag, 10. Oktober jeweils von 20.30 bis 22.00 Uhr am Zwinger an der Promenade die Licht- und Klang-Installation „Maßnahmen zur Verteidigung der Demokratie“ zu erleben. Roland Bauer, Peter-Paul König und Peter Kücking „setzen sich in ihrer Licht- und Klanginstallation mit den Annahmen und Werten auseinander, auf denen die Demokratie gebaut ist, auf die sie baut – und der Wirklichkeit, in der wir leben“, wie es auf der Homepage zum Festival heißt. Im LWL-Museum für Kunst und Kultur können zwei Diskussionen zur Gestaltung der Demokratie verfolgt werden: Am Donnerstag (7.10.) spricht der Journalist Jürgen Wiebicke um 19.30 Uhr zum Thema Freiheit und Verantwortung. Und am Dienstag (5.10.) kommen ab 19.30 Uhr Klaus Brinkbäumer (Autor und ehemaliger Chefredakteur des „Spiegel“), Georgine Kellermann (WDR-Journalistin), Moritz Piepel (Mitglied des Jugendrates der Generationen Stiftung) und Marina Weisband (Politikerin, Publizistin) bei der Podiumsdiskussion „Demokratie 2.021ff. – Wie wollen wir unsere Demokratie gestalten“ ins Gespräch, moderiert vom Journalisten Ralf Heimann.

Weitere Veranstaltungsorte sind die Stadtbücherei (Ausstellung zum fotografischen Brief-Projekt „Dear Israel“ von Marieke Fritzen sowie der Monolog „Name: Sophie Scholl“ von Rike Reiniger am 7. Oktober ab 19.30 Uhr), das Cinema („Der Ordner“, Filmvorführung mit Nachgespräch)und die Studiobühne („Uprising“ – Filme und Hörtracks zur Frage, wie die Unterdrückung einer Demokratiebewegung auf den Einzelnen einwirkt). Das Junge Theater Münster nutzt sogar den Stadtraum Münster (für die Performance „Wir sind laut!“ mit der Klasse 4a der Bodelschwinghschule) und den Instagram-Kanal des Festivals der Demokratie (für das Rechercheprojekt „Wir sind hier!“).

Die meisten Aufführungen im Pumpenhaus sind auf etwa eine Stunde angesetzt, manche auch kürzer. Die Tickets zu 5 Euro (ermäßigt 3, Support 15 Euro) gelten mal für einzelne Programmteile, mal für Pakete aus 2 oder 3 davon und für manche ist auch der Eintritt frei. Genauere Infos und Links zur Buchung sind unter https://festival-der-demokratie.org/programm zu finden.

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Ralf Clausen

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