Wie Tiere mit ihrer Umwelt umgehen Neue Ausstellung am LWL-Museum für Naturkunde wurde an Unis Münster und Bielefeld entwickelt / FH Münster mit studentischen Spielprojekten beteiligt

Designstudentin Helen Ophei testet die Medienwand, die sie gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Josefin Hemker und Informatikstudent Philipp Pfaffenrot entwickelt hat. (Foto: FH Münster/Jana Schiller)

Alle Möwen am Aasee sind gleich? Nicht unbedingt. Auch im Tierreich unterscheiden sich Individuen und ihre Reaktionen auf Umweltbedingungen sind deshalb oft verschieden. Im LWL-Museum für Naturkunde in Münster könnt ihr ab Dienstag (20.4.) in der neuen Sonderausstellung „Tierisch Individuell“ herausfinden, welche Umwelt Tiere wählen, wie sie sich an die Umwelt anpassen und diese zum eigenen Vorteil verändern.

Das Besondere an der Ausstellung des Sonderforschungsbereichs Transregio 212 der Universität Bielefeld, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster: Es werden nicht nur Unterschiede zwischen Tierarten, sondern zwischen Individuen einer Art untersucht.

In der kleinen Sonderausstellung begleiten die Museumsgäste auf 100 Quadratmetern die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bei ihrer Arbeit: als Verhaltensbiologin in der Antarktis Seebärenbabys erforschen, als chemische Ökologin das Anpassungspotenzial von Blattwespen beobachten oder als Verhaltensforscher beobachten, wann Bussarde das elterliche Revier erlassen. An echten Forschungsprojekten zeigt das Museum, wie Individuen verschiedener Tierarten mit ihrer Umwelt umgehen. „Ich freue mich, dass wir hier Grundlagenforschung leicht verständlich für alle erklären können“, sagt Dr. Jan Ole Kriegs, Direktor des LWL-Museums für Naturkunde.

Das Grashüpferspiel der Studierenden Philipp Bozdere (auf dem Foto) und Vivien Verley mit technischer Unterstützung von Jan Pascal Rehm wird mithilfe eines Eingabestifts am Bildschirm bedient. (Foto: FH Münster/Jana Schiller)

Ein Tippen auf den Bildschirm genügt und schon schnellt eine Froschzunge vom unteren Monitorrand nach oben – knapp daneben, der anvisierte Grashüpfer rettet sich mit einem Sprung zur Seite. Springt das nächste Insekt wieder nach rechts, um seinem Räuber zu entkommen? „Das müssen die Besucher selbst herausfinden“, erklärt Prof. Tina Glückselig vom Fachbereich Design der FH Münster, der Münster School of Design. Gemeinsam mit ihrer FH-Kollegin Prof. Dr. Kathrin Ungru vom Fachbereich Elektrotechnik und Informatik sowie Biologin Dr. Ruth Jakobs von der Universität Bielefeld hat sie insgesamt drei studentische Spielprojekte zur ökologischen Nische betreut, die nun Teil der Sonderausstellung „Tierisch individuell – Wie Tiere mit ihrer Umwelt umgehen“ sind.

„Grashüpfer unterscheiden sich deutlich in ihren Strategien, um sich vor Feinden in Sicherheit zu bringen. Einige nutzen eine vorhersehbare Strategie, indem sie zum Beispiel bei Gefahr immer in eine bestimmte Richtung flüchten. Andere entkommen unvorhersehbar, also jedes Mal anders“, beschreibt Jakobs den wissenschaftlichen Hintergrund des Spiels, in dem Nutzer in die Rolle eines Frosches auf Grashüpferjagd schlüpfen. Um die von ihr koordinierte Ausstellung um eine interaktive und spielerische Komponente zu ergänzen, initiierte sie die Kooperation mit der FH Münster. „Ein Game-Seminar war sowieso geplant“, erklärt Glückselig. „Die Einbettung in eine Ausstellung war eine tolle Möglichkeit für die Designstudierenden, anwendungsnah Projekte zu entwickeln und einige davon in die Praxis umzusetzen.“

Jakobs gab die drei ökologischen Themen vor: Neben dem Fluchtverhalten von Grashüpfern sollten die Studierenden die Populationsentwicklung von Seebären und den Umgang einer weiteren Tierart mit äußeren Umwelteinflüssen anschaulich und leicht verständlich für Laien aufbereiten. Die jeweils überzeugendsten Spielkonzepte wurden in die Tat umgesetzt. „Die Designer*innen erarbeiteten von Projektbeginn an gemeinsam mit den Informatiker*innen, wie die Games am Ende funktionieren und aussehen sollen. Zum Schluss setzten sie die Medienstationen ebenfalls gemeinsam um“, beschreibt Ungru die Zusammenarbeit.

Über die Individualität von Tieren spricht Prof. Dr. Oliver Krüger im Online-Vortrag des LWL-Museums für Naturkunde. (Foto: privat)

Zur Einstimmung auf die Ausstellung bietet der LWL einen kostenlosen Online-Vortrag an. Den halten Prof. Oliver Krüger (Biologe und Professor für Verhaltensökologie an der Universität Bielefeld) und Prof. Joachim Kurtz (Biologe am Institut für Evolution und Biodiversität der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) am Montag (19.4.), um 19.30 Uhr, über den YouTube-Kanal des Museums. Wer hätte gedacht, dass die Färbung des Feuersalamanders so individuell ist wie ein Fingerabdruck? Wer hätte vermutet, dass Mäuse verlässlich in Optimisten und Pessimisten eingeteilt werden können und dass Seelöwen unterschiedliche Tauchstrategien benutzen? Diese und andere Beispiele beleuchtet der Vortrag ebenso wie die dahinterstehende Variation an Mechanismen, die diese Vielfalt hervorbringt. Ob nun hormonelle Beeinflussung, Effekte der Frühentwicklung oder das soziale Umfeld, all dies macht Tiere tierisch individuell.

Die Ausstellung ist vom 20. April bis zum 17. Oktober 2021 im LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster, zu sehen.
Geöffnet: dienstags bis sonntags von 9-18 Uhr
Eintritt: Kinder bis 17 Jahre frei, Erwachsene 7,50 Euro
Achtung! Ein Einlass ist nur nach vorheriger Anmeldung und Buchung einer Eintrittskarte sowie eines Zeitfensters möglich. Anmeldung und Buchung über das Online-Buchungssystem https://shop.ticketpay.de/organizer/E2LIXM7E/calendar.
Corona-Hinweis: Corona-bedingt kann es zur Veränderung der Öffnungszeiten oder Schließung des LWL-Museums kommen. Das Museum bittet alle Museumsgäste sich vorab über die Sozialen Medien und die Homepage des LWL-Museums zu informieren. Vor Ort sind die Hygienevorschriften zu beachten.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.