Im Zeichen der Abrissbirne Deichkind zerlegen die Halle Münsterland

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Deichkind in der lange ausverkauften Halle Münsterland. (Foto: Markus Hauschild)
Deichkind in der lange ausverkauften Halle Münsterland. (Foto: Markus Hauschild)

Konzert, Klamauk, Kindergeburtstag. Das Hamburger HipHop-Elektropunk-Kollektiv lud am Dienstagabend zu einem zweieinhalbstündigen Party- und Tanzmarathon inklusive Konfettiregen, Bierdusche und T-Shirtbefeuerung aus der überdimensionierten Textilkanone. 5.500 Zuschauer eskalieren hierzu komplett: Willkommen in der Spektakelwelt von Deichkind.

Zunächst einmal gab es minutenlang leicht verstörend anmutende Bilder auf der großen Projektionswand mit Blick in Richtung Bühne zu sehen. Der nackte Theaterschauspieler und Deichkind-Bandbuddy Lars Eidinger wird mittels einer Kran-Konstruktion kopfüber an seinen Füßen baumelnd immer wieder in blaue Farbe getunkt und gestaltet so als eine Art „menschlicher Pinsel“ das anschließend als Hintergrundbild auftauchende Bühnen-BackUp zum Opener des Abends, „Keine Party“. Im Laufe der folgenden 30 (!) Songs gibt es eine atemlos anmutende Mischung aus immer wieder stattfindenden Kostümwechseln, buntgekleidetem Straßentheater, minutiös aufeinander abgestimmten Tanz-Choreographien, Street-Art und variabel verschiebbaren Bühnenelementen.

Immer dabei: das Bad in der Menge. (Foto: Markus Hauschild)
Immer dabei: das Bad in der Menge. (Foto: Markus Hauschild)

Was mitunter improvisiert aussieht, unterliegt einer schlau durchdachten und in seiner visuellen Wirkung völlig überzeugenden Performance, die sich Deichkind-“Impresario“ Henning Besser als visueller Kreativdirektor im Hintergrund ausgedacht hat. Philipp Gütering und Sebastian „Porky“ Dürre performen hierzu als MC`s ihren Sprechgesang als vokale Hauptprotagonisten mit LED-Pyramidenhüten, werden hierbei von bis zu fünf weiteren Sängern unterstützt. Deichkind bedienen sich an Alltagssprache wie Dadaismus, lieben Floskeln und ordnen das rhetorische Chaos nach ihren eigenen Gesetzen: Im anarchischen Reigen dieser zwischen den Polen „Ballermann-Sprech“ und Feuilleton-Anspruch variierenden Reizüberflutung der Sinne entwickelt der Abend sein komplettes Eigenleben. „1000 Jahre Bier“, „Cliffhänger“, „Richtig Gutes Zeug“, „Bude Voll People“ oder „Quasi“ als aktuelle Songs des siebten Studioalbums „Wer Sagt Denn Das?“ wechseln sich ab mit Klassikern der Marke „Bück Dich Hoch“, „Arbeit Nervt“ und „Leider Geil“.

(Foto: Markus Hauschild)

Zwischendrin gibt es immer mal wieder klangliche Zitate von so unterschiedlichen Acts wie Madonna, Michael Jackson, Shootingstar Billie Eilish oder auch Frankie Goes To Hollywood. Ob der Ritt im großen Holzfaß durchs Publikum bei „Kein Bier Für Nazis“ oder der Gummireifen-Kissenschlacht-Zugabenteil von „Krawall & RemmiDemmi“ – diese hanseatische Truppe hat den Hedonismus zum Hauptelement ihres kurzweiligen Entertainments erkoren. Kreativ, phantasievoll, grandios in Darbietung und Perfektion und mit einer klaren Botschaft auf dem finalen Bühnenbanner: „Gute Nacht, Kinder!“

Wir sehen uns wieder.

Fotostrecke: Deichkind (25.02.20)

 

 

Frank Möller

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