Über 100 Stadtbäume von Stürmen zerstört Erfassung der Schäden in Wäldern dauert an / Nachpflanzung dauert bis zu zwei Jahre

Sturmopfer: An der Promenade ist ein Baum auf eine Hecke gestürzt. (Foto: Stadt Münster)
Sturmopfer: An der Promenade ist ein Baum auf eine Hecke gestürzt. (Foto: Stadt Münster)

100 bis 120 Stadtbäume in Münster haben im Februar den Stürmen „Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“ nicht standgehalten, so eine erste Bilanz aus dem Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit. „Die Bäume sind entweder direkt umgestürzt, umgeknickt – oder es sind Kronenteile ausgebrochen, sodass wir sie aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht erhalten konnten“, berichtet Andreas Lambert von der Fachstelle Stadtbäume.

Die Erfassung der Schäden in 575 Hektar Stadtwald ist noch nicht abgeschlossen. „Wir beseitigen zuerst umgestürzte Bäume an Wegen und Waldrändern. Zum Teil ist es im Wald noch zu nass für schwere Maschinen“, erklärt Hans-Ulrich Menke, Fachstellenleiter für Stadtbäume, Forst und Jagd im Grünflächenamt. Münster sei bei den Stürmen vergleichsweise glimpflich davongekommen, sagt er: „Wir hatten vereinzelt Schäden an Autos und Gartenanlagen, Zäunen und Garagen, aber es wurden zum Glück keine Personen durch umstürzende Bäume verletzt.“

„Die Stürme finden jeden beschädigten Baum“

Es sind nicht nur Wind und Sturm, die den rund 176.000 Stadtbäumen in Münster zusetzen. Zwei Sommer mit extremer Hitze, Trockenheit und intensiver Sonnenstrahlung, Schädlinge, Baumkrankheiten, Pilze und nicht zuletzt Baumaßnahmen schwächen sie. „Die Stürme finden jeden beschädigten Baum“, erklärt Menke.

So wie die in Münster seit 1980 häufig gepflanzte Tilia cordata  „Greenspire“, eine Sorte der Winterlinde. Nach zwei heißen, niederschlagsarmen und strahlungsintensiven Sommern kommt es nun vermehrt zu Rindenschäden. Die Rinde reißt auf und platzt regelrecht ab wie bei einem Sonnenbrand, wodurch die Wasser- und Nährstoffversorgung leidet. Vitalitätseinbußen, aber auch absterbende Bäume seien die Folge, berichtet Andreas Lambert. Das Bakterium Pseudomonas syringae macht hingegen den so beliebten Kastanien zunehmend Probleme. Jüngere Bäume sterben laut Hans-Ulrich Menke oft innerhalb weniger Jahre ab, stark befallene Altbäume werden zunehmend brüchig und müssen entfernt werden.

Holz wird erst später abtransportiert

Gefahrenstellen, die kürzlich durch die Stürme entstanden sind, haben die Baumpfleger der Stadt und beauftragte Firmen inzwischen beseitigt. Das Holz ist zum Teil aber noch nicht abtransportiert. „Alles, was unten liegt, ist erstmal ungefährlich und wird später abgeräumt“, sagt Lambert. Die Standorte umgestürzter Straßenbäume wiederherzurichten, ist nicht so einfach. „Die Wurzeln müssen mit Spezialgeräten herausgefräst werden. Dabei müssen wir darauf achten, dass keine Versorgungsleitungen beschädigt werden“, so Lambert. Außerdem muss für eine Belüftung der Wurzeln gesorgt und neues Bodensubstrat mit der alten Erde vermischt werden, damit kein „Blumentopfeffekt“ entsteht.

Rechnet man dann auch noch Lieferengpässe bei Baumschulen ein, können ein bis zwei Jahre vergehen, bis ein Standort wieder bepflanzt ist. „Spätaustreibende Eichen beispielsweise sind momentan nicht zu bekommen“, weiß Menke. Als Kosten entstehen bei den Straßenbäumen etwa 3000 bis 4000 Euro pro Nachpflanzung, denn der Neuling muss drei Jahre lang intensiv betreut werden. In Grünanlagen ist das Nachpflanzen etwas günstiger. „Die Sturmschäden sind für uns eine Riesenbelastung, denn wir hatten ohnehin schon freie Standorte“, sagt Lambert. Angesichts der zunehmenden Schadensereignisse durch den Klimawandel sind auch die Bäume in Münster zunehmend gefährdet und müssen resilienter gemacht werden.

Bild 1: An der Promenade ist ein Baum auf eine Hecke gestürzt. Foto: Stadt Münster

Bild 2: Eine stattliche Buche hat den Februar-Stürmen im Wald nicht standgehalten. Foto: Stadt Münster

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