„Alter Wein in neuen Schläuchen“ Hafenmarkt: Offener Brief an die Ratsparteien / Ablehnung der neuen Pläne gefordert

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Die Großbaustelle am Hansaring. (Archivbild: Katja Angenent)
Die Großbaustelle am Hansaring. (Archivbild: Katja Angenent)

In der kommenden Woche wird der Rat der Stadt entscheiden. Hafencenter, Hafenmarkt, Hafenmarkt mit Markthalle – in den letzten Monaten gab es immer wieder diverse Änderungen an den Konzeptionen für das Großprojekt am Hansaring. Die neueste soll am Mittwoch beschlossen werden. In einem offenen Brief an die Ratspolitiker wird allerdings die Ablehnung der angepassten Pläne gefordert.

Zuletzt hatten die Investoren Stroetmann einen Vorschlag der SPD aufgegriffen, mit dem ein klassischer „Regal-Supermarkt“ vom Tisch zu sein scheint. Vielmehr soll die Warenpräsentation in sogenannten Themeninseln und Marktständen erfolgen, wie es in der vergangenen Woche hieß. Auch wolle man besonderen Wert auf die „Produktqualität und -vielfalt legen“ sowie „auf eine Regionalität im Bereich Obst & Gemüse“. In das Sortimentskonzept sollen auch externe Betreiber integriert werden.

Das Stadtplanungsamt hat die Beschlussvorlage für einen Aufstellungsbeschluss daraufhin angepasst, die dem Rat am 11. Dezember zur Entscheidung vorgelegt werden soll. „Die Stadtverwaltung begrüßt die nun vollzogenen Änderungen des Hafenmarktes und empfiehlt in der Vorlage, das Verfahren einzuleiten“, teilte die Stadt Münster mit. Doch auch dieser Vorschlag trifft nicht überall auf Zustimmung. Während die CDU bei den neuen Plänen mitgehen wird, werden die GRÜNEN weiterhin dagegen stimmen, weil deren Parteibasis mit deutlicher Mehrheit den Ausbau des Einzelhandels am Hansaring ablehnt. Auch für die ansässigen Hafenvereine hat das angepasste Konzept weder Hand noch Fuß. In einem offenen Brief an die SPD-Ratsfraktion, den auch weitere Initiativen und einige Anwohner unterzeichnet haben, fordern sie die Ablehnung der neuen Beschlussvorlage.

So soll die Markthalle im Hafenmarkt aussehen. (Skizze: Stroetmann)
So soll die Markthalle im Hafenmarkt aussehen. (Skizze: Stroetmann)

„Jetzt soll auf Vorschlag der SPD eine Markthalle anstatt eines Supermarktes errichtet werden, wobei die einzigen Markthändler die Stroetmanns sind.“ Auch die Verkaufsfläche sei gleichgeblieben, heißt es in dem Schreiben, das auch unserer Redaktion vorliegt. Eine solch große Verkaufsfläche rechne sich aber nur, wenn auch Kundschaft außerhalb des Quartiers bedient würde. Dies werde „zwangsläufig zu einem höheren Verkehrsaufkommen und damit auch zu mehr Lärm und Abgasen im Hansaviertel führen“. Außerdem wird beklagt, dass es weiterhin kein Verkehrskonzept gibt. Der neue Vorschlag sei ungeeignet, weil er „keine neuerlichen Lösungskonzepte für den Verkehr im Hansa-Hafenviertel liefert, keinesfalls die Lärmbelastung der Anwohner mindert und darüber hinaus die völlig ausreichende Einzelhandelsstruktur im Viertel in eine Schieflage bringt.“ Im Gegenteil: die jetzige Darlegung einer sogenannten Lösung sei in Wahrheit „alter Wein in neuen Schläuchen“.

Stattdessen wird eine komplett neue Planung mit „Wohnen statt Einkaufen“ empfohlen. „Bei dem Vorschlag, mehr Wohnungen auf das Gelände vom geplanten Hafencenter zu planen, geht es nicht einfach um eine Aufstockung“, betonen die Hafenvereine in dem Schreiben. „Wir haben immer gesagt, dass anstelle des geplanten E-Centers Wohnungen gebaut werden sollen; nicht auf das E-Center, sondern anstatt des Centers. Das ist in der bisherigen Diskussion immer durcheinander gebracht worden.“ Bei diesem Modell müsse Stroetmann das Gelände unter Umständen wieder an die Stadt oder einen anderen Investor abgeben. Der Vorteil sei, dass so schnell wie möglich mit der neuen Bauplanung begonnen werden könne, vorausgesetzt der Eigentümer spiele mit.

Werde dem jetzigen Antrag am Mittwoch im Rat stattgegeben, droht Rainer Bode von der „Initiative Zukunft Hafen“ neben weiteren Einwänden auch mit neuen Klagen, die ein Vorankommen auf der Baustelle deutlich verzögern würden. „Wir wollen keine Bauruine, wir wollen nichts an die Wand fahren“, versichern die Unterzeichner des offenen Briefes allerdings: „Wir wollen, dass so schnell wie möglich weiter gebaut werden kann. Das setzt aber voraus, dass im Sinne der Bürger im Viertel eine Lösung gefunden wird.“

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