„Gralshüterinnen des Rock’n’Roll“ Interview mit Thundermother zu ihrem Konzert am 2.Juli im Jovel

Thundermother-Sängerin Guernica Mancini in Aktion. (Foto: Carsten Pöhler)
Thundermother-Sängerin Guernica Mancini in Aktion. (Foto: Carsten Pöhler)

Das schwedische Frauenquartett ist nicht nur konzerttechnischer Dauergast in Münster, als eine der wenigen Bands weltweit trotzen die vier Skandinavierinnen der Coronapandemie und spielen weiter fleißig Liveshows – mit Hygieneauflagen und Sicherheitsabstand zum Publikum. Der Tourkalender 2021 ist prall gefüllt bis zum Ende des Jahres, am letzten Freitag eröffneten Thundermother die diesjährigen Liveshowsaison im neugestalteten Außenbereich des Jovel vor rund 200 sitzenden, dennoch aber regelrecht ausgehungert wirkenden Rockfans.

Kurz vor dem Konzert gab die Band Auskunft über ihren ungebrochenen Durchhaltewillen, auch im Rock’n’Roll-Ausnahmezustand weiterhin auf den Bühnen der Welt stehen zu wollen.

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Hallo und guten Abend, Girls of Thundermother: „We fight for Rock’n’Roll“ ist so etwas wie Eure selbstgewählte bandinterne Attitüde, in diesen weltweiten Krisenzeiten weiterhin Liveshows spielen zu wollen. Seid Ihr als Band auch nach 15 Monaten Corona nach wie vor motiviert, unter den geltenden Hygieneauflagen mit entsprechendem Abstand zu Eurem Publikum aufzutreten?

Natürlich sind wir nach wie vor motiviert, da die Liveshows ja genau das sind, was wir als Band lieben zu tun. Obwohl das Publikum bei den Shows auf den Plätzen bleiben muss, möchten wir es nicht missen, in Gesichter zu schauen und Menschen physisch zu erleben. Unser Management hat es uns als hart arbeitendes Kreativteam im Hintergrund ermöglicht, unter Beachtung sämtlicher Auflagen, weiterhin Liveshows spielen zu können. Dafür sind wir sehr dankbar.

Seitenwechsel: Blick von der Bühne in den Biergarten des Jovel. (Foto: Carsten Pöhler)

Dieses „Nicht-aufgeben-wollen“ scheint ja so etwas wie ein roter Faden in der Karriere von Thundermother zu sein: Als Filippa (Gitarristin Filippa Nässil, Anm. der Red.) 2017 plötzlich über Nacht ohne Band dastand, mußte es ja auch irgendwie weiterlaufen. Wie lief es nach diesem Worst-Case-Scenario weiter?

Zuerst war es natürlich ein ziemlicher Shock, dass die Band personell nur noch aus meiner Person bestand. Dann realisierte ich aber nach und nach, dass ich mit der bis dahin existierenden Bandkonstellation nicht wirklich zufrieden gewesen bin und sich etwas ändern mußte. Mit der jetzigen personellen Zusammensetzung von Thundermother und insbesondere mit Guernicas (Sängerin Guernica Mancini, Anm. der Red.) Position am Mikro bin ich mehr als zufrieden und wir arbeiten als Team entsprechend gut zusammen.

Also habt ihr dieses „Rock’n’Roll-Desaster“ (was ironischerweise der Titel Eures ersten Albums ist) entsprechend gut überstanden?

Ja, das haben wir – und es fühlt sich besser als jemals zuvor an… nun können wir die Rock’n’Roll-Welt gemeinsam erobern!

Nach dieser Reset-Version 2.0 und Eurem damaligen selbstbetitelten Album „Thundermother“ von 2018 und insbesondere mit dem aktuellen Werk „Heat Wave“ gab es ja dann auch einen ziemlichen Karriereschub, was Eure weltweite Popularität anging. Ihr bekamt immer mehr mediale Aufmerksamkeit, die Show-Venues wurden größer und immer mehr Fans nahmen von Euch als Band Notiz. Unterm Strich ist also aus einer eigentlich negativen Situation etwas Neuartiges und vor allem Positives entstanden….

Rückblickend betrachtet sieht es genau so aus. Es war für uns niemals eine Option, die Band komplett aufzugeben. Also hat sich das Schicksal gefügt, wir sind uns im richtigen Moment begegnet, haben die personelle Zusammensetzung von Thundermother nochmal auf ein anderes Level gehoben. Der damit Hand in Hand gehende Anstieg unseres Erfolges scheint diese schicksalhafte Richtungsänderung ja nur zu bestätigen. Insofern folgte auf einen dunklen Schatten der Bandgeschichte ein ziemlicher Lichtblick!

Thundermother-Gitarristin Filippa Nässil beim obligatorischen Ausflug ins Publikum (Foto: Carsten Pöhler)

Man könnte Eure oldschoolige Version des Classic Rock oder Hardrock – welche von „alten“ Bands wie etwa AC/DC, Motörhead, Van Halen oder auch Joan Jett beeinflußt ist – als leicht anachronistisch bezeichnen. Erreicht man damit im Zeitalter der sozialen Medien überhaupt ein jüngeres Publikum? Oder anders gefragt: Spielen Events wie Livekonzerte, spielt generell Rockmusik bei dieser Zielgruppe (noch) eine Rolle?

Definitiv! Wir erreichen mit unserer Musik über Kanäle wie YouTube eine ganze Reihe jüngerer Menschen, was wir etwa an Kommentaren zu unseren Videos festmachen können. Und auch auf unseren Liveshows ist die Zusammensetzung des Publikums altersmäßig sehr gemischt. Wir möchten als Band so bekannt werden, wie es uns möglich ist und benutzen dabei sowohl den Weg der sozialen Medien als auch unsere physische Livepräsenz, um mit und bei unseren Fans im Gespräch zu bleiben. Und ja, zu unseren Shows kommen Fans aus allen Altersklassen.

In einigen Magazinen bezeichnet man Eure Musik als „weibliche Version“ von Bands wie AC/DC oder gar als Gralshüterinnen des Rock: Könnt Ihr mit solcherlei Vergleichen gut leben?

Das ist natürlich eine große Ehre für uns, mit einem unserer Haupteinflüsse verglichen zu werden!! Sich in solcherlei klanglichen Fußabdrücken zu bewegen, fühlt schon gut an… Von dieser Sichtweise aus gesehen, betrachten wir einen solchen Vergleich als großes Kompliment.

Danke für das Interview. Wir freuen uns auf Eure Show!!

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In unserer Fotostrecke zeigen wir euch noch weitere Bilder von dieser Show am 2. Juli:

Fotostrecke: Thundermother Konzert am Jovel (02.07.21)

 

 

Frank Möller

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