„Mord(s)lust im Münsterland“ – mit Hans-Peter Boer

Autor und Kulturdezerned i. R. Hans-Peter-Boer erzählte vom literarischen Morden im Münsterland. (Foto: ka)

Zu einer Lesung mit Gespräch rund um Regionalkrimis im Münsterland lud das Kreativhaus im Rahmen seines 40-jährigen Bestehens am Samstagnachmittag ein. Rund 20 Gäste waren der Einladung gefolgt und hörten im Foyer dem Kulturdezernenten a. D. und Autor Hans-Peter Boer („Stoppelland“) zu, der einen lebendigen Einblick in die Regionalkrimi-Szene bot.

Zunächst berichtete Boer in seinem unterhaltsamen Vortrag davon, wie er selbst zum Krimiautor wurde. Das Münsterland sei aufgrund seiner Harmlosigkeit eigentlich nicht als Krimiregion geeignet– in Wirklichkeit, so Boer, geschehen nur wenige Morde pro Jahr im gesamten Landstrich. Dennoch sagte er zu, als ihn eine Verlegerin aus Münster anrief und fragte, ob er nicht eine Krimireihe aus dem Münsterland schreiben wollte, denn die Lust am Fabulieren hatte ihn gepackt. Und weil es im Krimi immer um Menschen und ihre Schicksale geht und nicht so sehr um die exakte Aufklärung einer Bluttat, fand er Freude an dieser Art des Geschichtenerzählens.

Das Münsterland sei eine an Stoffen und Motiven reiche Region, sagte der Autor. Im Anschluss las er einige Passagen aus seinen Werken, bevor er von einem ungewöhnlichen Krimiprojekt aus Ahaus berichtete. Dort hatte die Stadtbücherei im vergangenen Jahr zu einem Buchprojekt aufgerufen, an dem 15 Autoren teilnahmen, die jeder ein Kapitel der Geschichte verfassen sollten. „Zu Beginn war ich sehr skeptisch“, so Boer, der das Projekt als Berater begleitete und auch das erste Kapitel beisteuerte. Die Koordination der Autoren (der jüngste war 17, der älteste über 70 Jahre alt) lief über ein geschlossenes Forum, für alle Teilnehmer waren Workshops, unter anderem zum Thema Kriminalität, verpflichtend. Am Ende übertraf das Ergebnis alle Erwartungen. Die erste Auflage des Gemeinschaftsromans mit dem Titel „Mantelsonntag“ ist heute restlos ausverkauft.

Zum Schluss ermutigte Boer die Anwesenden zum eigenen Schreiben: „Wir leben in einer Zeit des raschen Wandels. Erzählen Sie darum von Ihren vergangenen Erfahrungen! Zumindest im Rahmen der Familie kann das jeder. Vielleicht hören Ihre Kinder nicht gerne zu, aber dann doch die Enkel.“

Mit dieser Veranstaltung aus der Sparte Literatur zeigte das Kreativhaus, dass es nicht nur in Sachen Musik und Tanz breit aufgestellt ist. Die Weiterbildungseinrichtung bietet auch immer wieder literarische Fortbildungen an. So befindet sich dort zur Zeit ein Krimiprojekt, ähnlich dem aus Ahaus, in Planung.

Katja Angenent

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