Strampeln für „Essen to go“ Gewerkschaft NGG warnt vor prekären Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten

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Viele Fahrradkuriere arbeiten zu schlechten Bedingungen, kritisiert die Gewerkschaft NGG. Ihre Lage könnte sich im Zuge der Corona-Krise verschärfen. (Foto: NGG)
Viele Fahrradkuriere arbeiten zu schlechten Bedingungen, kritisiert die Gewerkschaft NGG. Ihre Lage könnte sich im Zuge der Corona-Krise verschärfen. (Foto: NGG)

Sie strampeln, damit bei anderen warmes Essen vor der Wohnungstür steht: In Münster könnten sich die Arbeitsbedingungen radelnder Essenskuriere im Zuge der Corona-Krise verschärfen. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

„Wenn Restaurants geschlossen und Kontakte eingeschränkt sind, bleibt oft nur das Bestellen bei den Lieferdiensten. Der ohnehin schon stressige Job als Essenskurier könnte noch anstrengender werden“, sagt Helge Adolphs von der NGG-Region Münsterland. Zwar fielen den sogenannten Plattformbetreibern wie Lieferando durch Restaurantschließungen auch Partner weg. Umso mehr dürften die Anbieter jedoch auf Gaststätten setzen, die weiterhin „Essen to go“ anbieten, so Adolphs.

Der Gewerkschafter fordert, auf die genaue Einhaltung der Hygiene-Standards zu achten: „Die Fahrer setzen sich gesundheitlichen Risiken aus. Die Anbieter müssen jetzt dafür sorgen, dass ausreichend Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel da sind. Die Essensübergabe sollte immer kontaktlos sein – genauso wie die Abholung im Restaurant.“

Die NGG appelliert an die Fahrer, Missstände nicht einfach zu akzeptieren. Auch wer den Lieferservice nur kurzfristig als Aushilfsjob mache, solle nicht alles hinnehmen. „Gegen die magere Bezahlung und den Stress beim Ausliefern helfen langfristig nur der Betriebsrat und die Gewerkschaft“, so Adolphs. Allerdings versuchten viele Lieferdienste, den Arbeitnehmervertretungen Steine in den Weg zu legen. „Der Getränke-Lieferdienst Flaschenpost etwa wollte in Nordrhein-Westfalen die Wahl von Betriebsräten verhindern. Doch die Beschäftigten haben sich zusammen mit der Gewerkschaft durchgesetzt. Flaschenpost scheiterte vor Gericht“, berichtet Adolphs.

Die Arbeitsbedingungen der Essens- und Getränkelieferdienste stehen seit längerem in der Kritik. Die Fahrer arbeiten für Stundenlöhne meist um die zehn Euro. Eine App schreibt ihnen Routen und Arbeitszeiten vor. Marktführer Lieferando hat seit dem Beginn der Corona-Krise nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 2.500 neue Restaurants hinzugewonnen. Gleichzeitig sollen jedoch Tausende Restaurants, die die Plattform nutzten, den Betrieb eingestellt haben.

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