Sport am seidenen Faden

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In der Hall Of Sports wird Artistik am Tuch trainiert. (Foto: ka)
In der Hall Of Sports wird Artistik am Tuch trainiert. (Foto: ka)

Die Hall of Sports ist ein großes Fitnessstudio am nördlichen Rand von Münsters City. Betritt man den geräumigen Bau, scheint es, als gäbe es keinen Fitnesstrend, der hier nicht vertreten ist: Neben klassischen Geräten zur Steigerung von Ausdauer und Kräftigung hängt auch ein Boxsack von der Decke, es gibt Slings und Kettlebells. Eine Anlage für Cagefitness steht ebenfalls bereit. Da passen die vier langen Tücher, die an einer Wand von der Decke hängen, gut ins Bild. Sie gehören zum FlyFit-Studio von Susanne Preissler, das hier seit Januar ein Zuhause gefunden hat. FlyFit – der Name verbindet Sport mit Fliegen. Ist das möglich? ALLES MÜNSTER hat kurzerhand die Probe aufs Exempel gemacht.

Im Zirkus oder auf Festivals kann man sie bewundern: Artisten, die scheinbar schwerelos an zwei Tüchern hängen, nur durch die Kraft ihrer Arme und Beine gehalten. In luftiger Höhe zeigen sie ästhetische Figuren und schwierige Kombinationen. Ein wenig erinnern die Bewegungen an Ballett, nur eben in der Luft. Schön sieht das aus – und sehr anspruchsvoll. Diese Artistik verlangt nicht nur viel Koordination, sondern auch Kraft im ganzen Körper. Klingt nach einem idealen, wenngleich ungewöhnlichen, Workout.

Bevor es ans Tuch geht, wärmen sich Trainerin Susanne Preissler (2.v.r.) und die Teilnehmer ordentlich auf. (Foto: ka)
Bevor es ans Tuch geht, wärmen sich Trainerin Susanne Preissler (2.v.r.) und die Teilnehmer ordentlich auf. (Foto: ka)

„Das hier ist sehr anspruchsvoll“, meint auch Olga, die an einem Dienstagabend zum dritten Mal beim Training dabei ist. Die sportliche junge Frau hat bereits verschiedene andere Sportarten ausprobiert, unter anderem Trampolin, aber „hier kann ich mir vorstellen, länger mitzumachen“. Olga ist motiviert und ehrgeizig, probiert gerne aus, was Trainerin Susanne ihr zeigt. Damit passt sie perfekt zur Profisportlerin, denn, so sagt Olga, „bei Susanne gibt es kein Limit, weil sie selbst zur Spitze ihrer Disziplin gehört und eine Vollzeitsportlerin ist.“

Dabei richtet sich das Training auch bewusst an Anfänger und Interessierte: „Zu Anfang brauchst Du nicht viel“, erzählt Susanne, „auch der Spaß am Tuch kommt von ganz allein.“ Einsteiger brauchen keine Angst vor der Deckenhöhe von sechs Metern zu haben: Man beginnt in sehr geringer Höhe direkt über einer weichen Matte. Der sympathischen Überzeugungstäterin geht es auch darum, dem noch jungen Fitnesstrend zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Neugierig geworden, steigen auch wir in die Tücher – und hängen mit Hilfe von Susanne binnen weniger Augenblicke frei in der Luft. Ein tolles Gefühl, das schnell süchtig machen kann.

Die Artistik am Tuch erfordert Kraft im ganzen Körper. (Foto: ka)
Die Artistik am Tuch erfordert Kraft im ganzen Körper. (Foto: ka)

Das Training an den Tüchern ist unabhängig von einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio, Susanne hat die Fläche im Studio separat angemietet. „Das ist natürlich ideal – hier gibt es Umkleiden, Duschen und alles, was man sich nur wünschen kann.“ Nachdem sie im letzten Jahr nach Münster gezogen war, suchte die professionelle Luftakrobatin zunächst vergeblich nach einer Trainingsmöglichkeit. Als sich dann herausstellte, dass hier keine passenden Einrichtungen vorhanden waren, beschloss sie kurzerhand, ihr eigenes Luftartistikstudio zu gründen. „Da trainiere ich, wann ich will, und kann meine Leidenschaft gleichzeitig noch an Interessierte weitergeben“, erzählt sie begeistert. Wenn sie mal nicht im Studio anzutreffen ist, verdient die ausgebildete Personal-Trainerin ihre Brötchen auf Firmenevents oder bei Abendveranstaltungen – am Tuch, versteht sich.

An jedem Wochentag wird abends in kleinen Gruppen von maximal sechs Personen trainiert. Interessierte können Ein- oder Mehrtageskarten erwerben, für Fortgeschrittene gibt es freies Training. Bleibt nur noch eine Frage beim Blick in die Mädelsrunde: Warum machen das eigentlich keine Männer? „Gute Frage“, meint Susanne und lacht, „ich glaube, die sind zu wehleidig.“ Denn seine Hände kann man sich bei einem unkontrollierten Abrutschen am Seil (das übrigens nicht aus Seide, sondern aus Polyester besteht) auch mal gehörig verbrennen. „Dabei ist das Interesse auch von Männern, zum Beispiel hier im Studio, durchaus vorhanden.“ Bei Gelegenheit möchte sie einen Einsteigerworkshop nur für Jungs geben.

Mehr zum Thema: flyfit-studio.de
Katja Angenent

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