„Zuerst Melodie oder Text?“ Jörg Thadeusz talkte auf WDR2-Tour in Münster mit Joris, Nico Santos und Sven Regener

Jörg Thadeusz begrüßte Joris, Nico Santos und Sven Regener bei der WDR2-Tour in Münster. (Foto: Thomas Hölscher)

Am Samstag machte Jörg Thadeusz mit seiner WDR2-Tour Station in Münster und empfing die Musiker Joris, Nico Santos sowie Sven Regener mit seiner Band Element of Crime zu einem Abend mit Musik und Talk im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Das Ganze wurde für die Ausstrahlung im Radio und im Internet-Fernsehen veranstaltet. Karten für das Live-Erlebnis gab es nirgendwo zu kaufen, sondern nur zu gewinnen, unter anderem auch bei uns.

Element of Crime präsentierten drei neue Lieder ihres neuen Albums „Schafe, Monster und Mäuse“. (Foto: Thomas Hölscher)

Kann man heutzutage noch ein Publikum mit einem zweistündigen Talk über das Musikmachen unterhalten? Offenbar ja, denn keiner der gut 300 Zuschauer hat das Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur vorzeitig verlassen. Beifall, Gelächter und gelegentlicher Jubel ließen sogar darauf schließen, dass sie sich gut unterhalten fühlten. Dabei fragte Moderator Jörg Thadeusz seine Gäste nicht nach persönlichen Geschichten oder irgendwelchen Geheimnissen aus, sondern stellte die Musik in den Vordergrund. „Wie schreibt ihr ein Lied? Zuerst die Melodie oder den Text?“ wollte er zum Beispiel wissen. Da zeigte sich schnell, dass sie alle ähnlich ticken, obwohl Sven Regener eine ganze Generation von Joris und Nico Santos trennt. Sie alle beginnen mit der Melodie und höchstens einer Idee für den Titel, der Text kommt zuletzt.

Nico Santos stammt wie alle Gäste dieses Abends aus Bremen, ist aber auf Mallorca aufgewachsen. (Foto: Thomas Hölscher)

Ganz unterschiedlich war aber, an welchen Dingen sie irgendwann gemerkt haben, dass sie mit ihrer Musik erfolgreich sind. Bei Element of Crime war es ein langer Prozess. Von der ersten Platte, 1986 noch auf Englisch, verkauften sie gerade mal 800 Stück, verriet Sven Regener. Der einzige Traum war damals, einmal das „Loft“ in Berlin ausverkauft zu bekommen. Bei Nico Santos ging es deutlich schneller, allerdings schreibt und produziert er hauptsächlich für andere, ganz unterschiedliche Interpreten, wie Bushido oder Prinz Pi, Roland Kaiser oder Helene Fischer. Für ihn war es ein Erfolg, als sich letztes Jahr der DJ Robin Schulz bei ihm meldete, um gemeinsam ein Lied aufzunehmen, nachdem er vorher jahrelang vergeblich versucht hatte, ihm etwas anzubieten. Als Thadeusz die Frage an Joris richtete, ob er schon mal zur Musik von Element of Crime geknutscht hätte, wurde es Sven Regener allerdings zu viel. Schließlich liefere er „keine Beipackzettel“, was die Leute machen sollen, wenn sie seine Musik hören. Und außerdem: „müssen sich alle dauernd küssen? Immer dieses Geschlabber…“ Regener zeigte, dass er von allen auf der Bühne das lockerste Mundwerk hat, und haute einen zitierwürdigen Satz nach dem anderen raus.

Joris stellte mit „Signal“ und „Glück auf“ zwei neue Lieder vor. (Foto: Thomas Hölscher)

Gefehlt hat leider Namika, weil sie kurzfristig erkrankt ist, wie Thadeusz dem Publikum kurz vor der Übertragung verraten hatte. Es war deutlich herauszuhören, dass viele ehrlich bedauerten, die Sängerin der Radiohits „Lieblingsmensch“ und „Je ne parle pas français“ hier nicht live zu erleben. Live-Musik gab es zwischendurch aber mit allen anwesenden Gästen. Sven Regener spielte mit seiner Band Element of Crime drei herbstlich getönte Lieder vom neuen Album „Schafe, Monster und Mäuse“, das am 5. Oktober erscheinen wird. Dann kommt auch die neue Scheibe „Schrei es raus“ von Joris auf den Markt, von dem er zwei Stücke vorstellte, nachdem er mit einer ruhigeren Version seines größten Hits „Herz über Kopf“ begonnen hatte. Nico Santos setzte schließlich das um, was viele von ihm immer wieder gewünscht hatten, auch beim Talk im LWL-Museum: er sang auch mal auf Spanisch und Deutsch, statt nur auf Englisch. Und zum Abschluss begleite er sich allein am Klavier zu einer Akustik-Version seines bisher größten Hits als Sänger, „Rooftop“.

Nicht nur am Ende, sondern auch zwischendurch bedachten die begeisterten Zuschauer die Musik- und Talk-Show mit einem stürmischen Applaus, so dass Jörg Thadeusz schhließlich feststellen konnte, Münster hätte „Schwerte als Euphorie-Hotspot in NRW abgelöst“. Vor dem Beginn hatte er noch alle darauf eingeschworen, bloß nicht hinter diesem bisherigen Stimmungs-Höhepunkt der diesjährigen WDR2-Tour zurück zu fallen. Für alle Fälle wollte er gelegentlich und völlig zusammenhanglos den Namen der Ruhrgebietsstadt erwähnen, was er dann aber nur einmal tun musste. Das Publikum in Münster weiß eben, was ihre Radiostars hören wollen.

Alle Lieder und auch den gesamten Talk könnt ihr euch noch bis zum 29.10.2018 über diesen Link zu wdr.de ansehen und anhören, und zwar komplett oder auch in einzelnen Teilen. 
Ralf Clausen

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