Münster wird klimaneutral – mit Hilfe der Einwohner

Die Auftaktveranstaltung „Bürgerforum Münster Klimaschutz 2050“ findet am Freitag im Rathaus statt. (Foto: ka)
Die Auftaktveranstaltung „Bürgerforum Münster Klimaschutz 2050“ findet am Freitag im Rathaus statt. (Foto: ka)

2016 ist Münster vom Umweltministerium als „Masterplan-Kommune 100 % Klimaschutz“ ausgewählt worden. Klingt kompliziert, ist aber eine große Chance: Die Stadt hat damit die Möglichkeit erhalten, ihre Klimaschutzaktivitäten systematisch weiterzuentwickeln und ihre Vorreiterrolle im kommunalen Klimaschutz zu festigen. Münster möchte die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 95 Prozent gegenüber 1990 verringern und gleichzeitig den Endenergieverbrauch halbieren.

Das klingt nach einer Menge Arbeit – und wird es sicher auch. Stadtrat Matthias Peck sagt: „Das klimaneutrale Münster ist ein ambitioniertes Ziel, auch für eine in der Klimaschutzarbeit erfahrene und erfolgreiche Stadt. Aber wir können es schaffen, wenn die Münsteranerinnen und Münsteraner, die Unternehmen, Vereine, Verbände und Institutionen in der Stadt den Prozess kreativ unterstützen.“

Eine erste Einladung zum Mitmachen hat die Stadt nun ausgesprochen: Das „Bürgerforum Münster Klimaschutz 2050“ beginnt am Freitag, den 31. März. Die Auftaktveranstaltung (17 bis 20 Uhr) beginnt im Rathaus mit einem Vortrag von Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung über die globalen Herausforderungen und Chancen beim Klimaschutz. Anschließend richtet sich der Blick auf Münster: Wo steht die Stadt jetzt beim Klimaschutz? Welche Anstrengungen müssen unternommen werden, damit Münster bis 2050 klimaneutral wird? Moderatoren leiten an verschiedenen Thementischen durch die Diskussion.

In der ersten Aprilwoche folgen Werkstätten zu den Themen Mobilität (Montag, 3. April, 17 Uhr bei den Stadtwerken am Hafenplatz), Solares Münster (Dienstag, 4. April, 17 Uhr im Stadtweinhaus am Prinzipalmarkt) und Wohnen (Mittwoch, 5. April, 17 Uhr im Stadtweinhaus). In der Projektwerkstatt am Donnerstag, 6. April, ab 16 Uhr im Stadtweinhaus können Mitstreiter und Gleichgesinnte für eigene Projektideen gefunden werden. Alle Ergebnisse aus den Veranstaltungen fließen in die abschließende Zukunftswerkstatt am Samstag, 8. April, ab 14 Uhr im Vom-Stein-Haus am Schlossplatz ein. Am Ende stehen Visionen für eine klimaneutrale Stadt im Jahr 2050, aber auch die ersten heute bereits machbaren Schritte für einen klimaschonenden Alltag.

Sämtliche Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen, eine Anmeldung ist unter www.stadt-muenster.de/klima möglich. Eventuelle Fragen beantworten Caroline König (Tel. 0251/4926851) und Julian Schütte (0251 4926851) von der Koordinierungsstelle Klima und Energie im Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Katja Angenent

