Im Interview mit den Autoren der Münster Tatorte

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Stefan Cantz (lI.) und Jan Hinter schreiben die Münster Tatorte (Foto: privat)
Stefan Cantz (li.) und Jan Hinter schreiben viele Bücher für die  Münster Tatorte (Foto: privat)

Hallo Jan Hinter und Stefan Cantz! Kurze Frage vorab: Du oder Sie? 

„Uns egal. „Du“ klingt jugendlicher. Wir sind zusammen ja gemeinsam erst 120 Jahre alt.“

Wie habt ihr beiden euch kennengelernt?

 „Am 7. November 1979 um 21.35 Uhr am Tresen der Gaststätte „Türkenhof“ in München-Schwabing.“

 Wie kamt ihr zum Tatort?

JH: „Auf Grund meiner langjährigen Produzententätigkeit bei der Bavarian Film, wo ich unter anderem den Schimanski und Köln-Tatort betreut habe.“

SC: „Meistens mit dem Bus.“

Vom Drehbuch bis zum Film – wie müssen sich unsere Leser das vorstellen? Wer beauftragt wen womit?

 „Der Sender die Produktionsfirma, die Produktionsfirma die Autoren und die gegebenenfalls ihren Ghostwriter in einem Billiglohnland.“

Der Münsteraner Tatort wird häufiger als Klamauk und überdrehter Slapstick bezeichnet. Euer Statement dazu?

„Grundsätzlich: Wer die bleierne Tragik des Lebens und die Schwermut des Seins sucht, sollte beim Münster Tatort besser umschalten. Wir teilen aber keinesfalls die Einschätzung, „klamaukig” zu schreiben. Unsere Münster Drehbücher können da nicht gemeint sein.“

 Seid ihr selber schon in Münster gewesen? Wenn ja, schweben euch beim Schreiben schon gewisse Motive / Bilder vor? Könnt ihr „Wünsche“ an den Regisseur weitergegeben?

„Ja, selbstverständlich waren wir dort. Der Sender hat uns damals immerhin eine 23-stündige Recherchereise mit Übernachtung in einer Frühstückspension nicht unweit der Stadtgrenze spendiert. Klar, haben wir da Bilder und Motive im Kopf, die wir sogar dem Regisseur vorschlagen dürfen, sofern wir ihn überhaupt einmal treffen. Aber aus Budgetgründen darf halt nicht zuviel Münster im Münster-Tatort drin sein. Wo Münster-Tatort drauf steht, muss nicht immer Münster drin sein.“

Neben Thiel & Boerne gibt es beim Tatort noch zahlreiche andere Ermittler-Teams. Schaut ihr Tatort? Wer sind die Lieblingsermittler?

JH: „Ich mag die Kölner Kollegen, wenn das Drehbuch von uns ist und finde es schade, dass es das Duo Król / Kunzendorf nicht mehr gibt. Wenn die Wiener dran sind, schalte ich immer ein. Ansonsten nur gelegentlich. Sonntags läuft leider meistens Golf parallel zum Tatort auf Sky.“

SC: „Ich schaue nie Tatort. Nicht einmal die eigenen. Zuviel Klamauk und Slapstick.“

Was stammt noch aus eurer Feder – bleibt Zeit für weitere Projekte? Was habt ihr früher gemacht?

„Einiges. Bis auf echte Tragödie so ziemlich jedes Genre. Darunter sicher auch manches, über das man lieber den Mantel des Schweigens legt. Aber Google vergisst leider nichts.“

Wie kann es sein, dass Nadeshda Krusenstern nach über 10 Jahren noch immer Kommissars-Anwärterin ist?

„Das haben wir uns auch schon gefragt, da sollten wir etwas tun.“

Gibt es einen privaten Bezug zu Münster? Wenn ja, welchen?

SC: „Meine Ex-Frau hatte dort während ihres Studiums ihre letzte schöne Zeit.“

Kann man sagen, wie lange es dauert, ein Tatort-Drehbuch zu schreiben?

„Von der Idee bis zur drehfertigen Vorlage kann das schon mal ein Dreivierteljahr dauern. Was aber nicht bedeutet, dass wir dafür während dieser Zeit 12 Stunden täglich am Schreibtisch sitzen müssen.“

Wo könnt ihr, räumlich gesehen, am besten schreiben?

„Jeder in seinem stillen Kämmerlein, mit einem Sicherheitsabstand von dreißig Kilometern“.

Gibt es eine „Arbeitsteilung“ untereinander beim Schreiben?

Ideenfindung und Bauplan der Geschichte gemeinsam in endlosen, nervenaufreibenden Streitgesprächen. Wer gerade die bessere Nerven hat, bringt das Ganze dann in Prosaform auf 10 bis 15 Seiten. Wenn diese dann vom Produzenten und Sender abgenickt sind, macht sich der eine oder andere daran, die erste Buchfassung zu schreiben, wobei natürlich der andere immer noch seinen Senf dazu gibt. Früher haben wir jede Zeile gemeinsam vor dem Computer ausgebrütet, was aber auf die Dauer dem Betriebsklima nicht unbedingt zuträglich war. Seither heißt es getreu nach Helmuth Graf von Moltke d.Ä.: ‚Getrennt Marschieren, vereint Zuschlagen‘.“ 

Heißen Dank für eure Zeit!

 

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