Mit Zebra-Kot gegen die Langeweile Seit drei Wochen ist der Allwetterzoo geschlossen. Pfleger und Tiere sind unter sich, da muss man auch mal zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen, damit es nicht langweilig wird.

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Ohne Besucher kann es schon mal langweilig werden, so wie diesem Przewalski-Pferd (Foto: Allwetterzoo)
Ohne Besucher kann es schon mal langweilig werden, so wie diesem Przewalski-Pferd (Foto: Allwetterzoo)

Seit dem 16. März ist der Allwetterzoo geschlossen, bis auf eine stark reduzierte Anzahl von Tierpflegern ist kaum ein Mensch zwischen Pinguin, Löwe & Co. unterwegs. Manchen Tieren ist das vollkommen egal, andere vermissen uns.

Marcel Alaze ist Kurator im Allwetterzoo, einer von Dreien. Er kennt und liebt den Zoo als quirligen Ort der Begegnung von Tier und Mensch. Seit der coronabedingten Schließung herrscht eine ungewohnte Ruhe auf den breiten Wegen, beim Restaurant oder auf dem großen Spielplatz, die auch manche Tiere nicht kalt lässt. „Das ist eine ungewöhnliche Stimmung, es sind nur wenige Tierpfleger und sonstige Mitarbeiter unterwegs, eine ganz andere Atmosphäre, die man so gar nicht kennt“, berichtet der 36-Jährige. Wer aktuell im Zoo nicht gebraucht wird, wie das Kassenpersonal oder die Mitarbeiter des Zooshops, wurde ins Frei geschickt. An Corona ist glücklicherweise noch niemand erkrankt, berichtet Alaze erleichtert.

Essen ist immer eine schöne Abwechslung, das ist beim Gepard auch nicht anders. Was hier für Abwechslung sorgte, ist allerdings schwer zu sagen (Foto: Allwetterzoo)
Essen ist immer eine schöne Abwechslung, das ist beim Gepard auch nicht anders. Was hier für Abwechslung sorgte, ist allerdings schwer zu sagen (Foto: Allwetterzoo)

Manche Tiere sind wegen der ungewohnten Ruhe geradezu überrascht, wenn doch mal jemand um die Ecke kommt, anderen wiederum wie dem Trampeltier ist das egal, es ist aktuell ohnehin mit dem jungen Nachwuchs beschäftigt. Das Team der Tierpfleger wurde auf das notwendige Minimum reduziert und in zwei Gruppen aufgeteilt, die strikt voneinander getrennt sind. Jede Gruppe arbeitet sieben Tage am Stück und hat dann sieben Tage frei, sodass sich die Mitarbeiter nicht begegnen. So ist ausgeschlossen, dass die eine Gruppe die andere ansteckt. Der Allwetterzoo ist in elf Tierreviere aufgeteilt, auch die Pfleger dieser Reviere sollten sich untereinander nach Möglichkeit nicht treffen. „Es wird noch geforscht, ob Tiere den SARS-CoV-2 übertragen können“, berichtet Marcel Alaze. Besonders vorsichtig sind die Zoomitarbeiter bei unseren nächsten Verwandten, „Aktuell wird erforscht, ob Menschenaffen sich anstecken können, daher arbeiten die Pfleger hier mit Mundschutz.“ Überhaupt scheinen uns die Affen am meisten zu vermissen: „Die Gorillas schauen manchmal aus dem Fenster und warten offenbar darauf, dass mal wieder Besucher kommen, manche Tiere benötigen jetzt vermehrte Zuwendung. Da müssen sich die Pfleger etwas einfallen lassen, damit die Tiere anderweitig beschäftigt werden.“

Die Enten nutzen die Gelegenheit, um ungestört durch den Zoo zu watscheln (Foto: Allwetterzoo)
Die Enten nutzen die Gelegenheit, um ungestört durch den Zoo zu watscheln (Foto: Allwetterzoo)

Der Allwetterzoo führt generell sogenannte Enrichment-Programme für verschiedene Tierarten durch, die für Abwechslung sorgen. Diese werden jetzt verstärkt umgesetzt, zusätzlich lassen sich die Pfleger neue Ideen einfallen, um den Tieren den Alltag angenehmer zu machen. So werden im Tigergehege Gewürze auf der Anlage verteilt, Katzen kann man sehr einfach mit Gerüchen beschäftigen, wie Alaze berichtet: „Die gehen erstmal die ganzen Gewürze ab, teilweise wälzen die sich darin oder beschäftigen sich sehr lange damit. Wir hängen auch Jutesäcke mit Kot von Huftieren, zum Beispiel vom Zebra, auf. Da schnuppern die Tiger dann dran. Für die Affen kann man mit Kartons und Säcken etwas basteln, in dem Futter versteckt ist.“ Der berühmte Pinguinmarsch wird allerdings nicht durchgeführt, „Wir wollen ja gerade vermeiden, dass etwas von einem ins andere Revier verbreitet wird, da wäre ein solcher Gang durch den Zoo natürlich ungünstig.“

Aushang an der Zookasse am Tag der coronabedingten Schließung (Foto: Michael Bührke)
Aushang an der Zookasse am Tag der coronabedingten Schließung (Foto: Michael Bührke)

Gespannt sind die Zoomitarbeiter auf den Tag, an dem die Tore nach langer Zeit wieder geöffnet werden, „Das wird für die meisten Tiere wohl auch wieder eine Umstellung werden.“ Zusammen mit dem Ordnungsamt wird darüber nachgedacht, wie dieser Tag aussehen könnte: „Wir können uns vorstellen, dass wir am Tag zunächst nur 1000 Leute reinlassen und die Tierhäuser schließen, damit die Menschen erstmal nur in den Freiflächen herumlaufen, aber das kann man noch gar nicht absehen.“ Die finanziellen Einbußen durch die Schließung sind enorm, dass die Verluste in diesem Jahr ohne externe Unterstützung wieder reingeholt werden können, hält Alaze für mehr als unwahrscheinlich. Dennoch ist die Stimmung unter den Mitarbeitern sehr gut, wie der Kurator berichtet, alle können sich aktuell ohne die Besucher intensiv auf ihre Aufgaben konzentrieren.

Die Pinguine müssen auf ihren regelmäßigen Ausflug in den Zoo aktuell leider verzichten (Foto: Allwetterzoo)
Die Pinguine müssen auf ihren regelmäßigen Ausflug in den Zoo aktuell leider verzichten (Foto: Allwetterzoo)

Auch von den Bürgern gibt es viel Zuspruch, vor allem in den sozialen Medien: „Die Menschen begrüßen die Maßnahme der Schließung, versuchen uns zu unterstützen und zeigen viel positives Feedback und Verständnis. Wir hoffen natürlich, dass die Leute uns nach der Öffnung dadurch unterstützen, dass sie alle wieder in den Zoo kommen“, wünscht sich Alaze. Ein paar Aktionen mussten bereits abgesagt werden und es ist nicht absehbar, ob diese im Sommer und Herbst stattfinden, „Wir schauen von Tag zu Tag, wie die Entwicklung ist.“

Wer den Allwetterzoo unterstützen möchte, kann zum Beispiel ein Treue-Ticket kaufen oder eine Tierpatenschaft abschließen. So können Zoo-Fans trotz der coronabedingten Schließung helfen.

Michael Bührke

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