Kinder mit Sprachstörungen nicht aus den Augen verlieren Eingeschränkte Betreuung in Kitas und Schulen erschwert derzeit das Erkennen von Sprachauffälligkeiten

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Die unterschiedlichen Effekte von Einzel- oder Intensivtherapien bei Sprachentwicklungsstörungen, wie hier mit Logopädin Denise Siemons-Lühring zu sehen, und alternativen Formen wie Gruppen- oder Teletherapie sollen in der Studie THESES untersucht werden. (Foto: UKM)
Die unterschiedlichen Effekte von Einzel- oder Intensivtherapien bei Sprachentwicklungsstörungen, wie hier mit Logopädin Denise Siemons-Lühring zu sehen, und alternativen Formen wie Gruppen- oder Teletherapie sollen in der Studie THESES untersucht werden. (Foto: UKM)

Sprachentwicklungsstörungen gehören zu den am häufigsten behandelten Störungen im Kindesalter. Die aktuell eingeschränkte Betreuung in Kitas und Schulen erschwert derzeit das Erkennen von möglichen Sprachauffälligkeiten. Dabei ist eine frühzeitige Therapie wichtig, um langfristige negative Auswirkungen zu vermeiden oder verringern. Am UKM gibt es eine neue Studie mit alternativen Therapiekonzepten wie beispielsweise Intensiv- oder Videotherapien.

Schulen und Kitas sind neben der Familie für Kinder und Jugendliche entscheidende Orte für den Erwerb von Basiskompetenzen – auch die sprachliche Anregung und das Erlernen der Schriftsprache gehören dazu. „Der aktuelle Lockdown ist für Kinder mit Sprachstörungen eine große Hürde. Denn dadurch fehlt an vielen Stellen der direkte Kontakt zu Pädagoginnen und Pädagogen, die für das Thema sensibilisiert sind. Zudem sind durch Corona viele Schuleingangsuntersuchungen und damit die dazugehörige Beratung vielerorts ausgefallen“, erklärt Denise Siemons-Lühring, Logopädin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie am UKM (Universitätsklinikum Münster). Langfristig kann sich eine Störung auf die soziale, kognitive und emotionale Entwicklung eines Kindes negativ auswirken und auch noch im höheren Schulalter weiter fortbestehen.

Am UKM wird aktuell untersucht, ob es für die Behandlung von Sprachentwicklungsstörungen, die standardmäßig einmal pro Woche als Einzeltherapie stattfindet, nicht bessere Alternativen gibt. „Wir leiten die deutschlandweite Studie THESES (Therapie von Sprachentwicklungsstörungen) und möchten herausfinden, ob andere Settings wie zum Beispiel Intensiv- oder Extensivbehandlungen, Standard-Präsenz- oder Teletherapie, Einzel- oder Gruppentherapie vergleichbar gut wie oder möglicherweise besser als die Standardtherapie wirken“, erklärt die Klinikdirektorin und Leiterin der Studie, Prof. Dr. Katrin Neumann. „Einige dieser Therapieformen wie das Videoformat bieten sich insbesondere gerade gut während der Corona-Pandemie an.“

Grundsätzlich zählen zu den Störungen der Sprachentwicklung Wortschatzdefizite sowie Schwierigkeiten, bestimmte Laute auszusprechen oder auch Sätze zu bilden und zu verstehen. „Wenn ein Kind im Kindergarten- oder Vorschulalter undeutlicher als gleichaltrige Kinder spricht, nach Wörtern sucht oder Schwierigkeiten hat, Sätze zu bilden, könnten das Hinweise auf eine Sprachentwicklungsstörung sein“, sagt Siemons-Lühring. Die Logopädin betont, dass die frühzeitige Erkennung von Sprachauffälligkeiten entscheidend für den Therapieerfolg sei. „Deswegen mein Appell an Eltern: Aufmerksam sein, bei Sprachproblemen genauer hinschauen und im Verdachtsfall den Kinderarzt um Rat aufsuchen.“

Mehr zum Thema: Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Tel. 0251 83-57985 oder per E-Mail theses-studie@ukmuenster.de.

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