„Widerliche und tief sitzende Hasstat“ Reaktionen auf queerfeindlichen Übergriff nach CSD / Erste Hinweise bei Polizei eingegangen

Nach dem CSD Münster wurde ein junger trans Mann schwerst verletzt. (Symbolbild: Jasmin Reghat)
Nach dem CSD Münster wurde ein junger trans Mann schwerst verletzt. (Symbolbild: Jasmin Reghat)

Der queerfeindliche Übergriff nach dem CSD am vergangenen Samstag löst in Münster große Bestürzung aus. Ein 25-jähriger trans Mann hatte sich nach dem Ständefest am Hafenplatz schützend vor mehrere Teilnehmerinnen gestellt, die von einem Unbekannten angegangen wurden. Daraufhin wurde der CSD Teilnehmer durch mehrere Faustschläge schwerst verletzt und liegt noch immer auf der Intensivstation des UKM.

„Wir waren schockiert, sprachlos und zugleich wütend über diese Tat“, heißt es vom KCM Schwulenzentrum Münster e. V. Der Vorsitzende Heiko Philippski spricht auf Anfrage unserer Redaktion von einer „widerlichen und tief sitzenden Hasstat“. Die CDU-Fraktion hat die Tat scharf verurteilt. „Die große Beteiligung am CSD ist einerseits ein ermutigendes Zeichen für die Toleranz, andererseits entsetzt die rohe Gewalt gegen einen Zeugen, der sich queerfeindlichen Übergriffen mutig entgegengestellt hat“, so CDU-Ratsherr Meik Bruns. Die CDU hofft, dass der Schläger gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden kann. „Der Angriff auf einen Teilnehmenden des CSD Münster erschüttert mich zutiefst“, ergänzt Oberbürgermeister Lewe und betont, Münster sei eine weltoffene, tolerante und bunte Stadt. „Wir brauchen jetzt umso mehr das Engagement der trans* Community und von Verbündeten gegen trans*feindliche Diskriminierungen und Gewalt“, sagt Sarah Braun, Leiterin des Amts für Gleichstellung, in dem es seit 2020 einen Arbeitsbereich LSBTIQ* gibt.

Solidarisch mit der Community

Fabian Schulz und Lena-Rosa Beste, Vorsitzende der SPD Münster, sprechen von einem Angriff auf die Freiheit und Selbstbestimmtheit: „Die Tat führt erneut vor Augen, dass der Kampf für die Rechte der LGBTIQ*-Community keineswegs ein ideologischer oder theoretischer ist, wie mitunter suggeriert wird, sondern dass es um den Schutz des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit aller ihrer Mitglieder geht.“ Auch Lia Kirsch, Fraktionsvorsitzende der SPD in Münster, zeigt große persönliche Betroffenheit: „An diesem Wochenende hat eine große Zahl an Menschen friedlich miteinander gefeiert und demonstriert, wie bunt Münster ist. Jedoch zeigen Diskriminierung und Gewalt immer wieder, dass wir noch lange nicht in einer Gesellschaft leben, die alle Menschen so akzeptiert, wie sie sind. Wir kämpfen solidarisch mit der Community dafür, dass sich das ändert.“

„Wir verurteilen diese Tat aufs Schärfste und sind mit unseren Gedanken bei der betroffenen Person“, so Joanna Delicaris, die queerpolitische Sprecherin der GRÜNEN und Jörg Rostek, Co-Sprecher der GRÜNEN in Münster. Die Gewalttat dürfe, so die GRÜNEN, den „erfolgreichsten CSD der vergangenen Jahre“, über 10.000 Menschen feierten gemeinsam, nicht überschatten. Die queere Gemeinschaft gebe einander Kraft und sei stärker als der Hass. Sylvia Rietenberg, Sprecherin der Grünen Ratsfraktion: „Dass es 50 Jahre nach der ersten deutschen Schwulendemo am Rande des CSD zu einer solchen Gewalttat gekommen ist, schockiert uns sehr.“

„Die Internationale Fraktion Die PARTEI/ÖDP setzt sich für eine offene, diskriminierungsfreie, interkulturelle Gesellschaft ein – mit dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens in Münster“, lassen sich die Ratsherren Lars Nowak, Michael Krapp und Georgios Tsakalidis in einer Medienmitteilung zitieren. Man stehe solidarisch hinter der queeren Gemeinschaft in Münster und behalte den vielfältigen und bunten CSD in Erinnerung. Das Einschreiten und Handeln des jungen Mannes verdiene Respekt und Anerkennung.

Hinweise bei Polizei eingegangen

Das Opfer, ein junger trans Mann und Mitglied der Selbsthilfegruppe TransIdent Münster, hatte nach gezielten Faustschlägen ins Gesicht das Bewusstsein verloren, war zu Boden gefallen und mit dem Hinterkopf auf den Asphalt geschlagen. Rettungskräfte brachten den 25-Jährigen ins UKM, hier wurde er wegen einer Hirnblutung notoperiert. Um den Gesundheitszustand des Opfers scheint es noch immer kritisch zu stehen, wie es auch aus dem Polizeipräsidium heisst.

Dort sind indes erste Hinweise eingegangen, die jetzt ausgewertet werden. Noch heute soll es außerdem Vernehmungen geben. „Daraus erhoffen die Ermittler sich sachdienliche Informationen zu dem Täter“, erklärte eine Polizeisprecherin auf Anfrage von ALLES MÜNSTER. Der Täter war vom Tatort am Albersloher Weg zu Fuß mit einem Begleiter in Richtung Siemensstraße geflüchtet. Zeugen beschrieben ihn als 1,70 bis 1,80 Meter großen 18 bis 20 Jahre alten Heranwachsenden mit schmächtiger Statur. Er war offenbar mit einer Jeans mit breit ausgestellten Beinen, einem T-Shirt und einem Anglerhut bekleidet. Sein Begleiter soll gleichen Alters, ebenfalls männlich und mit einem weißen T-Shirt bekleidet gewesen sein. Hinweise nimmt die Polizei weiterhin unter Tel. (0251) 275-0 entgegen.

Am Freitag (02.09.22) wird es um 18:00 Uhr eine Kundgebung vor dem Rathaus gegen Gewalt an queeren Menschen geben.

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