Nachhaltigkeit erlernen Netzwerk „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ Münster stellt sich vor

Das jüngste Treffen des BNE-Netzwerks fand im Allwetterzoo Münster statt. (Foto: Stadt Münster)
Das jüngste Treffen des BNE-Netzwerks fand im Allwetterzoo Münster statt. (Foto: Stadt Münster)

Bereits im Sommer 2020 wurde das Netzwerk „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) Münster gegründet. Wirklich bekannt ist es dennoch nicht. Eigentlich schade, hat das Netzwerk doch unter anderem schon einen Preis gewonnen. Am 12. September wird es seine erste Tagung in Münster ausrichten. Aber was genau es mit dem  auf sich hat, das können am besten Sarah Heinlein, die bei der Stadt Münster in der Fachstelle Nachhaltigkeit angestellt und für die Geschicke des Netzwerkes verantwortlich ist, und Jutta Höper, Leiterin der Fachstelle, erklären.

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Erstmal herzlichen Glückwunsch – wenn auch nachträglich. Die Stadt Münster wurde im Mai für ihre BNE-Bildungslandschaft ausgezeichnet. Würdet ihr einmal kurz erklären, wofür genau ihr 10.000 Euro bekommen habt?

Höper: „Die Deutsche UNESCO-Kommission uns, bzw. die Stadt Münster für ihr Engagement im Bereich BNE mit dem nationalen Preis „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Den insgesamt mit 100.000 Euro dotierten Preis haben die Deutsche UNESCO-Kommission gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in diesem Jahr erstmals an zehn Initiativen, Bildungseinrichtungen und Kommunen aus acht Bundesländern in Berlin verliehen.“

Heinlein: „Damit sind wir eine von drei Kommunen, die mit dem BNE-Preis in der Kategorie Bildungslandschaften ausgezeichnet worden sind. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro soll in Münster in Angebote für Kinder im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung fließen.“

Wie würdet ihr jemanden den Begriff BNE erklären, der noch nie davon gehört hat?

Heinlein: „Die Abkürzung BNE steht für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ziel ist, dass schon bei Kindern die Grundlagen zu einem selbstständigen sowie selbstverständlichen Umgang mit den unterschiedlichen Themen der Nachhaltigkeit gelegt werden. Nachhaltige Entwicklung orientiert sich an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs). Zu denen haben sich 193 Staaten der Vereinten Nationen (UN) im Jahr 2015 in der Agenda 2030 bekannt.“

Höper: „Demnach können und sollen alle Menschen Nachhaltigkeit erlernen. Bildung für nachhaltige Entwicklung dient einerseits der Reflexion eigener Handlungen und durch das Aneignen von gewissen Kompetenzen der Befähigung zur Mitgestaltung einer nachhaltigen Entwicklung. Andererseits ist BNE ein ganzheitliches Konzept, in dem Institutionen, wie kommunalen Verwaltungen, eine Vorbildfunktion für Lernende zukommt.“

Bei der Preisverleihung (v.l.): Dr. Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, Jutta Höper, Leiterin der Fachstelle Nachhaltigkeit und Sarah Heinlein, BNE-Koordinatorin, Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. (Foto: UNESCO)
Bei der Preisverleihung (v.l.): Dr. Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, Jutta Höper, Leiterin der Fachstelle Nachhaltigkeit und Sarah Heinlein, BNE-Koordinatorin, Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. (Foto: UNESCO)

Wie kam BNE in die Stadt Münster?

Höper: „Die lokale Verankerung von BNE ist wichtig, da Kommunen wie Münster sowohl in der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele als auch in der Gestaltung und als Impulsgeberin von lebenslangen Bildungsketten in regionalen Bildungslandschaften eine zentrale Rolle einnehmen. Die Stadt Münster engagiert sich schon seit vielen Jahren für das Thema Nachhaltigkeit. Im Jahr 2018 wurde das Thema in der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 strukturell verankert und ist seitdem ein zentraler Hebel zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie vor Ort. Unser Ziel ist klar. Wir wollen BNE in der Bildungslandschaft von Münster weiter etablieren.“

Heinlein: „Dabei arbeiten wir eng mit unseren Netzwerkpartnern zusammen. Sie alle eint, dass sie schon auf eine lange Historie in der Bildungsarbeit zurückblicken können. Die beteiligten Einrichtungen sind: Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM), Allwetterzoo, BNE-Regionalzentrum Münster mit der Stadt Münster (Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit) sowie dem NABU Münsterland, Eine-Welt-Netz NRW, Schulbauernhof Emshof, Verein „Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung“ (ESE), MexLab, „Haus der kleinen Forscher“ an der Uni Münster und Vamos. Und neuerdings haben sich das LWL-Museum für Naturkunde Münster, der Radio Kaktus e. V. mit dem Internationalen Kinderspielzeugmuseum und die vhs Münster dem Netzwerk angeschlossen.“

Wie kam es zu dem Zusammenschluss der lokalen Partner?

