Schwester Laudebertas Weg des Widerstands Ordensfrau informierte Bischof über Deportationen aus der Klinik Marienthal und warnte Angehörige / BV Münster-Mitte entscheidet über Schwester-Laudeberta-Weg an der Aa

Die Ordensschwester im Kreis ihrer Familie im Garten in Marienthal: (hinten,von links) Maria Balthesen geb. van Hal (Nichte), Johann van Hal (Bruder), Richard Balthesen (Ehemann von Maria Balthesen) und Schwester Laudeberta, vorne Johannes und Alfons Balthesen (Großneffen), wahrscheinlich aufgenommen im Jahr 1954. (Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen)
Die Ordensschwester im Kreis ihrer Familie im Garten in Marienthal: (hinten,von links) Maria Balthesen geb. van Hal (Nichte), Johann van Hal (Bruder), Richard Balthesen (Ehemann von Maria Balthesen) und Schwester Laudeberta, vorne Johannes und Alfons Balthesen (Großneffen), wahrscheinlich aufgenommen im Jahr 1954. (Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen)

Die Predigt in der Lambertikirche, in der Bischof Clemens August von Galen das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten am 3. August 1941 als Massenmord anprangerte, ist fest im Gedächtnis der Stadt Münster verankert. Die Ordensfrau, die dem Bischof die Informationen über die bevorstehende Deportation von Behinderten und psychisch Kranken zutrug, kennen nur wenige. Ein Fußweg an der Aa von der Straße Spiegelturm bis zur Petrikirche soll deshalb den Namen Schwester-Laudeberta-Weg bekommen. Die Bezirksvertretung Münster-Mitte entscheidet voraussichtlich am 22. März über die Vorlage, die auf eine Anregung aus der Bürgerschaft zurückgeht.

Schwester Laudeberta wurde am 18. Mai 1887 in Groenlo in den Niederlanden als Johanna van Hal geboren. Sie war in einem Krankenhaus in Bocholt tätig, bevor sie 1910 in den Orden der Barmherzigen Schwestern (Clemensschwestern) in Münster eintrat. Als Stationsleiterin in der westfälischen Provinzialheilanstalt Marienthal, der heutigen LWL-Klinik Münster, erfuhr sie von den Vernichtungsplänen des NS-Regimes.

Namensliste beim Putzen entdeckt

Krankenschwester Else Stumpe hatte beim Putzen im Büro eines leitenden Arztes eine Liste mit Namen von Patienten entdeckt, die in der kommenden Woche deportiert werden sollten. Sie schrieb diese ab und gab sie Schwester Laudeberta, die gezielt Angehörige ansprach und ihnen riet, ihre Patienten mit nach Hause zu nehmen. Im Schutz der Dunkelheit machte sie sich außerdem auf den Weg zu Bischof von Galen. Die Clemensschwester stand unter Beobachtung eines NSDAP-Ortsgruppenleiters, der Pförtner in Marienthal war. Wie viele Menschen die couragierte Ordensschwester retten konnte, ist nicht bekannt. Laudeberta blieb nach dem Zweiten Weltkrieg in Marienthal. Sie starb 1971 im Alter von 84 Jahren und ist wie alle Clemensschwestern auf dem Zentralfriedhof in Münster begraben.

Auf Laudebertas Widerstand gegen die „Euthanasie“-Verbrechen und ihren Einsatz für die Rettung psychisch kranker und behinderter Menschen machen elf Unterzeichnerinnen und Unterzeichner aus Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), katholischer Kirche, Geschichtswissenschaft und Stadtgesellschaft aufmerksam. Sie halten den Seitenweg an der Aa für besonders geeignet, denn „über diesen Weg muss Schwester Laudeberta durch den Hintereingang des Bischofpalais zu Bischof von Galen gelangt sein, um diesen über die bevorstehenden Deportationen von Patienten der Klinik Marienthal (…) zu informieren“, heißt es in ihrer Anregung.

Wenn die Bezirksvertretung die Benennung des Fußwegs im März beschließt, wäre keine Änderung von Adressen erforderlich. Der Weg ist im Eigentum der Stadt Münster, es sind keine Hausnummern zugeordnet.

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