Vom Hai an der Wand und Fischsuppe auf dem Teller

Heidi Seemann mit ihrem Sohn Sebastian. (Foto: bk)
Heidi Seemann mit ihrem Sohn Sebastian. (Foto: bk)

Wer weiß, vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, hätte Ulli sich nicht ständig über die Bilder beschwert, die in der Wohnung herumstanden und denen er fortwährend ausweichen musste. Ulli, das ist der Lebensgefährte der Künstlerin Heidi Seemann. Und die wohnt nicht nur in der Wohnung, sondern fertigt dort im eigenen Atelier emsig Kunstwerke, zum Teil großformatig Öl auf Leinwand wie die Frau im Profil, deren Augenpartie ausgeschnitten und ersetzt ist durch eine Partie in Frontalansicht. Oder den Hai im blauen Ozean.

Seemann bemalt alte Buchdeckel, Umzugskartons, verleiht Bildern zusätzliche Tiefe durch eingepasste Scherenschnitte, arbeitet als Bildhauerin und hat einen Rohdiamanten entdeckt: Die Gaststätte Nobis Krug an der Warendorfer Straße 512 stand zur Vermietung. Dass das endlich ein Ort wäre, an dem sie ihre Kunstwerke präsentieren könnte, war ziemlich schnell klar. Doch was Seemann mit Hilfe von einigen Freunden aus diesem hässlichen Entlein geschaffen hat, kann man kaum beschreiben.

Heidi Seemann malt großformatig... (Foto: bk)
Heidi Seemann malt großformatig… (Foto: bk)

Viele Schichten Tapete sind entfernt worden, Mauerwerk und ein Stahlträger freigelegt, geschmackvolle Schals an den Fenstern aufgehängt worden. „Wir haben den Stoff mit alten Kaffeesäcken verlängert, weil die Räume so hoch sind,“ schmunzelt Seemans Freundin Andrea Wommelsdorf, die in der Innenstadt ein eigenes Einrichtungsgeschäft betreibt. Heidi Seemann wirkt glücklich und erleichtert, dass nach all der Arbeit ein solches Kleinod entstanden ist und erklärt auf der gestrigen Eröffnung gleich, dass sie nicht nur den Namen der Gaststätte erweitert habe, sondern gleich das ganze Angebot. „Ich liebe den Farbton Sepia. Außerdem gibt es da eine gewollte Mehrdeutigkeit. So habe ich an den bisherigen Namen „Nobis Krug“ noch „Sepia 5.12″ angehängt.“

Außerdem wollte sie nicht nur Bilder ausstellen, sondern auch das Restaurant erhalten. Anfangs habe sie Gespräche mit einem Italiener geführt, aber ziemlich schnell wieder abgebrochen. Zu verschieden waren die Vorstellungen. Auch die Zusammenarbeit mit einem Caterer oder hauptberuflichen Koch funktionierte nicht. Inzwischen aber gibt es eine Handvoll Freundinnen, die kochen. „Die gehen bewusst mit Lebensmitteln um, kochen alle anders,“ freut sich Seemann und ergänzt: „Deswegen haben wir auch keine Speisekarte – Hauptsache es schmeckt.“ Und dann erzählt Heidi Seemann so begeistert von dem Projekt, dass man sich dem nicht entziehen kann.

... oder klein auf Umzugskartons. (Foto: bk)
… oder klein auf Umzugskartons. (Foto: bk)

Inzwischen stellen einige Künstler im „Nobis Krug Sepia 5.12“ aus. Die Zusammensetzung wird sich immer wieder ändern, neue Künstler werden für ein paar Wochen ihre Werke präsentieren, andere wieder gehen. „Wir werden Kochkurse anbieten und vielleicht Aktzeichnen, wir werden Raum für Musik und Literatur bieten und auch einzelne Räume vermieten.“ Selbst ihren Sohn Sebastian hat Heidi Seemann gewinnen können. Der gelernte Hotelfachmann ist im Gastronomiebetrieb gut beschäftigt und wirkt gänzlich überzeugt. Nur Ulli sucht immer noch nach einem Konzept, aber der ist auch Steuer- und Wirtschaftsfachmann. Wer also Lust auf anderes Essen in besonderem, warmen und außergewöhnlichen Ambiente bei einer außergewöhnlichen Frau hat, der sollte den Weg zur Werse nicht scheuen.

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