PETA fordert Zuchtstopp für Menschenaffen Tierschutzorganisation erhebt Vorwürfe nach Tod von Orang-Utan-Weibchen Temmy im Allwetterzoo

Die Tierschutzorganisation PETA setzt sich für ein Ende der Menschenaffen-Haltung ein. Hier ein Archivbild aus dem Allwetterzoo. (Foto: Tessa-Viola Kloep)
Die Tierschutzorganisation PETA setzt sich für ein Ende der Menschenaffen-Haltung ein. Hier ein Archivbild aus dem Allwetterzoo. (Foto: Tessa-Viola Kloep)

Nach dem Tod des Orang-Utan-Weibchens Temmy im Allwetterzoo Münster erhebt PETA schwere Vorwürfe und fordert ein Ende der Haltung von Menschenaffen. Der Zoo widerspricht zentralen Punkten der Tierschutzorganisation.

Nach der Einschläferung des 44 Jahre alten Orang-Utan-Weibchens Temmy im Allwetterzoo Münster hat die Tierschutzorganisation PETA ein Ende der Gefangenschaftshaltung von Menschenaffen gefordert. Temmy war am Dienstagvormittag (14. April) eingeschläfert worden, der Zoo begründete dies mit gesundheitlichen Problemen und einer tiermedizinischen Abwägung.

PETA fordert Ende der Menschenaffen-Haltung

PETA spricht in einer Mitteilung von mehr als vier Jahrzehnten „unschuldig eingesperrt“ und kritisiert die Haltung grundsätzlich. „Zwar wurde Temmy besonders alt, aber sie musste all die Jahrzehnte in einem winzigen Zoo-Gehege fristen“, sagte Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA, wie es in einer entsprechenden Mitteilung heißt. Außerdem heißt es dort: „Orang-Utans können nicht tiergerecht in Gefangenschaft gehalten werden. Auch das Argument des Artenschutzes zählt nicht: Es ist nahezu unmöglich, im Zoo geborene Menschenaffen erfolgreich auszuwildern.“

Der Allwetterzoo Münster weist zentrale Aussagen zurück. Zur Entscheidung, Temmy einzuschläfern, teilte der Zoo mit: „Diese Entscheidung wurde nach sorgfältiger tiermedizinischer Abwägung getroffen und erfolgte ausschließlich zum Wohle des Tieres.“

Streit um Krankheitsursachen

Ein weiterer Konfliktpunkt ist die Einordnung von Atemwegserkrankungen. PETA schreibt: „Sie [Temmy] litt unter anderem an einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung. Derartige Atemwegserkrankungen sind eine der häufigsten Erkrankungen und Todesursachen bei Orang-Utans in Europa.“

Dazu erklärt der Allwetterzoo auf Anfrage von ALLES MÜNSTER, Temmy habe zwar eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung gehabt. Diese Erkrankungen träten jedoch weltweit bei Orang-Utans auf und seien, anders als PETA darstelle, kein rein europäisches Problem. Der Zoo verweist darauf, dass das Krankheitsbild auch bei Orang-Utans in Auffangstationen internationaler Naturschutzorganisationen vorkomme. Zugleich betont der Zoo, es gebe keine belastbaren Daten dazu, in welchem Ausmaß solche Erkrankungen bei in freier Wildbahn lebenden Populationen auftreten.

Außerdem widerspricht der Zoo der Darstellung, die Nasennebenhöhlenentzündung sei der Hauptgrund für die Einschläferung gewesen. Temmy habe aufgrund ihres hohen Alters verschiedene gesundheitliche Probleme gehabt. Die Entzündung sei eines davon gewesen, aber nicht der Hauptgrund für die Entscheidung und damit nach Darstellung des Zoos auch nicht todesursächlich.

Debatte über Haltung und Anlagen

Auch die Kritik an der Größe der Anlagen weist der Allwetterzoo gegenüber unserer Redaktion zurück. Es gebe strenge gesetzliche Anforderungen für die Haltung von Orang-Utans. Die Anlagen seien so gestaltet, dass sie vielfältige Bewegungs-, Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Zudem betont der Zoo seine Ausrichtung: „Der Allwetterzoo Münster steht für eine verantwortungsvolle, wissenschaftlich fundierte Tierhaltung sowie für ein umfassendes Engagement im Natur- und Artenschutz.“ Entscheidungen würden stets auf Grundlage tiermedizinischer, ethischer und fachlicher Kriterien getroffen, „mit dem Wohle der Tiere als oberster Priorität“. Man stehe hinter der Entscheidung im Fall Temmy und hinter der generellen Arbeit als Zoo. Gleichzeitig erkläre man sich offen für Austausch und „konstruktive Kritik“.

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