„Lockerungen mit großem Augenmaß“ Wiedererlangung von Bürgerrechten für Corona-Geimpfte und Genesene / Frage des solidarischen Umgangs

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Warnen vor zu schneller Rücknahme der Maßnahmen (v.l.): Dr. med. Hans-Albert Gehle (Präsident der AKWL), Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hugo Van Aken (Ärztlicher Direktor des UKM) und Prof. Dr. Stephan Ludwig (Leiter der Molekularen Virologie des UKM). (Foto: UKM)
Warnen vor zu schneller Rücknahme der Maßnahmen (v.l.): Dr. med. Hans-Albert Gehle (Präsident der AKWL), Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hugo Van Aken (Ärztlicher Direktor des UKM) und Prof. Dr. Stephan Ludwig (Leiter der Molekularen Virologie des UKM). (Foto: UKM)

In der Diskussion um die Lockerungen der Maßnahmen für Corona-Geimpfte und Genesene warnen die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) und das Universitätsklinikum Münster (UKM) davor, die getroffenen Maßnahmen der Coronaschutzverordnung zu schnell wieder zurückzunehmen.

In dieser Woche berät das Bundeskabinett über Regeln zu möglichen Erleichterungen für Corona-Geimpfte und Corona-Genesene, Bundesjustiz- und Bundesinnenministerium arbeiten derzeit an einer entsprechenden Bundesverordnung, die Ende Mai abschließend im Bundestag und Bundesrat beraten werden und dann ab Juni greifen soll. Der Präsident der ÄKWL Dr. Hans-Albert Gehle und der Ärztliche Direktor des UKM, Univ.-Prof. Dr. Hugo Van Aken sind sich einig, dass zu schnelle Lockerungen nicht nur die Eindämmung der dritten Corona-Welle gefährde, sondern auch die Bemühungen, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden, zunichtemachen könnte. Die Menschen müssten trotz der bisherigen Impffortschritte weiter Geduld aufbringen und weiter sorgfältig miteinander umgehen, heißt es in einer gemeinsam Pressemeldung.

Für Kammerpräsident Gehle sei es „eine Frage der Solidarität, erst einen hohen Grad der Durchimpfung abzuwarten und bis dahin die Pandemie gemeinsam durchzustehen“, solange es nur ein eingeschränktes Impfangebot gibt. Bis dahin hofft Gehle auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen. Die Diskussion um Vorteile für Geimpfte und die Rückgabe von Rechten bereitet ihm die Sorge, „dass die Menschen dann unachtsam werden“. Die Infektionszahlen seien noch viel zu hoch, die Intensivstationen zu voll und die Sterbezahlen zu besorgniserregend, um leichtfertig über Lockerungen zu reden. Schließlich müsse man auch Rücksicht auf diejenigen nehmen, die noch nicht geimpft werden konnten. In Münster sind nach Auskunft der Stadt Münster inzwischen knapp 123.000 Menschen mindestens erstgeimpft worden, davon rund 28.000 in den ärztlichen Praxen. Etwa 33.000 Personen haben bereits ihre zweite Impfung erhalten. Erst bei einer Durchimpfung von mindestens jedem Zweiten und der Möglichkeit für jeden, ein Impfangebot anzunehmen, könne man über die Rückgabe von Grundrechten reden, so Gehle. „Sobald die Ausbreitung des Virus gestoppt und die Schwere der Krankheitsverläufe nachlässt, dürfen wir vom Ende der Beschränkungen sprechen – und dann für alle Menschen. Bis dahin müssen wir weiter auf einen sorgfältigen Umgang miteinander achten.“

UKM-Direktor Hugo Van Aken plädiert dafür, vor allem junge Menschen schneller und konsequent zu impfen. „Insbesondere die Jungen, die noch nicht geimpft sind, weisen hohe Infektionsraten auf. Um die Infektionsketten hier wirksam zu unterbrechen, rufen wir die Bundesregierung auf, die Gruppe der unter 30-Jährigen nun in der Priorisierung nach vorne zu ziehen.“ Univ.-Prof. Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für Virologie am UKM, ist insbesondere bezüglich der Entstehung möglicher impfresistenter Virusvarianten skeptisch. „Wir sehen jetzt endlich erste Wirkungen der Impfkampagne. Wir sind also auf dem richtigen Weg. Allerdings wirkt keine Impfkampagne zu hundert Prozent und bei den immer noch sehr hohen Infektionszahlen ist die Gefahr von Impfdurchbrüchen und die Entstehung von Virusmutanten, gegen die der Impfstoff nicht mehr wirksam ist, sehr groß.“ Daher gelte es bei Lockerungen mit großem Augenmaß vorzugehen.

In Zusammenhang mit dem Coronavirus sind gestern zwei weitere Todesfälle registriert worden: In münsterschen Krankenhäusern sind eine Frau im Alter von 57 Jahren an Covid sowie ein Mann im Alter von 68 Jahren mit Covid gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der seit Ende März 2020 an oder mit Covid gestorbenen Münsteraner auf 113. In den Krankenhäusern werden aktuell 49 Corona-Patienten behandelt, 23 von ihnen auf Intensivstationen. 13 Patienten müssen beatmet werden.

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