4 Kommentare

  1. Eine ausreichende Nachfrage für den Zug gibt es ohne Frage. Auf allen auf Münster zulaufenden Strecken ist die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen. Dabei ist es so, dass, obwohl diese Bahnstrecken auch außerhalb von Münster mit anderen Strecken verknüpft sind, häufig ein wesentlicher Teil der Fahrgäste diese Verknüpfungen nicht nutzt. Auf der Strecke Münster – Gronau – Enschede fuhren z. B. 6500 Fahrgäste zwischen Münster und Burgsteinfurt. Den weiteren Abschnitt nach Gronau nutzten nur 2600 Personen (Daten aus 2010). Dass man Münster Zentrum Nord, Altenberge und Nordwalde auch per Bus erreichen kann, führte also nicht dazu, dass die Bahn nur wenig genutzt wurde. Ganz ähnlich sieht es auf der Strecke Münster – Coesfeld aus. Auch zwischen Münster und Sendenhorst brauchen wir sowohl die Bahn als schnelle Verbindung mit wenigen Halten als auch einen auf den Bahnverkehr abgestimmten Bus, der oft hält. Bei früheren Reaktivierungsprojekten wurden die von den Gutachtern prognostizierten Fahrgastzahlen nach einigen Jahren Betrieb sogar übertroffen. Warum sollte das zwischen Münster und Sendenhorst anders sein? Der kombinierte Einsatz von Bus und Bahn macht dementsprechend zwischen Sendenhorst und Münster auch ökologisch Sinn.
    Dass Akku- und Wasserstofffwahrzeuge ihre Energie auch irgendwoher bekommen müssen, ist mir völlig klar. Gerade deswegen sollte ein energieeffizientes Verkehrsmittel wie die Bahn gefördert werden. Auf den geringen Roll- und Luftwiderstand bin ich in meinem Beitrag vom 1.4. schon eingegangen. Ein weiterer Vorteil des Zugs ist, dass er nur sehr selten vor roten Ampeln halten muss und deswegen weniger Energie zum Beschleunigen verbraucht.
    Auch darin, dass Akkus in der Herstellung und Entsorgung nicht gerade umweltfreundlich sind, stimme ich dir zu. Deswegen halte ich es auch für sinnvoller diese Akkus in Zügen mit einer wirtschaftlichen Lebensdauer von 30 Jahren einzusetzen, als in Bussen oder Autos, die längst nicht so alt werden.
    Die Aufnahme des planmäßigen Personenverkehrs auf der WLE im Jahr 2020 ist, wie auch der Presse zu entnehmen war, eine optimistische Planung. Leider steht zu befürchten, dass Anwohner dieses sinnvolle Projekt durch Klagen verzögern werden, obwohl durch den Ausbau der Strecke Verbesserungen beim Schallschutz erfolgen werden. Ich rechne deswegen leider nicht damit, dass vor dem Jahr 2022 Personenzüge auf der WLE rollen werden. Die wasserstoffbetriebenen Züge sollen bereits im kommenden Jahr probeweise in den Fahrgasteinsatz gehen. Das setzt eine eisenbahnrechtliche Zulassung voraus. Für akkubetriebene Fahrzeuge rechne ich mit einer solchen Zulassung bis zum Jahr 2020. Auch das reicht aus, um solche Fahrzeuge bei der Ausschreibung für den Verkehr auf der WLE zu berücksichtigen.
    Insgesamt wird also deutlich, dass Personenzüge auf der WLE ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz in Münster sind. Auf die ganzen anderen Vorteile des Personenverlehrs auf der WLE gehe ich jetzt bewusst nicht ein, weil sie hier nicht Thema sind.

  2. Die Frage ist doch, ob tatsächlich eine ausreichende Nachfrage für die Bahn existiert. Ein ökologisch effizientes Fahrzeug wie die Bahn ist nicht unbedingt ökologisch effektiv, wenn es völlig überdimensioniert ist für den Bedarf. Hier kann es sogar sinnvoll sein, die Strecke weiterhin mit dem Bus zu bedienen.

    Da die Politik mittlerweile den Willen äußert, die Busse parallel weiter rollen zu lassen, ist der redundante Einsatz beider Verkehrsträger mitnichten umweltfreundlich! Bitte machen Sie sich auch klar, dass Akku- oder Wasserstrofffahrzeuge (sofern serienreif) ihre Energie ja auch erst einmal irgendwoher bekommen müssen und wir keine durchgängige Ökostromversorgung haben (Akkus verursachen noch ganz andere ökologische Probleme). Der ökologische Gesamtwirkungsgrad muss hier betrachtet werden.

    Die ersten Züge sollen bei der WLE ja bereits 2020 fahren, wenn man den Verlautbarungen der Lokalpresse glauben darf. Bis dahin muss auch der Zugbetrieb ausgeschrieben und ein Anbieter ausgewählt sein. D.h. ein eisenbahnrechtlich zugelassenes Fahrzeug müsste bereits im nächsten Jahr eine Zulassung in Deutschland haben, sonst wird es wohl nix bei einer Ausschreibung…

    1. Diesem Kommentar kann ich nur teilweise zustimmen:
      Die Wiederbelebung der WLE-Strecke ist auf jeden Fall wichtig für den Klimaschutz. Bereits beim Einsatz von dieselbetriebenen Zügen können die Kohlenstoffdioxidemmissionen gesenkt werden, da Züge einen deutlich geringeren Rollwiederstand als Autos und Buss haben. Außerdem können in einem Zug sehr viel mehr Personen befördert werden als in einem Auto. Der Luftwiderstand fällt trotzdem nur einmal an.
      Es steht aber noch nicht fest, ob wirklich Dieselzüge auf der WLE kommen werden. Der erste wasserstoffbetriebene Zug hat dieses Jahr in Deutschland seine Probefahrt absolviert und geht voraussichtlich im nächsten Jahr in den Fahrgasteinsatz. Akkubetriebene Züge fahren heute schon täglich in Japan. In den nächsten Jahren wird es Einsätze in Süddeutschland geben. Bis zum planmäßigen Personenverkehr auf der WLE-Strecke werden also sowohl wasserstoffbetriebene wie auch akkubetriebene Züge serienreif sein.
      Umweltfreundlich ist der Schienenverkehr sowieso. Jetzt zeigt sich auch sehr deutlich, dass er dem Auto- und Busverkehr auch bei der Elektromobilität deutlich überlegen ist.
      Auch aus Gründen des Kliamschutzes ist deswegen sehr zu hoffen, dass bald Personenzüge auf der WLE zwischen Münster und Sendenhorst rollen.

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