Ina Müller singt und sabbelt über Männer

Was Ina Müller singt, ist eher Deutscher Pop für Erwachsene als Schlager. (Foto: cf)
Was Ina Müller singt, ist eher Deutscher Pop für Erwachsene als Schlager. (Foto: cf)

Ina Müller hat ihr Publikum im Griff. Sie brauchte zur Begrüßung nur „Moin, Münster!“ zu rufen, und schon lagen ihr alle in der schon lange ausverkauften Großen Halle der MCC Halle Münsterland zu Füßen. Das nutzte sie gnadenlos aus und zerrte immer mal wieder jemanden ins Rampenlicht, um in den direkten Dialog zu treten. Dafür waren vor allem Männer gefragt, denn die stehen ja am Ende ihrer evolutionären Entwicklung. Das will sie in einem Buch namens „Der Mann, die Sackgasse“ gelesen haben, aus dem sie immer wieder zitierte. Natürlich ist das erfunden, wie viele ihrer Geschichten, aber daraus ergaben sich herrliche Anlässe zum Weiterspinnen oder um zum nächsten Lied überzuleiten.

Zwischendurch geriet allerdings immer wieder aus dem Blick, dass es sich eigentlich um ein Konzert handelte. Der Anlass für die Tournee war schließlich ihr letztes Studio-Album „Ich bin die…“, und damit ist sie schon seit Januar unterwegs. Aber Ina Müller wäre nicht Ina Müller, wenn es kein Gesabbel gäbe zwischen den Liedern. Manches davon hat sie sicher so ähnlich schon oft erzählt, so wie das Gespräch, das nachmittags angeblich im Fahrstuhl des Hotels in Münster stattgefunden hat. „Ich kenne Sie doch irgendwo her,“ soll ein Mann dort zu ihr gesagt haben, worauf ihre Gegenfrage „Gucken Sie manchmal Pornos?“ zu den „eisigsten drei Minuten“ geführt hätten. Die Männer im Saal ernteten dagegen eher ihr Mitleid, so wie Kai aus der ersten Reihe, der nur Cola trank statt Wein oder Bier, weil er anschließend noch das Auto zu fahren habe. „Oh, da müssen wir uns ja auch noch was zu überlegen,“ griff sie spontan die Vorlage auf, „wer bringt uns denn nach Hause, wenn die Männer alle nicht mehr da sind?“

Immer wieder stieg Ina Müller von der Bühne, um direkt mit ihren Gästen zu reden. (Foto: cf)
Immer wieder stieg Ina Müller von der Bühne, um direkt mit ihren Gästen zu reden. (Foto: cf)

Aber nicht nur die Männer kriegten ihr Fett weg, die ja nun bald „der größten Rückrufaktion der Natur seit den Dinosauriern“ zum Opfer fallen werden. Schonungslos stellte Ina Müller auch sich selbst und ihre Alterserscheinungen bloß, schließlich hat sie inzwischen die 50 überschritten. Ohne Gnade schilderte sie den vergeblichen Versuch, sich in gefährlich klingende „Quetschwäsche“ zu quälen, um in einem schicken neuen Kleid gute Figur zu machen. Und beim Plaudern mit den beiden Background-Sängerinnen über ihre frisch gebackenen Ehemänner hielt Ina Müller sich nicht mit Kommentaren über die Eheringe zurück. Die Band hielt sich dagegen stets im Hintergrund, verschwand manchmal sogar hinter riesigen Jalousien. Musikalisch war sie aber bei allen Liedern sehr präsent und sorgte mit einem Sound zwischen Country-Folk und modernem Pop nachhaltig dafür, dass keine plumpe Schlagerseligkeit aufkam. Denn auch wenn Ina Müller hier und da zum Schunkeln oder gar zum Mitsingen aufforderte, mag sie es überhaupt nicht, wenn mitgeklatscht wird – und das sagte sie auch sehr deutlich.

Die große Halle war schon seit Monaten ausverkauft. (Foto: cf)
Die große Halle war schon seit Monaten ausverkauft. (Foto: cf)

Auf dem Programm standen natürlich viele Lieder vom Album „Ich bin die…“, das schon vor über einem Jahr herausgekommen ist. Schließlich war das Konzert am Donnerstag in Münster der drittletzte von etwa 50 Auftritten unter diesem Motto, seit dem 1. Dezember ist auch schon das Live-Package mit Doppel-CD und DVD voller Aufnahmen von dieser Tour auf dem Markt. Neben den neuen, von ihrem Freund Johannes Oerding komponierten Liedern, wie „Wenn du jetzt aufstehst“, „Tag eins nach Tag aus“ oder „Wenn du jetzt aufstehst“, sang Ina Müller auch Lieder von früheren Alben, die fast schon zu so etwas wie Klassikern geworden sind, wie „Fünf Schwestern“, „Sowas passiert mir heut nicht mehr“ oder „Sie schreit nur noch bei Zalando“. Die Zuschauer waren rundum begeistert und spielten auch mit, als sie von Ina Müller zu Aufstehen aufgefordert wurden, wenn das von ihr aufgezählte Altersgebrechen auf sie zutrifft. Sie wunderte sich allerdings, dass bei Knie und Schulter, Tennisarm, Migräne oder Rückenbeschwerden die allermeisten noch sitzen geblieben waren, aber beim Aufrufen der Allergien dann plötzlich fast der ganze Saal stand. „Münster ist also eine Allergie-Hochburg,“ war dann ihre abschließende Feststellung. Erst viel später fiel mir wieder ein, dass sie vor ihrer künstlerischen Karriere jahrelang in Apotheken gearbeitet hat.

Aktuelles über Ina Müller gibt es immer wieder auf ihrer Homepage www.inamueller.de oder auf Facebook

Ralf Clausen

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