Jagd gelungen – Wild erlegt

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Kai-Christian Sander (Hendrik von Rhyn) mit Carmen Finzel (Prinzessin Gertrud). (Foto: Oliver Berg)

Oftmals sind es ja die kleinen, feinen Locations, die für manch eine Überraschung gut sind. So eine Location ist die U2, die ehemalige Probebühne des Theaters, die seit einigen Jahren bespielt wird und Platz für etwa 60 Zuschauer bietet. Die Kammeroperette Münster präsentierte da gestern Abend „Liebe im Schnee“ in einer Inszenierung von Christian-Kai Sander. Mit der Operette feierte Ralph Benatzky seinen ersten großen Opern-Erfolg. Vor ziemlich genau 100 Jahren wurde sie in Wien uraufgeführt.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Dagobert, regierender Fürst von Landskron, will – einer Familientradition folgend – seine 20-jährige Tochter Gertrud am Silvesterabend verheiraten, damit ein männlicher Thronfolger die Amtsgeschäfte übernehmen kann. Prinzessin Gertrud – das kann man sich denken – ist davon „not amused“, zumal ihr Herz auch für einen anderen schlägt. Der ist aber nun ausgerechnet Kammersänger, entstammt also nicht dem Adelsgeschlecht. Und er weiß: Liebe im Schnee hat keinen Bestand. Natürlich ist der Tenor aber in einer Oper genau richtig. Hendrik von Rhyn, Hofopernsänger wird gespielt und gesungen vom Regisseur selbst. Er ist es auch, der dem Stück den Stempel aufdrückt. Allerdings ist seine Gesangspartnerin Carmen Finzel (Prinzessin Gertrud) auch gehandicapt. Sie ist – wie viele andere Schauspieler im Großen Haus – erkältet, was für eine Sängerin doppelt wiegt.

Fürst Dagobert geht viel lieber zur Jagd, als anstrengend zu regieren. „Jagd gelungen, Wild erlegt“, gibt er seinem Personaladjutanten Römmler für die Presse mit auf den Weg, während er in Wirklichkeit ein Weibsbild jagt, nämlich Hofschauspielerin Ellen Cramer. Die wird gesungen von Gerlind Hofmann und macht ihre Sache großartig. Extrovertiert im weißen, tiefdekolletierten Kleid, brillantenbehangen besteht ihr Gesang hauptsächlich aus Vorhaltungen: „Donnerwetter, Donnerwetter, ist das ein Benehmen einer Dame  gegenüber“. Gerne lässt sie sich mal theatralisch aufs Canapé sinken. Später trägt sie sogar ein signalrotes Kleid. Nun stellt der Fürst jedenfalls seiner Tochter auf dem Silvesterball verschiedene Freier vor. Friedrich  von Treuchtlingen-Bitterberg-Übelacker leidet an der Maul- und Klauenseuche, Hans-Jakob von Altenhof-Brackwasser könnte ihr Großvater sein. Gertud ist deprimiert. Doch eine Entscheidung muss getroffen werden.

Alle Gesangspartien werden großartig auf dem Klavier begleitet von Hyolim Chi. Eine kurzweilige Unterhaltung, die man kaum vermuten konnte im kleinen U2. Nächsten Sonntag findet eine Wiederholung statt.

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