Gefährliche Verwechslung: Patienten kämpfen nach Pilzvergiftung gegen Organversagen

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Spezielles Dialyse-Gerät: Mittels des sogenannten MARS-Verfahrens ist es möglich, die Giftstoffe aus dem Blutkreislauf der Patienten zu filtern. (Foto: UKM)
Spezielles Dialyse-Gerät: Mittels des sogenannten MARS-Verfahrens ist es möglich, die Giftstoffe aus dem Blutkreislauf der Patienten zu filtern. (Foto: UKM)

Am Universitätsklinikum Münster (UKM) sind allein in den vergangenen Tagen vier Personen mit einer teils schweren Pilzvergiftung eingeliefert worden. „Drei der Patienten standen bzw. stehen vor einem akuten Leberversagen, darunter ein 16-Jähriger, den wir voraussichtlich nur mit einer Organtransplantation retten können“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Schmidt, Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin, die aktuelle Situation.

Auslöser der Vergiftungen sind sogenannte Knollenblätterpilze, die oftmals mit Champignons verwechselt werden. Der Verzehr kann zu extrem erhöhten Leberwerten führen, die in der Folge eine Blutgerinnungsstörung auslösen. „Die lebensbedrohlichen Gefahren von Giftpilzen sind nicht allen Sammlern bewusst“, weiß Schmidt aus den Fällen vergangener Jahre.

Patienten mit einer Pilzvergiftung werden am UKM mit der MARS-Dialyse (Molecular Adsorbents Recirculating System) behandelt, bei der das Blut an vier Membranen vorbeigeleitet und die Giftstoffe aus dem Körper herausgefiltert werden. Auf diese Weise wird die Leber entlastet, sodass diese sich selbst regenerieren oder ihre Funktion bis zur Transplantation überbrückt werden kann. „Bei einem am Sonntag eingelieferten 65-Jährigen, der kurz vor einem Leberversagen stand, war der Versuch der Regeneration erfolgreich“, erklärt Schmidt, dessen Team die Patienten gemeinsam mit Ärzten und Pflegenden der Klinik für Innere Medizin D (Allg. Innere Medizin sowie Nieren- und Hochdruckkrankheiten und Rheumatologie) und der Internistischen Intensivmedizin (Klinik für Kardiologie) versorgt. Auch der schwer vergiftete 16-Jährige wird derzeit dialysiert, ebenso seine Mutter. Drei weitere Mitglieder dieser Familie werden heimatnah in einem Krankenhaus versorgt. Die am Sonntag ins UKM mit eingelieferte Ehefrau des 65-Jährigen erlitt lediglich eine leichte Vergiftung.

Erste Anzeichen einer Pilzvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, auch Schwindel, Schweißausbrüche und Luftnot können Hinweise sein. „Diese Symptome müssen nicht sofort auftreten, sondern können sich auch erst nach sechs bis acht Stunden, in seltenen Fällen sogar noch später zeigen“, sagt Schmidt. Zwar können auch eine Pilzunverträglichkeit oder eine Lebensmittelvergiftung Auslöser sein, diese Symptome sollten aber in jedem Fall abgeklärt werden. Generell wird empfohlen, Pilze nur unter professioneller Anleitung zu sammeln, denn nicht jede Art ist für den Verzehr geeignet. Giftige Pilze lassen sich in vielen Fällen nur schwer von ungiftigen unterscheiden, zudem gibt es regionale Unterschiede im Vorkommen.

 

Die Giftnotrufzentrale für Nordrhein-Westfalen hat ihren Sitz in Bonn und ist rund um die Uhr telefonisch unter 02 28/1 92 40 zu erreichen. Homepage: www.gizbonn.de

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