Der Modfather im Jovel: Paul Weller

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Emotionen und Präzision bei einem Konzert, bei dem alle bestens aufeinander abgestimmt sind. (Foto: sg)

Das Jovel ist nicht ganz ausverkauft, aber davon lassen sich weder das Publikum noch der britische Sänger beeindrucken und so geht es um kurz vor halb neun mit White Sky aus seinem aktuellen Album Saturns Pattern knackig los. Paul Weller ist kein Mann vieler Worte, nach den ersten vier Liedern gibt es eine kurze Begrüßung „Nice to be here“ und später einige Grußworte auf Deutsch; immerhin ist der letzte Besuch in Münster 12 Jahre her. Umso mehr Elan verwendet er auf seine Musik. Überhaupt sind dem Mittfünfziger, der 2013 noch zum bestgekleideten Mann gewählt wurde, seine Jahre nicht anzumerken – anderthalb Stunden spielt er locker durch, tauscht beim titelgebenden Song Saturns Pattern seinen Platz mit dem Pianisten und wechselt ebenso selbstverständlich den Stil zu eher souligen Stücken. Obwohl er durch und durch Mod ist, sind Pop, Rock und Soul, aber auch Indie in verschiedenen Songs wiederzuerkennen – nicht umsonst berufen sich Britpop-Größen wie Oasis und Blur auf ihn. Aber auch Reminiszenzen an die Sixties sind unverkennbar, wenn mit psychedelischem Sound und Echohall gearbeitet wird – Pink Floyd und The Doors lassen grüßen.

Nach knapp anderthalb Stunden ist das eigentliche Konzert vorbei, aber das Publikum lässt nicht locker und holt mit Applaus und Jubel die Band für eine erste Zugabe zurück auf die Bühne. Mit These City Streets geht es erstmal etwas besinnlicher zu, doch nur, um direkt darauf bei Foot of the Mountain wieder beherzt in die Saiten zu greifen und das Publikum mit Gitarrensoli zu begeistern. Das tanzt oder schwingt je nach Art des Songs gerne mit, jubelt und klatscht dem Künstler zu.

Paul Weller wäre aber sicher nur halb so gut, ohne seine Musiker, die ihn begleiten. Diese erhalten völlig zu Recht eine ausführliche Vorstellung, welche auf das Ende des Abends hindeutete – aber weit gefehlt. Tatsächlich erscheint er noch zwei weitere Male für Zugaben und klatscht und pfeift seinem Publikum und seiner Band zu, wie als ob er sich für die jahrelange Treue bedanken wolle. Mit The Changingman bringt er einen weiteren Song aus den Anfängen seiner Solokarriere; seine Fans danken es ihm und so gibt es zur Belohnung tatsächlich den alten Klassiker Town Called Malice aus seiner Zeit bei The Jam, den er erstmals auf seiner diesjährigen Tournee als Zugabe spielt. Als Sahnehäubchen hätte Wild Wood noch kommen müssen, aber insgesamt gut 2 Stunden Unterhaltung und 23 Songs – davon können sich so manche älteren Recken noch eine Scheibe abschneiden. Fazit: 56 und kein bisschen leise!

 

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