Händewaschen in Coronazeiten Wasser, Seife und „Happy birthday to you“ - wie das zusammenpasst, erklärt Chemiker Prof. Dr. Thomas Schupp von der FH Münster

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Das Händewaschen ist gerade in Zeiten von Corona besonders wichtig. (Foto: FH Münster/ Katharina Kipp)

In Zeiten von Corona machen es alle noch mehr als sonst: Händewaschen. Warum das wichtig ist, was „Happy birthday to you“ damit zu tun hat und was genau mit den Viren passiert, erklärt Chemiker Prof. Dr. Thomas Schupp von der Fachhochschule Münster.

Herr Prof. Schupp, man liest es überall: Händewaschen schützt vor einer Coronainfektion. Warum ist das so?

Viruserreger wie das SARS-CoV-2 halten sich problemlos ein paar Stunden an der Luft. Deshalb ist die sogenannte Kontaktinfektion gefährlich: Jemand ist krank, niest in seine bloße Hand und packt dann die Türklinke an – prompt sind da Viren drauf. Wenn dann ein anderer die Klinke wenig später anfasst und unachtsam ist – zum Beispiel mit der Hand etwas greift und isst – finden die Erreger über die Mundschleimhaut ihren Weg in den Körper. Um das zu verhindern, sollte man sich die Hände waschen und zwar mit Seife! Coronaviren haben eine fettartige Hülle, und Seife vertragen sie überhaupt nicht.

Wie wasche ich meine Hände denn richtig?

Am besten machen Sie Ihre Hände nass, nehmen Seife dazu und kneten 20 Sekunden lang Ihre Finger richtig schön durch. Um das tatsächlich 20 Sekunden durchzuhalten, hilft folgender Trick: Wenn Sie im Stillen, aber mit voller Inbrunst, einmal „Happy birthday to you“ singen, haben Sie es geschafft. Welche Seife Sie verwenden, ist übrigens egal, Hauptsache, Sie nehmen eine. Allerdings: Nur mit Wasser ist immer noch besser als die Hände gar nicht zu waschen. Das sollte aber die Ausnahme bleiben.

Durch das ständige Waschen trocknet die Haut extrem aus.

Stimmt, das ist leider eine unschöne Begleiterscheinung. Wenn Sie sich die Hände waschen, machen Sie nicht nur Schmutz und Viren den Garaus. Sie entfetten auch Ihre Haut. Üblicherweise sondern die Hautporen Fett ab, damit die Haut schön geschmeidig bleibt. Diesen Fettfilm waschen Sie mit Wasser und Seife ab. Die Folge: Es entsteht trockene, spröde Hornhaut, Ihre Haut bekommt Risse und Sie haben raue Hände. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn das Wetter schön und die Luft trocken ist. Gegen trockene Hände hilft aber Handcreme. Darin enthalten sind unter anderem Glycerin, Harnstoff und Fette – das alles sorgt dafür, dass eine Art Rückfettung passiert, und Ihre Hände werden wieder schön geschmeidig.

Ist es denn egal, ob wir uns die Hände mit kaltem oder warmen Wasser waschen?

Grundsätzlich ist warmes Wasser besser, um Fett zu lösen. Beim Händewaschen macht das aber keinen großen Unterschied. Optimal ist lauwarmes Wasser, denn heißes Wasser trocknet die Haut stark aus, kaltes Wasser fühlt sich unangenehm an. Wichtiger als die Temperatur des Wassers ist aber, dass Sie Seife nutzen.

Neben dem Händewaschen schwören einige auf Desinfektionsmittel. Sind sie ein zusätzlicher Schutz?

Solange Sie keinen direkten Kontakt zu Erkrankten haben: nein. Denn Desinfektionsmittel sorgen dafür, dass der Entfettungsprozess der Haut viel schneller und stärker abläuft. Gründliches Händewaschen ist aus meiner Sicht ausreichend. Das ändert sich, wenn zum Beispiel ein Mensch in Ihrem Haushalt erkrankt. Dann sollten Sie Desinfektionsmittel nutzen, gemäß den Anweisungen des Hausarztes.

Wer jetzt noch keins hat und Schwierigkeiten bekommt, es zu kaufen: Kann man Desinfektionsmittel selber herstellen?

Prof. Dr. Thomas Schupp forscht und lehrt am Fachbereich Chemieingenieurwesen unter anderem zu Nachhaltiger Chemie und Ökotoxikologie. (Foto: FH Münster/ Theresa Gerks)

Theoretisch schon, aber ich rate dringend davon ab! Desinfektionsmittel zählen zu den Bioziden. Wer die auf den Markt bringt, muss sich bei der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki melden, dort die Zulassung beantragen und diese auch bekommen. Ansonsten macht man sich strafbar, und wir haben schließlich noch keinen Katastrophenfall. Abgesehen davon gibt es aber auch noch einen anderen Grund, Desinfektionsmittel auf keinen Fall selber herzustellen: Das zugelassene Desinfektionsmittel aus der Drogerie besteht nicht nur aus Alkoholkomponenten, sondern auch aus Stoffen, die dem Entfetten der Haut zumindest zum Teil entgegenwirken. Diese sind dermatologisch geprüft und allemal hautverträglicher als selbst hergestellte Mischungen. Wer sich exzessiv ohne Not die Hände desinfiziert, riskiert schlimme Hautekzeme.

Wie oft sollte man sich die Hände waschen?   

Das ist situationsabhängig. Sie sollten auf jeden Fall immer dann Ihre Hände waschen, wenn Sie etwas essen möchten, von draußen reinkommen oder auf der Toilette waren. Dadurch schützen Sie sich schon mal gut vor Kontaktinfektionen. Allerdings lässt sich das Coronavirus auch durch Tröpfcheninfektion übertragen, wenn zum Bespiel jemand feucht spricht oder kräftig niest und Sie dadurch Tröpfchen einatmen. Dagegen hilft nur: Abstand halten und – noch besser – zu Hause bleiben, sofern das möglich ist.

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