
Wenn am 15. August Tausende Menschen zum Christopher Street Day (CSD) durch Münster ziehen, wird die Polizei mit mehr Kräften vor Ort sein als ursprünglich geplant. Hintergrund ist der mutmaßliche Anschlag am Rande des Berliner CSD am vergangenen Wochenende. „Wir haben den Kräfteansatz jetzt schon erhöht“, sagt Antonia Linnenbrink, Pressesprecherin der Polizei Münster, im Gespräch mit ALLES MÜNSTER.
Grund sei unter anderem das Unsicherheitsgefühl vieler Menschen nach den Ereignissen in Berlin. Zugleich nennt sie einsatzpraktische Gründe. Die Polizei wolle „präsent vor Ort sein und für den Schutz der Versammlung sorgen“. Der CSD habe für die Polizei einen hohen Stellenwert. „Die Menschen sollen sich sicher fühlen.“
Polizei bewertet Lage fortlaufend
Ob nach dem mutmaßlichen Anschlag am Rande des Berliner CSD für den CSD in Münster eine besondere Gefährdung besteht, könne sie weder bestätigen noch widerlegen, sagt Linnenbrink. Die Polizei führe bei Versammlungen regelmäßig Gefährdungsbewertungen durch und richte ihre Maßnahmen an den jeweiligen Erkenntnissen aus. Nach dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin schaue die Polizei natürlich besonders sensibel auf die Entwicklung.

Eine absolute Sicherheit könne es bei öffentlichen Veranstaltungen allerdings nicht geben. „Eine hundertprozentige Sicherheit können wir nie garantieren“, betont Linnenbrink. „Wir versuchen aber unser Bestmögliches, um Gefahren so gering wie möglich zu halten.“
Vertrauensarbeit nach der tödlichen Attacke auf Malte C.
Die tödliche Attacke auf Malte C. beim CSD in Münster im Jahr 2022 habe auch innerhalb der Polizei Veränderungen angestoßen. In Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der queeren Community sei deutlich geworden, dass viele Menschen der Polizei mit Vorbehalten begegneten.
„Wir haben dann eben gemerkt, dass das Vertrauen seitens der Community einfach gar nicht groß ist, dass da super krasse Vorbehalte und auch Ängste bestehen“, sagt Linnenbrink. Deshalb habe sich die Polizei entschieden, „aktiv Vertrauensarbeit mit der Community durchzuführen“.
Unterstütze unsere Arbeit
Unser Lokaljournalismus ist dir mehr wert als nur ein Like? Jetzt spenden!
Seitdem stehe die Polizei im regelmäßigen Austausch mit der queeren Community. Einmal im Jahr findet ein runder Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern der queeren Community statt. Darüber hinaus gebe es einen engen Austausch mit den Organisatoren des CSD. Ziel sei es, Vertrauen aufzubauen und die Anliegen der Community ernst zu nehmen.
Nach Einschätzung der Polizei zeigen diese Gespräche Wirkung. „Ja“, sagt Linnenbrink auf die Frage, ob sich das Verhältnis verbessert habe. Zugleich sei klar: „Die werden natürlich auch weiter durchgeführt. Da ist man nie am Ende. Es gibt ja auch immer neue Herausforderungen.“
Dienstunterricht für mehr Sensibilität
Auch innerhalb der Polizei habe sich der Umgang mit dem Thema verändert. Einsatzkräfte würden inzwischen gezielt für den Umgang mit queeren Menschen sensibilisiert. „Wir haben auch neuerdings Dienstunterricht, um für das Thema zu sensibilisieren“, berichtet Linnenbrink. Dabei gehe es unter anderem um Sprache und darum, wie Menschen unbeabsichtigt verletzt werden könnten. Offen zu sein, reiche allein nicht aus. Vielmehr müsse die Polizei bereit sein, „einen Schritt auf die Menschen zuzugehen“, weil viele queere Menschen bereits Diskriminierung erlebt hätten.
Queerfeindliche Straftaten nehmen landesweit deutlich zu
Dass die Polizei das Thema verstärkt in den Blick nimmt, zeigt auch ein Blick auf die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen und bundesweit. Nach Angaben des Landeskriminalamts NRW stieg die Zahl der registrierten queerfeindlichen Straftaten von 86 Fällen im Jahr 2022 auf 284 Fälle im Jahr 2025. Bundesweit wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts im vergangenen Jahr 2.377 queerfeindliche Straftaten registriert – fast doppelt so viele wie noch drei Jahre zuvor.

Auch unabhängige Beratungsstellen beobachten diese Entwicklung. BackUp NRW und die Opferberatung Rheinland dokumentierten für 2025 insgesamt 54 queerfeindlich motivierte rechte Gewalttaten in Nordrhein-Westfalen. Diese Zahlen sind allerdings nur eingeschränkt mit der Polizeistatistik vergleichbar, da sie nach anderen Kriterien erhoben werden.
Für Münster selbst könne die Polizei keine belastbare Entwicklung benennen. Queerfeindliche Straftaten würden innerhalb der politisch motivierten Kriminalität erfasst und seien im Einzelfall nicht immer eindeutig zuzuordnen. „Landesweit hat es aber auf jeden Fall einen Anstieg gegeben“, sagt Linnenbrink.
- Aasee kämpft erneut mit Blaualgen - 7. August 2026
- Rock, Freundschaft und Gänsehautmomente - 2. August 2026
- <span class="entry-title-primary">„Die Menschen sollen sich sicher fühlen“</span> <span class="entry-subtitle">Reaktion auf mutmaßlichen Anschlag in Berlin / Mehr Polizeikräfte beim CSD in Münster</span> - 27. Juli 2026
- Mit ALLES MÜNSTER zu Münsters schönsten Stadtparks - 15. August 2026
- Wenn der Mond die Sonne verfinstert - 13. August 2026
- Ein seltenes Himmelsereignis - 9. August 2026
