Johannes Oerding beim Stadtfest – ein Verriss. Nicht.

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Der Auftritt von Johannes Oerding war gleichzeitig das große Finala des Stadtfestes. (Foto: th)
Der Auftritt von Johannes Oerding war gleichzeitig das große Finala des Stadtfestes. (Foto: th)

Dramatische Musik auf der Bühne am Domplatz, wo kurz zuvor noch die Gewinnerinnen des Voice-of-Münsterland-Wettbewerbs standen, Nebelschwaden ziehen hoch und in Riesenlettern steht der Name des Mannes an der Bühnenrückwand geschrieben, der nun die Bühne betritt: Johannes Oerding.

Die Musik wechselt in flotte Takte über, der Mann am Mikro bringt auch bereits die ersten Eisbrecher: „Ich freu mich so hier zu sein, bei diesem wunderschönen Sommerwetter bei 37 °C und wünsche in den folgenden acht Stunden viel Spaß – ich habe jetzt schon Spaß!“ Und das glaubt man ihm, denn zu dem Zeitpunkt sieht es bei 18 °C zwar eher trüb regnerisch aus, aber das hält weder Band noch Publikum ab.

Mit Und wenn die Welt folgt eins der älteren Lieder des Sängers, was begeistert mitbeklatscht wird und das Publikum wippt freudig mit, aber Oerding geht auf Nummer sicher: „Ihr müsst drauf achten: es ist noch etwa ‛ne Dreiviertelstunde hell, das heißt: Ich kann euch sehen – auch, wenn ihr gähnt!“ Dabei ist diese Befürchtung doch völlig unbegründet, Oerding spielt und scherzt, was das Zeug hält, spricht auch nach dem nächsten Lied wieder mit dem Publikum, erzählt ein wenig aus seiner Biographie, dass er zwar in Münster geboren, aber am Niederrhein aufgewachsen sei. Und weiter geht’s im Programm und man denkt noch, jetzt würde es melancholisch, weil er ankündigt, dass der nächste Song jemanden gewidmet sei, den er seit seinem 14. Lebensjahr kenne und der auch hinten im Backstagebereich auf ihn warte … mitnichten: Nie wieder Alkohol ist einem Gesöff gewidmet, zu dem die Band offenbar immer noch einen guten Draht hat.

Der Mann, der noch nie seinen Namen in so großen Lettern gesehen hat: Johannes Oerding. (Foto: th)
Der Mann, der noch nie seinen Namen in so großen Lettern gesehen hat: Johannes Oerding. (Foto: th)

Dafür wird es beim Stück Immer wieder vom aktuellen Album wieder etwas beschaulicher, aber nicht zu lange, denn der Künstler erzählt von der Entstehungsgeschichte des folgenden Liedes, das der unliebsamen Kritik eines Redakteurs nach einem Konzert in Bayern geschuldet sei. Und stellt mit Blick auf sein Bestechungsangebot für potentielle Kritiker mit Bier humorvoll fest: „Was die FIFA kann, kann ich schon lange – man nennt mich auch den Sepp Blatter der Popmusik!“

Traurig aber wahr enthält wie angekündigt eine Klatsche für tatsächliche oder auch nicht reelle Neider, aber ist keineswegs eine verbitterte Retourkutsche, sondern eher ein witziges, mit einem Augenzwinkern vorgetragenes Sammelsurium an Missgeschicken und Niederlagen. Und währenddessen versteht er es wieder den Draht zum Publikum zu kriegen, baut noch kurz ein paar Unterhaltungen mit Kindern in seine letzte Strophe und als Oerding zum letzten Mal zum Refrain ansetzt, singt das Publikum für ihn zu Ende.

Johannes Oerding unterhält sichtlich gut gelaunt das Publikum. (Foto: th)
Johannes Oerding unterhält sichtlich gut gelaunt das Publikum. (Foto: th)

Man könnte fast meinen, dass er früher als Animateur gearbeitet hat – so leicht fällt ihm der Umgang mit der Menge, denn einfach nur stehen und zuhören scheint nicht in Frage zu kommen, also wird zum Mitmachen aufgefordert und das Publikum macht mit: Geht in die Hocke, springt hoch, reißt die Arme hoch – der Spaß ist offensichtlich.

Aber Oerding will nicht alle Lorbeeren für sich alleine kassieren und so stellt er während des folgenden Mini-Medleys seine Band vor: Eine deutsche Variante von Bruno Mars’ Uptown Funk gemischt mit Song 2 von Blur dient als Vorlage für lauter verbal geäußerte Zuneigungsbekundungen: Erwiesenermaßen ist jedes Bandmitglied das Schönste der Band und auch von Anbeginn dabei. Gegen Viertel vor 10 kommt der allseits erwartete Hit des aktuellen gleichnamigen Albums, Alles brennt. Auch so nähert sich das Konzert dem Ende, Oerding kündigt seinen Song Heimat an und greift nochmal seine persönliche Vita auf, dass er durch seine vier Geschwister, die allesamt in Münster studiert hätten, einen Bezug zu der Domstadt habe: „Ich hab dich immer bei mir.“ Ein sympathischer Singer-Songwriter eben, der zum Anfassen ist. Hoffentlich bewahrt sich Johannes Oerding seine lockere, bodenständige Art.

Mehr Bilder, auch von den anderen Bühnen, findet ihr in unserer Fotostrecke vom Sonntag. Wer es noch nicht getan kann, kann hier unser Interview mit Johannes nachlesen.

 

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