Höper: „Das war in erster Linie durch persönliche Ansprache insbesondere von Einrichtungen und Organisationen, die hier schon seit langem mit einem sehr umfassenden BNE-Verständnis unterwegs sind. Und die meisten der Organisationen waren uns bereits durch andere Kooperationen bekannt. Langfristig soll das Netzwerk mit seinen unterschiedlichen Angeboten für schulische und außerschulische Bildungseinrichtungen weiter wachsen und noch sichtbarer werden. Dazu haben wir mit den Netzwerkpartnern ein gemeinsames Selbstverständnis und erste Leitlinien für die gemeinsame Arbeit entwickelt.“

Soll das Netzwerk in Zukunft um weitere Partner erweitert werden?

Heinlein: „Es könnte wachsen. Dies ist aber nicht unser vorrangiges Ziel. Wichtiger ist uns, dass unsere Netzwerkpartner ein umfassendes BNE-Verständnis haben, sich unserem Leitbild anschließen und auch bereit sind, kontinuierlich ihr eigenes Qualitätsmanagement zu verbessern. Und natürlich geht es uns auch darum, dass wir z. B. mit Projekten Beiträge zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030 leisten. Das heißt auch, wer hier mitmachen möchte, sollte bereit sein, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und beispielsweise auch an der gemeinsamen Weiterentwicklung des Netzwerks mitzuwirken.“

Was habt ihr denn schon erreicht oder auf den Weg gebracht?

Heinlein: „Wir haben unter anderem eine Broschüre sowie ein Wimmelbild gemalt – okay, malen lassen (lacht). In der Broschüre stellen sich alle Netzwerkpartner vor und zeigen, wo die jeweiligen Themenschwerpunkte und Bildungsangebote hinsichtlich der 17 Weltziele sind. Gemeinsam wollen wir so sowohl die Anbietenden als auch zielgruppenspezifische BNE-Angebote sichtbarer machen. Zusätzlich haben wir uns noch das Wimmelbild von Benjamin Betram entwickeln lassen.“

Ein Wimmelbild? So wie sie Ali Mitgutsch auch gemalt hat?

Heinlein: „Genau. Die zentrale Frage bei der Erstellung des Wimmelbildes war, wie wir einen „Eye-Catcher“ schaffen, mit dem wir die Fülle an BNE-Aktivitäten in Münster verständlich vermitteln und zum „Stöbern und Weiterlesen“ anregen – beziehungsweise auf die Broschüre neugierig zu machen. Zugleich hat die gemeinsame Entwicklung dieses Wimmelbildes uns als Netzwerk näher zusammengebracht, haben wir uns doch bei den Terminen sehr viel besser kennenlernen können. Ergänzt durch einen QR-Code wird jede Person dann zur digitalen Broschüre weitergeleitet, die die Inhalte erläutern.“

Wo soll es in den kommenden Monaten und Jahren noch hingehen?

Ein Wimmelbild zeigt die BNE-Aktivitäten in Münster. (Foto: Benjamin Betram)
Ein Wimmelbild zeigt die BNE-Aktivitäten in Münster. (Foto: Benjamin Betram)

Höper: „Erstmal steht am Montag, 12. September, die 1. BNE-Tagung Münster mit dem Titel „#gemeinsam nachhaltig“ im LWL-Naturkundemuseum an. Hier wird ein Austausch zwischen Schulen, OGS, der Kinder- und Jugendarbeit sowie zahlreichen BNE-Anbietern stattfinden, es gibt Workshops und vieles mehr.

Die Fragen, die uns beschäftigen, sind unter anderem, wie wir BNE zukünftig weiter in Münster ausrollen können. Wir würden uns wünschen, dass sich immer mehr Bildungseinrichtungen auf den Weg machen, für sich ganzheitliche BNE-Ansätze, sogenannte „Whole Institution Approaches“ zu entwickeln. BNE sollte zum Selbstverständnis jeder Bildungseinrichtung werden. Gleichzeitig kann jede Einrichtung beispielsweise über Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Verpflegung, den Einkäufen, der Mobilität, oder auch durch klimaoptimierte Gebäude wichtige Beiträge zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit leisten. Erst, wenn Pädagogik und Alltagskultur in der Einrichtung zusammenpassen, ergibt sich ein stimmiges Bild.“

Heinlein: „Zudem soll auch das gemeinsame Netzwerk der BNE-Bildungsanbietenden weiter entwickelt werden. Ziel von uns allen ist es, dass das Netzwerk in der Bildungslandschaft in Münster noch präsenter und noch stärker verankert wird.“

Vielen Dank für eure Zeit und die vielen Informationen. Wir sehen uns dann am 12. September.

Höper / Heinlein: „Toll, wir freuen uns auch schon. Bis dann.“

Hier gibt es die Broschüre des BNE Münster zum Download.

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